06. Februar 2014, 11:13 Uhr

»Nicht mit Gesangsausbildung vergleichbar«

Wetteraukreis/Rosbach (sky). Auch die Evangelische Kirche in Hessen Nassau (EKHN) muss sparen, weshalb ihre Gremien selbst vor einem wesentlichen Element der kirchenmusikalischen Arbeit, den Posaunenchören, nicht Halt machen.
06. Februar 2014, 11:13 Uhr
Der Posaunenchor Rosbach mit Leiter Hilmar Koch (hinten links). (Foto: sky)

Zwei der derzeit drei Planstellen der Landesposaunenwarte sollen nach dem Ausscheiden der jetzigen Amtsinhaber nicht mehr neu besetzt werden. Kritik daran kommt auch aus Rosbach.

Das »Gesetz zur Neuordnung des kirchenmusikalischen Dienstes«, sieht vor, dass die Arbeit der Landesposaunenwarte künftig von den Probstei- und Dekanatskantoren übernommen werden soll. Das hat Landeskirchenpräsident Volker Jung Mitte Juli mitgeteilt. Mehr als 45 000 Menschen musizieren in der EKHN in fast 2278 Chören oder Gruppen. Hinzu kommen 4913 Bläser, die in 338 Posaunenchören aktiv sind.

Für Hilmar Koch, den langjährigen Leiter des Evangelischen Posaunenchors Rosbach, würde ein Festhalten an dieser Entscheidung der Landeskirche verheerende Folgen haben. Der Bereich habe sich im Laufe der Jahre dank der engagierten und qualifizierten Arbeit der Landesposaunenwarte in überdurchschnittlichem Maß weiterentwickelt, betont er. »Bis ein Bläser aber sein Instrument so beherrscht, dass er in der Öffentlichkeit auftreten kann, braucht er eine lange und sorgfältige Ausbildung, die man überhaupt nicht mit der eines Chorsängers vergleichen kann«, betont Koch.

Durch die Stellenstreichung befürchtet er Lücken in der Aus- und Weiterbildung der Chorleiter, außerdem könnten wichtige, überregionale Lehrgänge für Jungbläser wegfallen, was in einem Fall bereits geschehen sei. »Die Landesposaunenwarte haben flächendeckend dafür gesorgt, dass sich das Niveau der Posaunenchöre permanent gesteigert hat«, meint Koch. »Kommt aber die neue Regelung, dann schmoren wir nur noch im eigenen Saft.«

Im November hatte Koch zusammen mit anderen Posaunenchorleitern und Bläsern auf der Landessynode in Frankfurt gegen die Pläne der Landeskirche demonstrieren und seine Meinung dazu äußern wollen. »Wir sind völlig desillusioniert wieder nach Hause gefahren, weil man uns überhaupt nicht angehört hat«, ärgert er sich. Er betrachtet das Verhalten der Synode als Missachtung der Basis. Die Posaunenchöre in der EKHN, deren Mitglieder nicht nur bei kirchlichen Anlässen spielen, sondern auch andere öffentliche Veranstaltungen musikalisch begleiten, brauchten mehr denn je eine ausreichende personelle Unterstützung. Koch: »Wir sind mit unseren Jungbläsern ein wesentlicher Baustein in der städtischen Jugendarbeit, da kann man uns nicht einfach den Boden unter den Füßen wegziehen.« Und Ehefrau Simone ergänzt: »Wir hatten immer das Gefühl, etwas Gutes auch für die Kirche zu tun, aber anscheinend wird das in der Kirchenverwaltung gar nicht wahrgenommen.«

Für Hans-Georg Lachnitt, Vorsitzender des Posaunenwerks der EKHN im Bezirk Rheinhessen, ist der Streit um die Streichung mit vielen Fragezeichen versehen und gleicht einem »Scherbenhaufen«, der den Voraussetzungen für konstruktive Verhandlungen im Wege stehe. Nicht alle Argumente finden seine Unterstützung, doch im Kern ist er sich mit den Protestanten einig: Genau so wenig, wie man Äpfel mit Birnen vergleichen könne, sei und bliebe die Posaunenarbeit mit der Chorarbeit nicht vergleichbar, betonte er in einem Rundschreiben vom November 2013. Insofern würde er das Kürzel »kw-Vermerk« (künftig wegfallend) auch umdeuten in »kann wegfallen« – was dann hieße: kann, muss aber nicht.

Koch und seine Mitstreiter sind weiter skeptisch: »Wir brauchen längerfristige Sicherheit«, betont er. In jedem Fall sei ihr Vertrauen in das Landesposaunenwerk derzeit erheblich gestört.

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