08. Januar 2010, 11:18 Uhr

Flämische Kaltblüter schützen die Windelschnecken

Wetteraukreis (pdw). Wie man mit der Kombination von alter Technik und modernem Gerät empfindliche Naturräume pflegen kann, zeigt ein Beispiel aus der Beunebach-Aue bei Ober-Wöllstadt. Mit seinen beiden Kaltblütern sorgte Ralf Zauner aus Florstadt hier für schonenden Artenschutz.
08. Januar 2010, 11:18 Uhr
Schonender Mäh-Einsatz: Der Florstädter Ralf Zauner mit seinen Pferden »Eddy« und »Das« in Aktion. (Archivfoto: pdw)
Inmitten der intensiv genutzten Agrarfläche südlich von Friedberg gehört die fünf Hektar große Aue zum europaweiten Schutzgebietssystem »Natura 2000«. Unter dem Namen Beunebach-Aue ist der kleine Bachlauf zwischen Wöllstadt und Rosbach auf einer Länge von knapp 350 Metern als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH) ausgewiesen. In diesem Abschnitt lebe auch die Schmale Windelschnecke (Vertigo angustior), für die gemäß FFH-Richtlinie besondere Schutzmaßnahmen zu treffen seien, wie Ute Heinzerling vom für die FFH-Gebiete zuständigen Fachdienst Landwirtschaft des Wetteraukreises berichtet.

Die Schnecke lebe bevorzugt in mit Gräsern bewachsenden Feuchtflächen - sogenannten Großseggenrieden. Obwohl sie nur knapp einen Millimeter groß sei, habe die Schnecke hohe Ansprüche an ihren Lebensraum. So besiedelt sie nur Standorte, die eine konstante Feuchtigkeit aufweisen und einen lichtdurchlässig Bewuchs haben. Zwar werde die Zahl der Schnecken im Großseggenried und den angrenzenden seggenreichen Feuchtwiesen auf über 500 000 Exemplare geschätzt, doch sei der Lebensraum durch fehlende Nutzung bedroht. In den letzten zehn Jahren sei das Areal nicht mehr gemäht worden, wodurch die Vegetation immer dichter geworden sei. Somit habe sich auch der Lichteinfall verringert, und es sei zu einer Erwärmung der Erdoberfläche gekommen. Die konkurrenzstarke Brennnessel wandere ein, die Verbrachung beginne.

»Diesen sensiblen Lebensraum können wir nur erhalten, wenn wir das Großseggenried alle 4 bis 5 Jahre abmähen«, erläutert Heinzerling. Mit Traktor und Kreiselmäher habe man der winzigen Schnecke aber nicht zu Leibe rücken wollen. »Auf der Suche nach schonenden Alternativen sind wir dann auf die flämischen Kaltblutpferde von Ralf Zauner aus Florstadt gestoßen.« Zauners Gespann mit Mutter »Eddy« und Sohn »Das« sei ein eingespieltes Team. Die Kombination von alter Agrartechnik und modernem Gerät - einem Vorderwagen mit angebautem Doppelmesser-Mähwerk - biete sich besonders in Schutzgebieten an. Beide Arbeitspferde bringen zusammen knapp 1800 Kilogramm auf die Waage, doch würden deren Hufabdrücke lange nicht so viel zerstören wie die Reifen von Traktoren. Das langsamere Arbeitstempo der Pferde ermögliche den Tierarten im Grünland zudem eine rechtzeitige Flucht.

Kurz vor Einbruch der Frostperiode kam das Gespann zum Einsatz. Zwei Stunden lang war dann volle Konzentration bei Mensch und Tier gefragt, gab es doch viele kleine Senken und Gräben, die durch den dichten Bewuchs nicht sofort als solche auszumachen waren. Dank der Routine jahrelanger gemeinsamer Arbeit, war das jedoch kein Problem.

Nach den guten Erfahrungen wolle man auch in Zukunft bei der Bewirtschaftung der betreuten FFH-Gebiete öfter auf die Mahd mit Arbeitspferden zurückgreifen, sagte Heinzerling.

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