07. November 2010, 17:52 Uhr

Die Tankstelle kommt zum Gabelstapler

Ober-Mörlen (khn). »Stellen Sie sich vor, Sie wollen einen mit Wasserstoff betriebenen Gabelstapler auftanken«, sagt Jan Andreas, schiebt die Brille mit dem Finger von der Nasenspitze hoch und beugt sich nach vorne. »Bis der eine der wenigen Wasserstoff-Tankstellen wie der in Höchst angefahren hat und wieder zu seinem Standort zurückgekehrt ist, ist der Tank wieder leer.« Der Projektmanager der GHR Hochdruck-Reduziertechnik GmbH macht eine Kunstpause. »Das wäre Quatsch«, sagt er dann. »Also dachten wir uns: Wenn der Gabelstapler nicht zur Tankstelle kommt, kommt die Tankstelle eben zum Gabelstapler.«
07. November 2010, 17:52 Uhr
Einmal volltanken: Jan Andreas präsentiert den Prototyp einer mobilen Wasserstofftankstelle. (Foto: khn)

Das Unternehmen hat jetzt den Prototyp einer mobilen Wasserstofftankstelle auf der Elektroauto-Messe »eCarTec 2010« in München präsentiert. »Sie ist auf einem Anhänger montiert und kann so zum Betanken von brennstoffzellenbetriebenen Anlagen oder Fahrzeugen wie Boote oder Gabelstapler gefahren werden«, beschreibt der 44-jährige Projektmanager sein »Kind«.

Im Sommer 2009 hatten fünf der 18 Mitarbeiter von GHR - zwei waren mit der Planung, drei mit dem Bau beschäftigt - die Idee für die mobile Tankstelle. Nur ein Jahr später konnten sie die im Rahmen eines Projektes vom Land Hessen geförderte Anlage der Öffentlichkeit präsentieren. »Das war eine Menge Arbeit, hat aber viel Spaß gemacht«, sagt Andreas und fügt stolz hinzu: »Fast alle Teile an unserem Prototyp sind Sonderanfertigungen.«

Ziel sollte sein, eine einfache, flexible und modular aufgebaute Tankstelle zu entwickeln, die Fahrzeuge mit 700 oder 350 bar befüllen kann. Das sollte ohne externe Wasserstoff- oder Energiezufuhr geschehen. »Sie sollte vor allem mobil sein und eine Infrastruktur überflüssig machen. « Einen Markt dafür gibt es vor allem in der Automobilindustrie - insbesondere für das Betanken von Wasserstoff-Vorführwagen. Zum Einsatz kommen kann sie auch bei Fahrzeugen, die in Innenräumen von Firmen oder Flughäfen genutzt werden, wo keine Verbrennungsmotoren zugelassen sind. Ein Nebenprodukt: »Mann kann die Tankstelle auch zur Stromversorgung nutzen, sie ist sogar mit einer normalen Steckdose kompatibel.«

Andreas und sein Team sind Pragmatiker. Die Tankstelle präsentieren sie auf einem einfachen Anhänger - ohne Verkleidung, ohne Effekte. Man sieht zwei Tankschläuche, sechs Hochdruckbehälter, zwei Kompressoren, eine Speichereinheit, Manometer und viele Ventile. »Ich würde es ja gerne sexier machen«, sagt der 44-Jährige. »Aber so können wir besser demonstrieren, wie alles funktioniert und welch einfaches Prinzip dahinter steckt.«

Eine Herausforderung für die Entwickler sei die TÜV-Zulassung. »Ein simples Beispiel«, leitet der 44-Jährige ein. »Wir haben Ventile an den Wasserstofftanks. Der TÜV sagt, dass diese in der Automobilindustrie nicht explosionssicher sein müssen. Deswegen ist das sehr billig. Wir müssen sie aber Ex-sicher machen.« Hadern tut er mit diesem Umstand aber nicht. »Es ist ja nicht verkehrt«, sagt er. Alles müsse sicher sein. »Aber für uns bedeuten das erhebliche Mehrkosten.«

Der Langenhainer gerät ins Schwärmen, wenn er von seinem »Kind« spricht. Worte wie Membranverdichter, Pressluftkompressoren, redundantes System und APU kommen ihm flüssig über die Lippen. Dabei werden seine Augen größer, er redet schnell, gestikuliert viel. »Ich glaube, dass der Brennstoffzellenmarkt ein Wachstumsmarkt ist«, sagt der 44-Jährige schließlich, der sich selbst mit einem Augenzwinkern als »Fachidioten« bezeichnet. Es fehle zwar noch an der notwendigen Infrastruktur. Aber er rechne damit, dass in etwa zwei Jahren das Stadium der Prototypen überwunden sei und Projekte wie die mobile Tankstelle in Serie gehen könnten.

Interessant sei die Technik auch im Bereich Windenergie. »Windpark-Betreiber müssen vorhersagen, wie viel Strom sie ins Netz einspeisen wollen«, erklärt er. »Ist es zu viel oder zu wenig, zahlen sie Strafe.« Wenn sie nun die Wasserstofftechnologie nutzten, um die überschüssige Energie umzuwandeln und zu speichern, könnten sie bei fehlender Strommenge diesen Wasserstoff wieder umwandeln und den Strom ins Netz einspeisen - oder ihn zum Tanken von Fahrzeugen nutzen. »Das ist zurzeit ein ganz großes Thema bei denen, denn Wasserstoff ist ein idealer Langzeitspeicher.«



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