02. März 2010, 20:00 Uhr

28 Monate Haft wegen Besitz von Kinderpornos

Wöllstadt/Wetzlar (bf). Trotz der Androhung von schweren Strafen nehmen Herstellung und Verbreitung kinderpornografischer Bilder und Videos weiter zu. Aussichten, die einen 37-jährigen Mann aus Wöllstadt offensichtlich nicht abschreckten.
02. März 2010, 20:00 Uhr

Weil der Angeklagte trotz laufender Bewährung erneut Kinderpornos besaß und damit handelte, wurde er gestern vom Wetzlarer Schöffengericht zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten verurteilt.

Laut Staatsanwaltschaft hatte der Mann 2007 in mindestens zehn Fällen kinderpornografisches Bildmaterial über sein Handy an Kunden verschickt. Dafür erhielt er von den Abnehmern Gutschriften zum Aufladen seines Mobiltelefons. Im Zuge eines bei der Polizei in Halle an der Saale anhängigen Ermittlungsverfahrens war der Angeklagte ins Visier der Fahnder gelangt.

Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Sommer 2009 fanden die Ermittler auf seinem Computer rund 4000 Bild- und Videodateien mit Kinderpornos. Die Datenmenge war rund drei Gigabyte groß. Bei der Auswertung der Dateien stellte sich heraus, dass größtenteils entkleidete Kinder, vom Säuglingsalter beginnend, bei erzwungenen sexuellen Handlungen und in obszönen Stellungen gezeigt werden, sagte Staatsanwältin Nina Ungermann. Erschwerend kam hinzu, dass die Dateien über eine Tauschbörse auch anderen Internetbesuchern zur Verfügung standen und so weiter verbreitet werden konnten.

»Ich gebe das alles zu«, erklärte der Angeklagte zu den Vorwürfen. Über Videotextseiten im Privatfernsehen will er auf potentielle Kunden gestoßen sein, die er dann gegen Entgelt mit zuvor herunter geladenen Kinderpornos versorgte.

Ausführlich schilderte er auf Nachfragen der Schöffen die Verfahrensweise. Er habe sich keine Gedanken über die missbrauchten Kinder gemacht. Davon schien auch Richter Harald Wack überzeugt und hielt ihm sein umfangreiches und einschlägiges Vorstrafenregister (neun Eintragungen) vor. Als herausragende Straftat wertete Wack einen sexuellen Missbrauch im März 1997 an einem elfjährigen Kind, das er als damals 20-jähriger auf den Friedberger Friedhof verschleppte. Zwei ähnliche Vorfälle hatten zu einer Jugendstrafe von über drei Jahren geführt, die er auch verbüßte. Wegen des Besitzes von kinderpornografischen Dateien war er letztmals 2007 vom Amtsgericht Friedberg zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe verurteilt worden.

Keine Problemeinsicht, Rückfallgefahr, fehlende Eigeninitiative für eine Sexualtherapie und bewusstes Verbreiten der Kinderpornos - diese Gründe waren für das Schöffengericht ausschlaggebend für die Verhängung Haftstrafe.



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