05. Juli 2019, 22:20 Uhr

Der Hoffnungsträger

Emanuel Buchmann ist gut in Form. »Mein Ziel ist, unter die besten Zehn zu kommen«, sagt er vor dem heutigen Tour-Start in Brüssel. Der Ravensburger hat eine neue Rolle - und fühlt sich in ihr sehr wohl.
05. Juli 2019, 22:20 Uhr
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Von DPA

Mit der Hartnäckigkeit, die Emanuel Buchmann (Bild) entwickeln kann, hat auch sein Chef schon Bekanntschaft gemacht. Es ging dabei um die Vertragsverlängerung des Radprofis bis 2021. »Fast alle Fahrer seines Kalibers haben einen Berater«, erzählt Ralph Denk, Teammanager des Radstalls Bora-hansgrohe, »Emanuel aber hat die Verhandlungen selbst geführt - und das auf sehr professionelle Art. Das hat mich wirklich beeindruckt.«

Dass Buchmann beim in Raubling ansässigen Team inzwischen zur Führungskraft befördert worden ist, liegt natürlich noch mehr an seinen sportlichen Leistungen. »Er hat eine große Schaufel draufgelegt«, sagt Denk. Auch der Ravensburger meint: »Ich bin noch ein Stück stärker geworden.« Bei der Baskenland-Rundfahrt trug er zwischenzeitlich das Trikot des Führenden, am Ende wurde er Dritter. Die gleiche Platzierung erkämpfte sich der 26-Jährige bei der von schwerem Alpingelände geprägten Dauphiné Libéré, dem Premium-Härtetest für die Tour de France. »Ich bin sehr zufrieden. Bisher habe ich mich stark gefühlt«, zieht Buchmann Zwischenbilanz. Die heute beginnende Frankreich-Rundfahrt wird er erstmals als Kapitän bestreiten. »Das ist eine große Motivation für mich«, sagt er.

Der Schwabe ist jedoch nicht nur ein Hoffnungsträger für sein Team - sondern auch des deutschen Radsports. Denn Buchmann zählt zur hierzulande sehr raren Spezies der Klassementfahrer - also zu jenen Pedaleuren, die auf dreiwöchigen Etappenfahrten weit vorne landen können. Der letzte Deutsche, der bei der Tour mit einem Top-10-Ergebnis aufwartete, war Andreas Klöden (2009: 6. Platz). Buchmann, 2017 schon Tour-15., ist nun endlich wieder einer, der zu ähnlichen Hoffnungen Anlass gibt. Mittlerweile wird er sogar dem erweiterten Favoritenkreis zugerechnet. Er selbst hält sich mit entsprechenden Einschätzungen zurück: »Ich bin in dieser Saison gut drauf, mein Ziel ist, unter die besten Zehn zu kommen.«

Denk hat Buchmann vor vier Jahren den ersten Profi-Vertrag gegeben. Der junge Mann war ihm aufgrund eines siebten Platzes bei der Tour de l’Avenir, der Tour de France für U-23-Fahrer, aufgefallen. »Er war ein Talent - aber kein Mega-Talent«, sagt Denk. Dass es dennoch stetig aufwärts ging mit Buchmann, der gleich im Debütjahr deutscher Meister wurde, lag an dessen Verbissenheit: »Emanuel hat viel Ehrgeiz, ist ein harter Arbeiter. Er hat viel dafür tun müssen, dass er auf das Niveau gekommen ist, auf dem er sich jetzt befindet.«

Denk ist derart von seinem aufstrebenden Frontmann überzeugt, dass er ihm bei dieser Tour auch die Führungsrolle seines hochkarätig besetzten Teams anvertraut. Erste Erfahrungen als Kapitän machte Buchmann bereits im vergangenen Jahr bei der Spanien-Rundfahrt. Seine wichtigsten Erkenntnisse in punkto Führungsstil: »Man muss seine Teamkollegen motivieren, ihnen sagen, wenn sie etwas gut gemacht haben. Man muss es auch ansprechen, wenn etwas nicht optimal gelaufen ist. Wichtig ist, dass ein Feedback kommt.« Dabei wirkt Buchmann vor den TV-Kameras eher einsilbig und reserviert. Doch Denk betont: »Intern hat er einen ganz anderen Ton drauf.« Auch der neue Bora-Kapitän meint: »Ich kann schon auch Ansagen machen.«

Bis zu dieser Saison galt Buchmann vor allem als Spezialist für hochalpine Gefilde. Zuletzt bewies er auch, dass er im Flachen Tempo bolzen kann. Beim Zeitfahren der Dauphiné wurde er exzellenter Fünfter. Entschieden werden dürfte die diesjährige Tour jedoch im von Buchmann bevorzugten Terrain. Die letzten drei Etappen vor Paris führen über Alpenpässe der höchsten Kategorie. Buchmann nimmt’s gelassen: »Die Tour mit ihren extrem schweren Bergetappen ist ganz gut für mich.« (Foto: dpa)



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