17. Dezember 2017, 21:00 Uhr

Bundesliga am Sonntag

Dreier und Doppelsechs Selke schlägt gnadenlos zu Zwei Teams, acht Tore und kein Sieger

17. Dezember 2017, 21:00 Uhr
Freiburgs Kapitän Nils Petersen (r.) trifft doppelt gegen Augsburg, was FCA-Trainer Manuel Baum (l.) ganz und gar nicht gefallen haben dürfte. (Foto: dpa)

Spannung pur und Last-Minute-Tore zum Hinrundenausklang in der Fußball-Bundesliga: Mainz 05, der FC Schalke 04 und der FC Augsburg schafften am Samstag in der Nachspielzeit noch ein Remis, der BVB erzielte das Siegtor gegen Hoffenheim in der 89. Minute. Und Torhüter Sven Ulreich rettete dem FC Bayern in der Nachspielzeit mit einem gehaltenen Elfmeter den Sieg. Der 1. FC Köln ist um den Negativrekord des schlechtesten Hinrundenteams in der Geschichte der Fußball-Bundesliga herumgekommen. Die Rheinländer feierten durch den Treffer von Christian Clemens den ersten Sieg in dieser Spielzeit.

Gern gesehener Schmidt: In Köln ist Wolfsburgs Martin Schmidt als Trainer willkommen; spätestens seit Samstag. Denn das war der Tag, an dem der 1. FC erstmals seit dem 20. Mai wieder ein Liga-Spiel gewann. Beim damaligen 2:0 war Schmidt allerdings noch Chefcoach in Mainz.

Geschrei: Vom späten 2:1-Siegtreffer der Dortmunder gegen Hoffenheim erfuhr Hans-Joachim Watzke im Auto. Zwei Minuten zuvor hatte der BVB-Geschäftsführer die Tribüne verlassen und war zu seinem Besuch des ZDF-Sportstudios Richtung Mainz aufgebrochen. »Auf einmal gab es ein Riesengeschrei. Da hatte ich das Gefühl, das könnte ein Treffer für uns ein«, sagte Watzke.

Teenie-Doppelsechs: Mit der jüngsten Doppel-Sechs der Vereinsgeschichte setzt Borussia Mönchengladbach seinen Jugendkult fort. Der noch für die A-Junioren spielberechtigte Mickael Cuisance und der am Samstag 19 Jahre alt gewordene Reece Oxford setzten beim 3:1 gegen den Hamburger SV die Akzente.

Rückkehrer: Bei jedem Ballkontakt wurde Bayern-Torhüter Sven Ulreich bei der Rückkehr an seine einstige Wirkungsstätte ausgepfiffen. Am Ende wurde der Neuer-Ersatz für den VfB zum Spielverderber und für den Herbstmeister zum Matchwinner. Der 29-Jährige parierte den Elfmeter von Chadrac Akolo – und rettete den Bayern das 1:0.

Dreier-Doppelpack: Wenn er trifft in dieser Saison, dann nur doppelt. Gegen den Hamburger SV erzielte Gladbachs Raffael bereits seinen dritten Doppelpack in dieser Spielzeit. In der Bundesliga war es bereits sein zehnter Doppelpack für Gladbach (9) und Hertha (1).

Schweizer Retter: Tore schießt der Schweizer Fabian Frei ziemlich selten. Sein Ausgleich zum Mainzer 2:2 gegen Werder Bremen war aber nicht nur deshalb besonders umjubelt. In der dritten Minute der Nachspielzeit rettete er den Rheinhessen einen Punkt und verhinderte so, dass sein Club auf dem Relegationsplatz überwintern muss.

Comeback-Könige: 4:4 nach 0:4 in Dortmund. Und jetzt ein 2:2 nach 0:2 in Frankfurt. Schalke 04 ist der Comeback-König der Liga. In beiden Spielen war es der Brasilianer Naldo, dem in der Nachspielzeit noch der Ausgleich gelang. »Unsere Mannschaft ist einfach geil«, sagte er.

Dreifacher Isländer: Augsburgs Manager Stefan Reuter brachte es auf den Punkt. »Er weiß einfach, wo das Tor steht«, sagte er über Torjäger Alfred Finnbogason. Nach nicht einmal 60 Sekunden traf der Isländer zum 1:0 und rettete seinem Team mit zwei Toren in der Nachspielzeit noch das 3:3 gegen Freiburg.

Doppelter Petersen: Mit seinen zwei Treffern gegen Augsburg hat Freiburgs Kapitän Nils Petersen nun schon sechs Tore in den letzten drei Spielen erzielt. Auf sich aufmerksam machte gegen den FCA aber auch sein Nebenmann Tim Kleindienst, der alle drei Freiburger Tore vorbereitete.

Cooler Jamaikaner: Aus seiner Heimat in Jamaika ist Leon Bailey viel Sonne gewohnt, der Winter in Deutschland hindert ihn aber nicht, in der Bundesliga für Bayer Leverkusen richtig durchzustarten. Bailey befindet sich seit Wochen in Topform und erzielte beim Spiel in Hannover (4:4) seinen ersten Doppelpack in der Bundesliga. Für sein erstes Tor benötigte er nach seiner Einwechselung keine 100 Sekunden.

Doppeltorschütze Davie Selke hat mit Hertha BSC seinen früheren Club RB Leipzig mit einer schmerzvollen Niederlage in die Weihnachtsferien geschickt. Trotz über 80-minütiger Unterzahl fertigten die Berliner im letzten Spiel der Fußball-Bundesliga in diesem Jahr den deutschen Vizemeister mit 3:2 (2:0) ab.

Selke leitete den Sieg am Sonntag vor 36 109 Zuschauern in der sechsten Minute ein, Salomon Kalou (31. Minute) erhöhte, ehe Selke (51.) auch noch für den dritten Hertha-Treffer sorgte. Die Rote Karte gegen Hertha-Profi Jordan Torunarigha (8.) konnten die Leipziger von Trainer Ralph Hasenhüttl nicht wirklich nutzen, die Treffer von Willi Orban (68.) und Marcel Halstenberg (90.+2) waren zu wenig.

»Wir haben einen guten Plan gehabt, den haben wir auch mit einem Spieler weniger umgesetzt. Für uns ist das ein Hammer-Sieg, das kann für die Rückrunde viel bewegen. Kompliment an die Mannschaft«, sagte Herthas Coach Pal Dardai bei Sky und lobte Selke: »Ich bin froh, dass ich Davie habe. Hut ab.«

Erstmals seit dem sechsten Spieltag stehen die nun seit fünf Pflichtspielen sieglosen Leipziger nicht mehr unter den Top Vier der Liga. Statt wie vor einem Jahr als Zweiter hinter dem FC Bayern zu überwintern, starten die RB-Profis nach der ersten Liga-Heimniederlage in dieser Spielzeit als Fünfter ins erste Rückrundenspiel am 13. Januar gegen den Zweitplatzierten FC Schalke 04. Hertha verbesserte sich auf Platz zehn.

Nach dem irren Acht-Tore-Spektakel in Hannover verfluchte Bayer Leverkusens Top-Joker Leon Bailey die verschenkten Chancen. »Das war von der ersten Minute an völlig verrückt. Wir hatten genug Möglichkeiten, dieses Spiel für uns zu entscheiden«, sagte der 20-Jährige, der mit zwei schnellen Toren nach seiner Einwechslung die packende Partie anscheinend schon zugunsten der Werkself entschieden hatte. Doch das 4:4 von Julian Korb in der 83. Minute rettete Hannover noch einen Punkt und bremste Leverkusens Erfolgszug in der Fußball-Bundesliga.

Zwar blieb das Team von Trainer Heiko Herrlich zum zwölften Mal in Serie in der Liga ungeschlagen, verpasste aber zum Abschluss der Hinrunde den möglichen Sprung auf Platz zwei. Neben Bailey (47./67.) hatten vor der Pause Julian Brandt (11.) und Admir Mehmedi (25.) für die Gäste getroffen. Aufsteiger Hannover ging durch Ihlas Bebou (12.), Niclas Füllkrug (21./Foulelfmeter) und Felix Klaus (45.) mit einem 3:2-Vorsprung in die Kabine und erkämpfte sich zum Schluss noch den 23. Zähler einer bemerkenswerten Hinserie. »Das war ein Wahnsinnsspiel, ein schöner Jahresabschluss«, sagte Torschütze Korb.

Beide Mannschaften spielten von Anfang an mutig und munter nach vorn und boten beste Unterhaltung. Dass es bei dem offenen Schlagabtausch auch Abwehrfehler gab, war zumindest den neutralen Zuschauern egal. Den Torreigen eröffnete Brandt mit einem schönen Volleyschuss nach einer Flanke von Lars Bender, der sich stark auf der rechten Seite durchgesetzt hatte. Bayer war aber nach dem Treffer unkonzentriert und kassierte quasi im Gegenzug den Ausgleich durch Bebou. Der vom Zweitligisten Fortuna Düsseldorf verpflichtete Angreifer lenkte eine Rechtsflanke von Korb mit einem herrlichen Flugkopfball zu seinem fünften Saisontreffer ins Netz. Bei der ersten Führung erhielt Hannover Hilfe aus Köln. Füllkrug verwandelte den Elfmeter, den Schiedsrichter Sören Storks erst nach Videobeweis gab, weil er das Foul von Jonathan Tah an Felix Klaus zunächst nicht gesehen hatte.

Harnik gut kompensiert

Es dauerte nicht lange, bis Leverkusen zurückschlug – allerdings mit Hilfe von Hannover. Salif Sané vertändelte den Ball, den Fehlpass schnappte sich Karim Bellarabi und legte den Ball auf Mehmedi, der ins kurze Eck traf. Dass bei Hannover Torjäger Martin Harnik wegen Magen-Darm-Problemen fehlte, spielte keine Rolle. Vielmehr trafen die Gastgeber bereits vor der Pause zum dritten Mal. Klaus verwandelte den cleveren Rückpass von Füllkrug und hatte dabei Glück, dass Jonathan Tah den Ball unhaltbar für Bayer-Keeper Bernd Leno abfälschte.

Nach der Pause ließ Bayer-Trainer Heiko Herrlich die Bender-Zwillinge in der Kabine, stellte die Taktik um – und sah den schnellen Ausgleich. Der gerade eingewechselte Bailey verwandelte den herrlichen Steilpass von Kai Havertz. Hannover machte nach dem Ausgleich weiter Druck und spielte ungestüm nach vorne. Doch der Gastgeber kassierte den vierten Treffer durch den schnellen Bailey. Den Konter über Mehmedi schloss der Jamaikaner cool ab. Danach aber vergab Bayer reihenweise Chancen, das Spiel zu entscheiden. Die Strafe: Korb krönte eine irre Partie noch mit dem verdienten 4:4.

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