25. April 2017, 22:37 Uhr

Durch Hintertür ins Rampenlicht

25. April 2017, 22:37 Uhr
Maria Scharapowa hat schon 2014 das Turnnier in Stuttgart als Siegerin mit einem neuen Sportwagen verlassen. (Archivfoto: dpa)

Hinter aufgehaltenen Auto-Türen, der offenen Klappe des Kofferraums und ihren schützenden Begleitern ist nur ein kurzer Blick auf Maria Scharapowa zu erhaschen. Vom Hintereingang trennen die 30-Jährige nur ein paar Meter. Schnell huscht der wegen Dopings für 15 Monate gesperrte Tennis-Star in die Sandplatzhalle des SV Sillenbuch 1892, einem ganz normalen Stuttgarter Tennisverein – und nach dem Training wieder hinaus. Sekunden verrinnen bei Ankunft und Abfahrt des Trosses, dann ist von Scharapowa nichts mehr zu sehen.

Abseits des Stuttgarter WTA-Turniers und rund zehn Kilometer von der Arena entfernt hat sich die Russin in den letzten Tagen vor ihrem Comeback vorbereitet. In einem unscheinbaren Club, im Vergleich idyllisch. Der Trubel bei ihrem ersten offiziellen Auftritt nach der Sperre wird gewaltig sein. Mit einer umstrittenen Wildcard nimmt sie am wichtigsten Damen-Turnier in Deutschland teil. Offiziell in Erscheinung treten und sich auf der Anlage des Turniers blicken lassen, darf sie sich erst am Mittwoch wieder.

Das Sandplatzevent läuft schon, wenn Scharapowas Sperre endet. Ihr Erstrunden-Match gegen die Italienerin Roberta Vinci, eine frühere US-Open-Finalistin, ist extra erst für Mittwoch (18.30 Uhr) angesetzt.

Kritik von Spielerinnen

Alles »ein bisschen merkwürdig«, hatte Angelique Kerber erklärt. Nicht wenige Topspieler, darunter Agnieszka Radwanska, Caroline Wozniacki und Garbiñe Muguruza, haben die Wildcard-Vergabe kritisiert und sich von Scharapowa distanziert. Der Empfang der Konkurrenz sei ihre geringste Sorge, sagte Scharapowa im »Stern«. »Daran habe ich keinen einzigen Gedanken vergeudet. Ich weiß, dass ich in meinem Bereich respektiert werde.«

Bei den Australian Open 2016 war die fünfmalige Grand-Slam-Siegerin positiv auf das Herzmedikament Meldonium getestet worden. Die Welt-Anti-Doping-Agentur hatte es zum Jahresbeginn auf die Liste der verbotenen Mittel gesetzt. Scharapowa gab an, es seit Jahren genommen zu haben. Über die neuen Regeln hatte sie sich nicht informiert. Für zwei Jahre war sie ursprünglich gesperrt worden. Der Internationale Sportgerichtshof CAS reduzierte die Sperre auf 15 Monate.

Inzwischen ohne eine Weltranglistenposition, müsste die frühere Nummer eins eigentlich von vorne anfangen und sich von kleinen Turnieren wieder in die Beletage vorarbeiten. Für Stuttgart hat Scharapowa als Zuschauermagnet dennoch ebenso wie für die Masters-Turniere in Madrid und Rom eine Wildcard erhalten. Ein Umstand, der auch für Missstimmung im Fed-Cup-Team von Barbara Rittner sorgte. Julia Görges ging beispielsweise bei den Wildcards leer aus. Das sei »sehr unglücklich«, sagt Teamchefin Rittner, meint aber: »Ich kann das nachvollziehen, das Turnier wird riesiges internationales Interesse haben.«

Stöhnender Star

Scharapowas Training in Stuttgart-Sillenbuch sollte eigentlich ein Geheimnis bleiben. Der SV von 1892 ist kein glamouröser Verein, sondern ruhig und abgeschieden genug gelegen. Der Turnier-Belag ist in Hallen selten, auch deswegen ist der Weltstar hier gelandet. Helle Vorhänge schotten die großen Fenster ab. Das Ploppen der Bälle und manches Stöhnen sind auch von außen zu hören. Als Scharapowa drinnen auf die Bälle eindrischt, kommen und gehen die Mitglieder. Scharapowa habe nicht gegrüßt, erzählt eine Spielerin, die vor ihr in der Halle war. Ein anderes Vereinsmitglied ist verstimmt, weil der eigentlich gebuchte Platz belegt ist. »Ich kriege mein Geld hoffentlich zurück«, sagt sie. Im ersten Moment habe sie die Prominenz nicht erkannt. »Und ich dachte, okay, die spielt auf unserem Platz. Und dann stöhnt sie, und vom Stöhnen her dachte ich, das ist doch die Scharapowa, oder?«

Unterdessen hat Vorjahresfinalistin Laura Siegemund in Stuttgart mit etwas Mühe das Achtelfinale erreicht. Gegen die Chinesin Zhang Shuai setzte sich die Wildcard-Inhaberin 6:2, 7:6 (7:4) durch und machte dabei im zweiten Satz einen 3:5-Rückstand wett. In der Runde der besten 16 bekommt es die Metzingerin mit der zweifachen Grand-Slam-Siegerin Swetlana Kusnezowa zu tun, die 2009 in Stuttgart gewonnen hatte.

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