04. September 2017, 22:39 Uhr

Fußball ist nicht mehr alles im Leben

04. September 2017, 22:39 Uhr
Matthias Sammer

Das wertvollste Geschenk hat Matthias Sammer schon lange vor seinem runden Geburtstag erhalten. Er fühlt sich wieder völlig gesund, nachdem im Frühjahr 2016 die Nachricht von einer schweren Erkrankung die Fußball-Öffentlichkeit aufgeschreckt hatte. Der große Einschnitt, den eine »winzige Durchblutungsstörung im Gehirn« darstellte, hat das Leben des Ex-Spielers, Ex-Trainers, Ex-Sportdirektors und aktuellen TV-Experten verändert. »Ich lebe anders«, bestätigt Sammer, der am Dienstag 50 Jahre alt wird.

Eine große Party ist im Hause Sammer in Grünwald bei München nicht geplant. »Wir sind ein bisschen unterwegs«, sagte Sammer im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur zu seinem Geburtstag.

Der Fußball spielt weiterhin die Hauptrolle im Leben des gebürtigen Dresdners, auch wenn er seinen Fulltime-Job als Sportvorstand des FC Bayern wegen der Erkrankung vor einem Jahr aufgab. »Ich würde es vermissen, wenn der Fußball als Teil meines Lebens nicht mehr stattfinden könnte«, gesteht Sammer, dessen »Lieblingsthema« stets Leistung hieß. Der Erfolg trieb ihn rund um die Uhr an.

Sammer war schon als Spieler extrem. Sein Spitzname war »Feuerkopf«. Er wurde DDR-Meister mit seinem Stammverein Dynamo Dresden. Er gewann die Champions League mit Borussia Dortmund. Er war Führungskraft im deutschen Europameisterteam von 1996. Nach der wegen einer Knieverletzung mit 32 beendeten Profi-Laufbahn ging es weiter: Mit 34 Jahren wurde er beim BVB jüngster Meistertrainer der Bundesliga-Geschichte. In seine Zeit als DFB-Sportdirektor fielen mehrere Titelgewinne im Nachwuchsbereich. Und in München feierte er gleich in seinem ersten Jahr mit dem FC Bayern 2013 das Triple.

Sammer eckte auch immer wieder an. Er kann anstrengend sein, sogar nervig. Beim FC Bayern war er der ständige Mahner. In seiner neuen Rolle als TV-Experte beim Bundesligasender Eurosport riet ihm Uli Hoeneß nach den ersten kritischen Anmerkungen »dringend, relativ wenig über Bayern zu reden«. Dabei ist genau das Sammers neuer Job. Via Fernsehen ist er wieder als Stimme im Fußballalltag präsent.

Die Expertenrolle hat er schon früher ausgeübt. »Im Moment will ich das sein«, sagt er jetzt. Aber mit 50 – körperlich wieder fit und belastbar – hält er sich für die Zukunft alle Optionen offen. Nochmal Trainer bei einem Topclub? Oder Sportdirektor? »Ich schließe nichts aus«, lautet die Antwort. Konkrete Pläne schmiedet er nicht, eine Lehre aus 2016. Die Erkrankung sei »ein Auslöser« gewesen, die eigene Lebensweise selbstkritisch zu hinterfragen. Sie zwang ihn, »schwierige Phasen, schwierige Themen offen anzugehen und nicht im Verdrängungsmodus«. Der Vater von drei Kindern kam vor einem Jahr zum Entschluss, den hohen Rhythmus im Bundesliga-Business nicht mehr weiterführen zu wollen. »Ich habe mir Zeit genommen zu reflektieren, mich zu erholen und mich vielleicht noch besser kennenzulernen.«

Sammer ist in Bayern heimisch geworden, auch wenn Dresden für ihn immer die Heimat bleiben wird. Dort ist er aufgewachsen. Dort hat er zu DDR-Zeiten seine Fußball-Karriere als Jugendlicher unter seinem Vater Klaus begonnen, der ihn trainierte. »Jeder weiß, Kindheitsprägungen sind die stärksten. Die lodern in mir. Deshalb ist mein Gefühl zu Dresden sehr stark.« (Foto: dpa)

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