11. Juni 2017, 20:56 Uhr

Nadal macht La Décima perfekt

11. Juni 2017, 20:56 Uhr
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Von DPA
Jelena Ostapenko (oben) gewinnt in Paris ihren ersten Grand-Slam-Titel überhaupt, Raffael Nadal zum zehnten Mal in Paris.

Rafael Nadal hat mit seinem zehnten Titel bei den French Open Tennis-Geschichte geschrieben, die 20 Jahre junge Lettin Jelena Ostapenko für eine der größten Überraschungen in der Pariser Turnier-Historie gesorgt. Wohl noch nie waren die beiden Gewinner in der französischen Hauptstadt unterschiedlicher als in diesem Jahr.

Während Nadal bei den Herren am Sonntag den bemitleidenswerten Schweizer Stan Wawrinka nach einer weiteren Sternstunde mit 6:2, 6:3, 6:1 deklassierte und damit als erster Tennisspieler seit Einführung des Profitennis zehn Mal bei ein und demselben Grand-Slam-Turnier gewinnen konnte, feierte Ostapenko im Stade Roland Garros ihren Debüt-Titel. Im Endspiel setzte sie sich am Samstag gegen Simona Halep aus Rumänien mit 4:6, 6:4, 6:3 durch und gewann ihr erstes Grand-Slam-Turnier.

Die in Paris bereits in der ersten Runde ausgeschiedene Angelique Kerber bleibt damit die Nummer eins der Welt. Halep hätte die French Open gewinnen müssen, um die Kielerin vom Thron zu stoßen.

Nadal wurde nach seinem zehnten French-Open-Titel mit einer riesigen Choreographie gefeiert. »Bravo Rafa« stand auf einem metergroßen Banner, auf zwei anderen Fahnen waren die Zahl zehn und der Coupe des Mousquetaires abgebildet. Über die Video-Leinwand liefen Bilder von all seinen zehn Triumphen in Paris, und zur Krönung überreichte ihm sein Onkel und Trainer Toni auch noch den Siegerpokal.

In einem der einseitigsten Paris-Endspiele der Turniergeschichte verwandelte Nadal, der im vergangenen Jahr vor der dritten Runde wegen einer Handverletzung hatte aufgeben müssen, nach nur 2:05 Stunden seinen zweiten Matchball. Danach ließ er sich wie in fast all den Vorjahren auf den Rücken fallen und schlug die Hände vors Gesicht. »Mein Französisch ist sehr schlecht und im Moment noch schlechter, weil ich sehr emotional bin«, sagte der Spanier in einem Mix aus Französisch und Englisch. »Das Gefühl, das ich hier habe, das Adrenalin, das ich hier spüre, ist mit keinem anderen Turnier zu vergleichen.«

Nadal, der für seinen insgesamt 15. Grand-Slam-Titel 2,1 Millionen Euro kassierte, wird sich in der neuen Weltrangliste wieder auf Platz zwei verbessern. Auf Sand ist und bleibt der 31-Jährige aber eine Ausnahmeerscheinung. Zum dritten Mal nach 2008 und 2010 gewann er die French Open, ohne auch nur einen einzigen Satz abgegeben zu haben. Insgesamt gab er lediglich 35 Spiele im gesamten Turnierverlauf ab. Nur Björn Borg war 1978 im Stade Roland Garros noch dominanter. »Du warst heute einfach zu gut«, sagte Wawrinka fair.

Bei den Damen hatte Ostapenko am Tag zuvor für den Sensation gesorgt. Mit ihrem Überraschungs-Triumph in der französischen Hauptstadt wirbelte sie das sich derzeit ohnehin im Umbruch befindende Damen-Tennis weiter durcheinander. »Heute wurde ein neuer Star geboren«, sagte die siebenmalige French-Open-Siegerin Chris Evert. »Und ich muss sagen: Es ist so großartig für das Damen-Tennis. Wir brauchen frisches, junges Blut«, sagte die Amerikanerin. »Die Götter wollten, dass Ostapenko gewinnt«, fügte Boris Becker hinzu. (Fotos: dpa)



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