07. August 2018, 22:33 Uhr

Rehhagel macht sich rar

Otto Rehhagel gehört zum Fußball wie die Stadtmusikanten zu Bremen. Bei Werder hat der Coach seine größten Vereinserfolge gefeiert, doch auch sonst überall Spuren hinterlassen, wo er war. Nun wird das Kind der Bundesliga 80 Jahre alt.
07. August 2018, 22:33 Uhr

Reden möchte Otto Rehhagel nicht. »Mein Mann will nichts dazu sagen«, erklärt seine Ehefrau Beate freundlich, aber bestimmt auf die Anfrage kurz vor dem 80. Geburtstag des Meistertrainers. »Er meint, dass so viel über ihn geschrieben wurde, da findet sich schon etwas Passendes.« Womit Otto Rehhagel sicherlich recht hat. Dennoch ist es schade. Denn es wäre schon sehr interessant zu hören, was das »Kind der Bundesliga«, das am Donnerstag 80 Jahre alt wird, zu erzählen hat.

Zu seiner Karriere als Spieler und vor allem als Trainer, aber besonders auch zu aktuellen Themen wie der Krise beim Deutschen Fußball-Bund nach dem Desaster bei der WM, zur Lage der Bundesliga oder zu den Chancen von Werder Bremen, wo er seine erfolgreichste Zeit als Coach erlebt hat.

Von 1981 bis 1995 war er an der Weser tätig, gewann mit den Hanseaten zweimal die deutsche Meisterschaft, zweimal den DFB-Pokal und 1992 den Europapokal der Pokalsieger. »Ich hatte das große Glück, 14 Jahre mit einem der außergewöhnlichsten und erfolgreichsten Trainer Deutschlands zusammenarbeiten zu dürfen«, schrieb Bremens jahrelanger Manager Willi Lemke einmal in einem öffentlichen Brief an Rehhagel, um den ihn das Fußball-Magazin »11 Freunde« gebeten hatte.

Rehhagel und Lemke waren in den Achtziger und Neunziger Jahren ein kongeniales Duo, das es mit dem großen FC Bayern aufnahm und den Münchnern so manches Kopfzerbrechen bereitete. Umso erstaunlicher und für viele Werder-Fans bitterer war daher 1995 der Wechsel des eigenwilligen Trainers ausgerechnet zum so ungeliebten Rivalen aus dem Süden.

Dass Rehhagel in München scheiterte und nicht einmal eine Saison lang Trainer blieb, sorgte daher bei vielen für Schadenfreude. Dem großen Selbstvertrauen des gelernten Malermeisters aus Essen konnte es dagegen nichts anhaben. »Mal verliert man – und mal gewinnen die anderen« – einer dieser berühmten Rehhagel-Sprüche passte genau zu jener Situation.

Rehhagel machte einfach weiter, ging zum 1. FC Kaiserslautern, stieg mit den Pfälzern auf und schaffte dann in der Saison 1997/98 das Kunststück, mit den Roten Teufeln als erster Aufsteiger auf Anhieb deutscher Meister zu werden. Die Pfalz lag »König Otto« zu Füßen. »Es war eine Sensation, die es nie mehr geben wird. Wir haben Sportgeschichte geschrieben«, sagte Rehhagel einmal im Rückblick.

Sein Meisterstück gelang Rehhagel, der beim Start der Bundesliga 1963 als Verteidiger von Hertha BSC auf dem Platz stand, aber 2004 mit dem Nationalteam von Griechenland. Aus dem Nichts führte er die Hellenen in Portugal zum Europameistertitel. Seitdem genießt Rehhagel in Griechenland einen Heldenstatus. »Er ist ein Grieche für immer«, titelte damals »Goal News« über Rehhagel, der zum Ehrenbürger von Athen ernannt wurde.

Der Verband ließ es sich daher auch nicht nehmen, Rehhagel zu seinem 80. Geburtstag alles Gute und Gesundheit zu wünschen. »Otto Rehhagel ist für uns der Mensch, der die Geschichte der (griechischen) Nationalmannschaft geändert und ganz Griechenland (jubelnd) auf die Straßen geschickt hat«, sagte Verbandspräsident Evangelos Grammenos am Dienstag auf dpa-Anfrage.

Dass die Spielweise der Griechen nicht sonderlich attraktiv war, interessierte Rehhagel überhaupt nicht. »Modern spielt, wer gewinnt«, sagte der Coach immer, von dem auch ein anderer Kultspruch stammt. »Die Wahrheit liegt auf dem Platz.« Bei seiner letzten Trainerstation bei Hertha BSC bekam Rehhagel das 2012 schmerzhaft zu spüren. Völlig überraschend als Retter geholt, schaffte es Rehhagel nicht, die Berliner vor dem Abstieg zu bewahren. Seitdem ist es etwas ruhiger um Rehhagel geworden.

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