09. September 2021, 22:29 Uhr

Die NFL ist ein knallhartes Business

09. September 2021, 22:29 Uhr
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Von DPA
Zuversichtlich: Quarterback Tom Brady, der Superstar der Tampa Bay Buccaneers, die als Favorit in die NFL-Saison starten. FOTO: IMAGO

Sebastian Vollmer ist der erfolgreichste deutsche Football-Profi der Geschichte. Zweimal gewann der Ex-Profi den Super Bowl in der NFL mit den New England Patriots als Offensive Tackle - und an der Seite von Star-Quarterback Tom Brady. Im Interview spricht der 37-Jährige vor dem Saisonstart über die Favoriten, die Aussichten der deutschen Profis und warum sein früherer Sport in den USA ein »wahnsinniges« Geschäft ist.

Die Tampa Bay Buccaneers und die Dallas Cowboys haben die die neue NFL-Saison eröffnet. Trauen Sie Tom Brady erneut den Titel zu?

Absolut. Da ich Tom gut kenne, weiß ich, dass sein Team jetzt noch besser sein wird als letzte Saison. Damals war alles neu, der Kader ein bisschen zusammengewürfelt. Jetzt haben sie ein Jahr zusammengespielt und sich gefunden. Dazu konnten alle wichtigen Spieler gehalten werden. Der Titel gab zusätzliches Selbstvertrauen. Für mich sind die Buccaneers und Kansas City die großen Favoriten.

Brady ist inzwischen 44 Jahre alt. Wie schafft er es, auch in diesem Alter noch so konstant auf diesem Toplevel unterwegs zu sein?

An erster Stelle steht sein riesiges, gottgegebenes Talent. Er ist ein Jahrtausendtalent, das es so in diesem Sport vorher nicht gab. Aber er investiert auch unfassbar viel - in seine Fitness, seine Gesundheit, seine Ernährung. Seit Jahren muss er sich anhören, dass seine Leistungen irgendwann abfallen würden. Stattdessen wird er aber immer besser oder hält sein Level zumindest. Sein Spiel lebt vor allem von seiner Intelligenz und die geht im Alter ja nicht verloren. Tom sagte mal: »Wer mich schlagen will, muss seine Familie und alles andere aufgeben.« Da ist schon etwas dran. Er selbst tut das auch.

Wie gut tut jedes Jahr, das er noch spielt, der ganzen NFL?

Jedes Jahr, das Tom noch dranhängt, ist für die Liga ein gewonnenes Jahr. Ich sage immer: Liebe oder hasse ihn. Aber ich rate auch jedem: Realisiere, was für ein Spieler das ist. Irgendwann kommt immer der Zeitpunkt, in dem die Michael Jordans oder Tiger Woods’ dieser Welt nicht mehr spielen. Und später realisiert man dann: Oh, da kam tatsächlich kein anderer heran. Deswegen sollte man diese Leistungen, die bestimmte Sportler bringen, nach Möglichkeit genießen. Denn vielleicht siehst du sie in dieser Form nie wieder.

Wie steht es um die deutschen Spieler in der neuen NFL-Saison? Welche Rollen trauen Sie Jakob Johnson bei den New England Patriots und Amon-Ra St. Brown bei den Detroit Lions zu?

Jakob ist ein besonderer Spieler, der die Anforderungen an einen Fullback gut erfüllt und bei den Patriots bislang einen hervorragenden Job macht. Dazu hat sein Team ein Verletztenproblem auf der Tight-End-Position. Er hat ja selbst schon gesagt, dass er eine Art deutsches Taschenmesser und flexibel einsetzbar sein will. Ich sehe ihn viel auf dem Platz stehen. Amon-Ra ist ein guter Receiver. Er wurde schon zu College-Zeiten hoch gehandelt und hat bislang viel richtig gemacht. Ich glaube, dass er große Ziele hat.

Equanimeous St. Brown hat den Sprung in den 53-Mann-Kader der Green Bay Packers nicht geschafft. Wie weit wirft ihn das zurück?

Es ist nicht das Ende. Die NFL ist ein knallhartes Business. Wenn du entlassen wirst, heißt es nicht automatisch, dass du nicht gut genug bist. Vielleicht passt du in diesem Moment einfach nicht in dieses Team. Jeden Sommer werden zig Spieler aussortiert. Aber viele von ihnen finden trotzdem später ihren Weg.



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