13. September 2021, 21:26 Uhr

Medwedew lässt es krachen

Daniil Medwedew legte nach seinem großen Triumph erst einen eigenartigen Jubel hin und kündigte dann eine zünftige Party an. Der 25-Jährige hat den ganz großen Durchbruch bei den US Open geschafft.
13. September 2021, 21:26 Uhr
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Von SID
Toter-Fisch-Jubel: Daniil Medwedew feiert seinen Triumph bei den US Open. FOTO: DPA

Daniil Medwedew ließ keinen Zweifel zu - die Party nach dem größten Triumph seiner Karriere sollte lang, wild und feuchtfröhlich werden. »Russen wissen, wie man feiert«, sagte der 25-Jährige mit einem Grinsen: »Hoffentlich komme ich nicht in die Nachrichten.« Sportlich war ihm das zuvor in einer Lockerheit gelungen, die vor dem Finale der US Open kaum jemand erwartet hatte. In 2:15 Stunden fertigte der Weltranglistenzweite den 20-maligen Grand-Slam-Sieger Novak Djokovic mit 6:4, 6:4, 6:4 ab und nahm dem Serben von Beginn an jegliche Chance auf einen Triumph in New York.

Medwedew hatte lange auf den Moment warten müssen, in dem er seinen eigenartigen Jubel zelebrieren konnte. Er warf sich auf den Hartplatz, streckte die Zunge raus und verharrte. »Ich spiele gerne ›FIFA‹ auf der Playstation. Man nennt es den Jubel der toten Fische«, sagte Medwedew sichtlich zufrieden mit seiner Performance: »Ich habe mich ein bisschen verletzt, aber ich bin froh, dass ich es für mich legendär gemacht habe.«

Der Rechtshänder, der seine Ballwechsel wie ein Schachspieler aufbaut, hatte sich immer näher an die großen Trophäen herangepirscht. Zweimal war er zuvor einem Majortriumph schon sehr nahe gekommen. 2019 unterlag er in New York Rafael Nadal in fünf Sätzen. Anfang des Jahres watschte ihn Djokovic im Finale der Australian Open ab - nun nahm Medwedew Revanche. Und das am dritten Hochzeitstag mit seiner Frau Daria.

»Ich hätte keine Zeit gehabt, um bei einer Finalniederlage ein Geschenk zu besorgen«, sagte Medwedew: »Also wusste ich, dass ich das gewinnen muss.« Und mit dem Siegerscheck über 2,5 Millionen Euro in der Tasche sollte sich eine Kleinigkeit finden lassen.

Und Djokovic? Der Ausnahmespieler war völlig aufgewühlt. Eine Stunde nach dem Match stiegen ihm immer noch die Tränen in die Augen. »Natürlich ist ein Teil von mir sehr traurig. Diese Niederlage ist schwer zu verdauen, wenn man bedenkt, was alles auf dem Spiel stand«, sagte der 34 Jahre alte Serbe: »Aber die Unterstützung, die Energie und die Liebe, die ich von den Zuschauen erhalten habe, werde ich in meinem Leben nie vergessen.«

Nach Siegen in Melbourne, Paris und Wimbledon war es sein großes Ziel gewesen, den ersten Grand Slam seit Rod Laver 1969 zu komplettieren. Das perfekte Major-Jahr hätte ihn zum alleinigen Rekordchampion mit 21 Titeln vor seinen Rivalen Roger Federer (Schweiz) und Rafael Nadal (Spanien/beide 20) gekürt. Damit sollte es nichts werden.

Bemerkenswerte Djokovic-Worte

Dennoch sprach der Weltranglistenerste, der schon während eines Seitenwechsels im dritten Satz in sein Handtuch schluchzte, kurz nach dem Ende seines Traums bemerkenswerte Worte ins Stadionmikrofon: »Auch wenn ich das Match nicht gewonnen habe, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt, ihr habt meine Seele berührt«, sagte er, die Augen glasig, die Lippen zitterten: »Ich liebe euch, New York.«

Djokovic ließ die Maske fallen. Und auch im Match zuvor hatte er - unfreiwillig - seine menschliche Seite gezeigt. »Ich war in allen Bereichen unter Par«, sagte der Familienvater: »Meine Beine waren nicht da. Ich habe es versucht. Ich habe mein Bestes gegeben.« Es reichte diesmal nicht.



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