29. August 2021, 21:29 Uhr

Theater bei der Eintracht

Eintracht Frankfurt bleibt unter Oliver Glasner sieglos. Der Österreicher ist aber nicht nur deswegen verstimmt - denn Kostic sorgt für einen Skandal.
29. August 2021, 21:29 Uhr
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Aus der Redaktion
Enttäuschung bei der Eintracht nach dem 1:1 in Bielefeld und dem Kostic-Skandal. FOTO: IMAGO

In einem bemerkenswert offenen Grundsatzreferat artikulierte Oliver Glasner irgendwann einen kurzen Satz, der erst mit etwas Abstand aufhorchen ließ und Wirkung entfaltete. »Ab Mittwoch«, setzte der Eintracht-Trainer nach dem ernüchternden Remis auf der Bielefelder Alm an, »müssen wir aus dem dann finalen Kader eine Einheit formen, eine Eintracht werden.« Ab Mittwoch, 1. September, ist das Transferfenster bis zum Winter geschlossen, Wechsel sind dann nicht mehr möglich. Für Oliver Glasner ein Segen, denn offenkundig ist, dass dort, wo Eintracht draufsteht, keine Eintracht drinsteckt. Willkommen im trüben Spätsommer 2021, willkommen in der etwas aus den Fugen geratenen Welt von Eintracht Frankfurt.

»Wir sind alle froh, wenn das Transferfenster schließt«, sagt der Trainer. So viel Tohuwabohu, Eitelkeiten, Egospielchen und Wechselwünsche - das ist ungewöhnlich und schädlich. »Ich bin nicht erst seit gestern im Fußball, aber das habe ich in dieser Form noch nicht mitgemacht.«

Auf den Fußballlehrer, seit Samstag 47 Jahre alt, wartet eine Menge Arbeit, fußballtaktischer Art, aber auch integrativer und pädagogischer Natur. Diese Aufgabe im Hessenland hat sich der Österreicher ganz sicher nicht ganz so massiv vorgestellt. Da geht es natürlich um den Stotter-Start mit insgesamt zwei Punkten gegen Leichtgewichte aus Augsburg und Bielefeld und dem Knockout im DFB-Pokal in Mannheim, aber es geht vor allen Dingen um die vielen Nebenschauplätze, am Freitag dann der Gipfel des Theaters: Starspieler Filip Kostic schwänzte das Abschlusstraining, er will sich nach Rom streiken.

»Das war kurz vor Ende der Transferzeit der letzte Tropfen, der zu viel war für das Fass Eintracht Frankfurt«, sagte der Coach nach dem mageren 1:1 (0:1) in Bielefeld entwaffnend ehrlich. Und weiter: »Seit Monaten durchlebt der Verein eine relativ unruhige Phase«, befand er und zählte die Personalien im Schnelldurchlauf auf: Abgang Fredi Bobic, Abgang Adi Hütter, Abgang André Silva. »Dann sagt Armin Younes, er verlässt den Klub, ist jetzt aber doch wieder da. Und am Ende des Tages ist es Filip Kostic, der gehen will.« Wie soll also ein Klub so viel Durcheinander und solch einen Aderlass wegstecken? »Das sind nicht ja nicht die Nummern 22 bis 24 im Kader, sondern Führungsspieler in der Mannschaft«, die anderen beiden waren »Führungspersonen im Klub«.

Der Fußballlehrer folgert mit einer Distanz und Außensicht, die er als Frankfurter Frischling mitbringt: »Das, was passiert ist in den letzten Monaten, ist nicht gut für Eintracht Frankfurt.« Er spüre selbst am eigenen Leib, »dass hier nicht alles ruhig ist und rund läuft«, aber dieser Gleichklang, diese Balance sei unabdingbar für sportlichen Erfolg.

Die Frage wird generell sein, wie die Mannschaft nach dem 31. August aussieht, was aus Kostic und Amin Younes wird, welche Spieler noch gehen und welche kommen werden. Sicher wird Kristijan Jakic, 24, von Dinamo Zagreb anheuern, die Eintracht wird aber nicht, wie kolportiert, sieben Millionen Euro für den kroatischen Mittelfeldspieler zahlen, sondern deutlich weniger.

Dass noch ein Stürmer unterschreiben wird, ist gewünscht und geplant, aber nicht zu 100 Prozent sicher. Der finanzielle Spielraum ist beschränkt, weil Profis, die eigentlich keine Rolle mehr spielen (Zuber, Paciencia, auch Ilsanker), viel Geld verdienen, aber bisher keinen neuen Verein gefunden haben oder sich gar nicht darum bemühen. Nur bei Zuber sieht es nach einem Wechsel aus, am Sonntagmittag flog er zu Gesprächen nach Athen. Er soll an AEK ausgeliehen werden, auch eine Kaufoption ist geplant. Zudem drückt der geplatzte Transfer von Younes aufs Budget. Ein großer Mittelstürmer, das zeigen die Spiele bisher deutlich, wäre wichtig.

Das hat auch die Partie in Bielefeld gezeigt, in der sich die Frankfurter eine Stunde in endlosen Stafetten ergötzten, einen Ballbesitz von 75 Prozent erspielten, aber am Ende der physischen Wucht der spielerisch biederen Arminen nichts entgegenzusetzen hatten.

Nur einmal bekam man eine Ahnung davon, was Glasner, der in der Bielefelder Drangperiode unverständlicherweise den unsteten Aymen Barkok und nicht den japanischen Altmeister Makoto Hasebe zur Stabilisierung einwechselte, mit seinen Mannen vorhat: beim Führungstreffer, als Jens Petter Hauge die mit Abstand schönste Kombination zur Führung veredelte (22.). Zum Sieg reichte es nicht, weil die Eintracht förmlich einbrach und Patrick Wimmer ausglich (86.).

Drittes Spiel, dritter Sieg: Der Höhenflug des VfL Wolfsburg unter Trainer Mark van Bommel geht weiter. Die Wölfe bezwangen Vizemeister RB Leipzig im Topspiel verdient mit 1:0 (0:0) und bleiben in der Fußball-Bundesliga das Maß aller Dinge. Jerome Roussillon (52.) traf für die Wolfsburger, die damit als einziges Team im deutschen Profifußball mit weißer Weste dastehen. Neun Punkte aus den ersten drei Spielen bedeuten für den VfL zudem einen Startrekord in der Bundesliga.

Leipzig kassierte unter Trainer Jesse Marsch nach dem 0:1 zum Auftakt beim FSV Mainz 05 bereits die zweite Niederlage in der noch jungen Saison. Spielzeitübergreifend war es sogar schon die fünfte Auswärtspleite nacheinander. Begleitet wurde die Partie aus Leipziger Sicht vom Wechsel-Theater um Marcel Sabitzer. Dass der RB-Kapitän - offiziell aufgrund von Adduktorenproblemen - kurzfristig nicht im Kader stand, werteten Beobachter als weiteres Zeichen für den bevorstehenden Wechsel zum FC Bayern.

Die 12 058 Zuschauer in Wolfsburg erlebten eine unterhaltsame Partie der beiden Champions-League-Starter mit intensiven Zweikämpfen und viel Tempo - aber zunächst ohne die ganz großen Torraumszenen. Wolfsburg, dessen Neuzugang Luca Waldschmidt sein Debüt wegen einer Kopfverletzung verschieben musste, dominierte in der Anfangsphase mit viel Ballbesitz,

Borussia Mönchengladbachs Fehlstart in die Bundesliga-Saison ist perfekt. Beim heimstarken Europapokal-Starter Union Berlin verloren die vom Verletzungspech verfolgten Fohlen am Sonntag mit 1:2 (0:2). Nach drei Spieltagen gehen Gladbach und sein neuer Trainer Adi Hütter ohne Sieg und mit nur einem Punkt in die Länderspielpause.

Niko Gießelmann (22.) und Taiwo Awoniyi (41.) schossen Union nach zwei Remis zum ersten Dreier - es war das 18. Heimspiel in Serie ohne Niederlage. Damit endet eine erfolgreiche Woche für die Berliner, die am Donnerstag in die Gruppenphase der Conference League eingezogen waren. Die Gladbacher, für die nur Jonas Hofmann in der Nachspielzeit traf (90.+1), müssen sich nach dem 0:4 in der Vorwoche bei Bayer Leverkusen wieder neu sammeln.

»Wir waren in der ersten Halbzeit spielbestimmend, kriegen es aber nicht hin zu verteidigen«, klagte Hofmann bei DAZN: »Wir gucken nur zu, kriegen zu einfache Gegentore, das ist zu naiv verteidigt. Wir haben aber auch nicht zwingend genug Großchancen rausgespielt.«

Vor 11 006 Zuschauern im Stadion An der Alten Försterei musste Hütter auf Nationalspieler Matthias Ginter (Corona) sowie Stefan Lainer (Sprunggelenksbruch) und Marcus Thuram (Innenbandriss am Knie) verzichten, die sich gegen Leverkusen verletzt hatten. In der Viererkette sprangen Jordan Beyer und Ramy Bensebaini ein.



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