09. Dezember 2019, 07:00 Uhr

Das große Schweigen

09. Dezember 2019, 07:00 Uhr
Der scheidende 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg inmitten der Zuschauer beim Heimspiel-Sieg gegen Würzburg. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Nach dem Sieg jenes Teams, das er sieben Jahre als Manager betreut hatte, zog es 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg am Samstagabend in Richtung Spielfeldbande. Verträumt beobachtete er das feierliche Treiben auf dem Osthallen-Parkett. Auch hinter den Kulissen zeigte Schelberg Präsenz, schüttelte Hände und gab sich aufgeräumt.

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, seine Demission als Geschäftsführer der Gießen 46ers wäre nicht bekannt gegeben worden. Der Verein hatte auf die Exklusivmeldung dieser Zeitung, wonach die Gesellschafter am Mittwoch Schelbergs Abgang nach der Saison eingeleitet hatten, mit einer Pressemitteilung reagiert. Darin sagt er: »Im Zuge der Vorbereitungen auf die kommenden Spielzeiten und die damit verbundenen Herausforderungen ist klar geworden, dass sich verschiedene Sichtweisen herausbildeten, die sich nicht mehr vereinbaren lassen und sich unsere Wege trennen werden.«

Weder von Gesellschafterseite noch von der Geschäftsführung der Gießen 46ers um Schelberg und Philipp Reuner waren nähere Einzelheiten zu den Geschehnissen der letzten Tage zu erhalten. Die beiden Letztgenannten waren - wie immer - schon lange vor Spielbeginn zugegen. Reuner verwies auf besagte Pressemitteilung, zu der es »nichts hinzuzufügen« gäbe. Dort spricht der nicht näher benannte »Aufsichtsrat« sein Bedauern über Schelbergs Abgang aus, an dessen Freiwilligkeit nach Informationen dieser Zeitung Zweifel herrscht. Auch alle Interview-Anfragen seitens MagentaSport wurden mit Verweis auf die PM abgelehnt. Somit bleiben die 46ers bei der Darstellung, wonach die Trennung im gegenseitigen Einvernehmen stattfand: »Ich wäre gerne an Bord geblieben, habe mich aber letztlich dazu entschlossen, mich nach so langer Zeit nach einer neuen Herausforderung umzusehen«, so Schelberg weiter in der PM.

Mit der Überschrift in ihrer Pressemittelung hatten die 46ers ungeachtet der Unstimmigkeiten ins Schwarze getroffen: »Eine erfolgreiche Ära geht zu Ende«. Begonnen hat sie im Januar 2012, als Schelberg Christoph Syring beerbte. Ab April 2012 übernahm er die Geschäftsführung. Im Juni folgte der Klassenerhalt per Wildcard. Noch im selben Jahr folgte der Schock. Der Traditionsverein stellte kurz vor Heiligabend einen vorläufigen Insolvenzantrag. Gemeinsam mit Insolvenzverwalter Tim Schneider schaffte Schelberg den Kraftakt. Keine anderthalb Monate nach der Schreckensmeldung war die Summe von 360 000 Euro bereitgestellt und der Antrag konnte zurückgezogen werden. Später sprach Schelberg von einem Schuldenberg, der zur schlimmsten Zeit 1,2 Millionen Euro betragen haben soll.

Es folgte der Beginn einer Konsolidierung. Nach dem erstmaligen Abstieg im April 2013 bekam Schelberg mit Reuner einen zweiten Geschäftsführer für den Bereich Finanzen an die Seite gestellt. Wenige Wochen später präsentierte der Verei n Trainer Denis Wucherer: Schelbergs Königstransfer. Während die Entschuldung voranschritt und 2014 mit der Gießen 46ers GmbH & Co. KG eine neue Gesellschaft gegründet wurde (mittlerweile sind dort 33 Gesellschafter tätig), leistete die Mannschaft 2015 Großes und führte Gießen zurück in die BBL. Nach dem Aufstieg folgte im Sommer die Schuldenfreiheit. Auch in der BBL lief es hervorragend: Weder unter Wucherer noch unter Ingo Freyer musste der Verein seither ernsthaft um den Klassenerhalt zittern.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Basketball
  • Denis Wucherer
  • Gießen 46ers
  • Heiko Schelberg
  • Philipp Reuner
  • Sebastian Kilsbach
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 10 - 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.