17. August 2019, 12:10 Uhr

Handball-Bundesliga (4)

Die Großmächte

In fünf Tagen beginnt die neue Saison in der Handball-Bundesliga für die HSG Wetzlar und die 17 übrigen Teams. Wir stellen die Gegner der Grün-Weißen vor.
17. August 2019, 12:10 Uhr
Der ehemalige Welthandballer Filip Jicha beerbt Alfred Gislason auf dem Trainerposten von Rekordmeister THW Kiel. (Foto: dpa)

Der Bundesliga-Stern des Westens ist mit dem Abstieg des VfL Gummersbach erloschen, die Sterne des Nordens (THW Kiel), Ostens (SC Magdeburg) und Südens (Rhein-Neckar Löwen) strahlen indes 2019/20 umso intensiver im Oberhaus. Das sind unwidersprochen drei der mittlerweile fünf, sechs Handball-Großmächte der Eliteliga.

THW Kiel

Man mag es kaum glauben, der letzte Titelgewinn des Rekordmeisters liegt bereits fünf Spielzeiten (2014/15) zurück. Der bedeutsamste Wechsel ist auf der Trainerposition vollzogen worden, hier soll mit dem einstigen Welthandballer Filip Jicha anstelle von Alfred Gislason eine neue Ära beginnen. Ob das gelingt, wird im Premieren-Jahr von Jicha auch davon abhängen, wie die Zebras personell bzw. verletzungsfrei durch die Saison kommen. »Ich sehe in der Mannschaft einen großen Hunger nach Erfolg«, sagt der neue Trainer vor der am 21. August mit dem Supercup-Duell gegen den Nordrivalen SG Flensburg/Handewitt beginnenden Spielzeit.

Kommen/Gehen: Mit Magdeburgs Stammkeeper Dario Quenstedt dürfte man den Abgang von Nationalkeeper Andreas Wolff (zu KC Kielce/Polen) einigermaßen kompensiert haben. Der immerhin bereits 38-jährige Routinier Pavel Horak ist als Backup im Deckungszentrum für das Duo Pekeler/Wiencek vorgesehen. Nachwuchskeeper Fynn Malte Schröder muss als Wechsel auf die Zukunft angesehen werden. Einen ganz großen Fisch haben sich die Kieler erneut nicht geangelt.

Stärken/Schwächen: Auf Rückraum rechts und Rückraum Mitte könnten die Norddeutschen bei länger anhaltenden Verletzungspausen Probleme bekommen. Die einzige Verpflichtung für die Aufbaureihe, eben Abwehrspezialist Horak, setzt die Halbspieler nicht unter Druck. Andererseits ist das Kieler Team in den letzten Jahren in sich dermaßen gewachsen, dass kaum einer der Kontrahenten ein größeres Spielverständnis haben dürfte. Mit einer Passhärte, -geschwindigkeit und -genauigkeit wie zuzeiten eines Marcus Ahlm und Kim Andersson wäre der THW wieder Titelanwärter Nummer eins.

Trainer/Umfeld: Filip Jicha/Christian Sprenger sind zwei Trainer-Rookies, die zwar als Spieler lange internationale Erfahrung auf höchstem Niveau haben, aber beim Thema »Führung« erst noch den Nachweis ihrer Klasse erbringen müssen. Geschäftsführer Viktor Szilagyi tut gut daran, dem neuen Duo auf der Trainerbank in kritischen Phasen den Rücken zu stärken. Schließlich sollte nach fünf Jahren die Meisterschale wieder einmal an der Kieler Förde in die Höhe gestreckt werden.

Prognose: National sind die Kieler neben den Rhein-Neckar Löwen der große Titelfavorit. Der Kader ist gesund gewachsen, ist für internationale Ansprüche aber auf Halbrechts und der Mitte noch zu dünn besetzt. Bei Langzeitausfällen könnten so Saisonziele schnell wieder in Gefahr geraten. Analog zu den Fußball-Bayern ist im zweiten Jahr nacheinander kein Königstransfer getätigt worden. Dennoch: Titelanwärter Nummer eins.

Rhein-Neckar Löwen

Der Titelhunger bei den Mannheimern muss einfach ein großer sein. Nach der verkorksten letzten Spielzeit, in der allein der frühere Wetzlarer Kreisläufer Yannik Kohlbacher als Kreisläufer durchweg positive Schlagzeilen schrieb, lassen die drei, vier Toptransfers darauf schließen, dass das Publikum in der SAP-Arena wieder einen echten Titelkampf zu sehen bekommen soll.

Kommen/Gehen: Bis auf Gudjon Valur Sigurdsson (Paris St. Germain) haben die Rhein-Neckar Löwen keinen ihrer Leistungsträger ziehen lassen müssen. Im Gegenteil: Rückkehrer Uwe Gensheimer auf Linksaußen, Frankreichs Rückraum-Stern Romain Lagarde und »Danish Dynamite« Niclas Kirkelökke sind jeder für sich als Königstransfer zu bezeichnen. Da dürfte es für den Ex-Wetzlarer Steffen Fäth auf Halblinks schwer werden, einen Platz in der Startformation zu finden.

Stärken/Schwächen: Die 18 Minuspunkte der Vorsaison mit zehn (!) nicht gewonnenen Partien müssen eine Ausnahme gewesen sein. Die Torquote im Angriff (nicht vierstellig) muss verbessert werden, über rechtsaußen fielen nur unterdurchschnittliche acht Prozent der Löwen-Treffer.

Individuell ist das Team von Neu-Trainer Kristjan Andresson, der Nicolaj Jacobsen abgelöst hat, durch die getätigten Transfers das bestbesetzte Team der Liga. Von Mikael Appelgren im Tor bis zu Jannik Kohlbacher am Kreis reiht sich ein Topstar an den anderen. Mit Andy Schmid und Romain Lagarde führen zwei Weltklassespieler das Starensemble an, welches Coach Andresson nur noch zu einer Mannschaft zusammenwachsen lassen muss. Das Gelingen hängt auch davon ab, inwieweit er die Ansammlung an Topspielern moderieren kann.

Trainer/Umfeld: Die 13 200 Zuschauer fassende SAP-Arena Spieltag für Spieltag zufriedenstellend zu füllen, wird eine der Hauptaufgaben der Verantwortlichen sein. In der unbefriedigenden Vorsaison wurde sogar die 8000-Zuschauer-Grenze beim Zuschauerschnitt unterboten. Man sieht, dass in der Rhein-Neckar-Region mit ihren vielen konkurrierenden Angeboten in Sport, Kultur und Freizeit nur Topleistungen zählen. Daran wird sich auch der erst 38 Jahre junge isländische Erfolgstrainer messen lassen müssen.

Prognose: Es klingt abgedroschen, ist aber so: Der Weg zum Titel führt nur über die Löwen. Wird die individuelle Qualität in mannschaftliche Geschlossenheit verwandelt, sind die Gensheimer und Co. Titelanwärter Nummer zwei.

SC Magdeburg

Der Sturm und Drang der Magdeburger hat in der Vorsaison die Liga begeistert. Und das eigene Publikum auch, welches in den Heimspielen für 97,24 Prozent Auslastung der Getec-Arena sorgte. Trainer Bennet Wiegert hat den ersten deutschen Champions-League-Sieger wiederbelebt und, seiner Bedeutung für den deutschen Handball entsprechend, zurück in die nationale Spitze geführt. Die Leuchtturm-Funktion des SCM bestätigen auch die Fernsehsender, deren Quoten in den vergangenen Jahren bei Spielen mit Magdeburger Beteiligung immer nach oben gingen.

Kommen/Gehen: Die Elbestädter haben den Kader breiter aufgestellt, um von verletzungsbedingten Ausfällen weniger aus der Bahn geworfen zu werden. Dennoch müssen die personellen Verluste von Torhüter Dario Quenstedt (THW Kiel), Rechtsaußen Robert Weber (HSG Nordhorn-Lingen) oder Mads Christiansen (Aalborg HK) erst einmal aufgefangen werden. Da passen der Ex-Lemgoer Tim Hormke auf rechtsaußen sowie der durchsetzungsstarke Christoph Steinert (HC Erlangen) am besten in das Tempospiel-Anforderungsprofil von Trainer Bennet Wiegert, der allerdings zunächst noch auf die Rückkehr von Rekonvaleszent Albin Lagergren warten muss und noch vor dem Saisonstart den Ausfall von Neu-Kreisläufer Moritz Preuss (VfL Gummersbach) zu beklagen hat, der einen Kreuzbandriss erlitt und frühestens nach der EM-Pause im Januar wieder an Bord sein dürfte.

Stärken/Schwächen: Nominell ist der Kader breiter aufgestellt, positionsspezifisch weniger. Das fällt aber weniger ins Gewicht, wenn der SCM aus seiner stabilen und taktisch strukturierten Deckung um die Innenblock-Hünen Piotr Chrapkowski, Zeljko Musa und Erik Schmidt gut in seine Gegenstoßspiel kommt. Dann nähern sich die Musche und Co. sogar der 40-Tore-Grenze. Im Positionsangriff aber ist das Spiel stark abhängig von Spielmacher Marko Bezjak und Rückraum-Shooter Michael Damgaard. Werden diese beiden aus dem Spiel genommen, gerät das Team mit einem Durchschnittslater von immerhin bereits 28,4 Jahren schnell in die Bredouille.

Trainer/Umfeld: »Wir werden wieder versuchen, noch erfolgreicher zu sein und den Abstand nach oben weiter zu verkürzen«, blickt Trainer Bennet Wiegert voraus, wenn er auf die Entwicklung der letzten Jahre mit den Abschlussrängen fünf, vier und drei angesprochen wird. Natürlich steigen an der Börde die Ansprüche, 400 Dauerkarten-Wünsche konnten nicht mehr erfüllt werden. »Wir haben mittlerweile die Qualität, wenn alles passt, die Top-Teams zu schlagen«, ließ sich Geschäftsführer Marc-Hendrik Schmedt entlocken, nachdem der SCM zweimal den großen THW Kiel bezwungen hatte. Die Euphorie jedenfalls ist groß.

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