29. Oktober 2019, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Erleichterung bei den Gießen 46ers nach »Durchbruchspiel«

Das 83:68 der Gießen 46ers über Oldenburg war saisonübergreifend die beste Leistung seit Monaten. Trainer Ingo Freyer tritt da vorsorglich auf die Euphoriebremse.
29. Oktober 2019, 07:00 Uhr
Fröhliche Gesichter bei den Gießen 46ers (v. l.: Jordan Barnett, Tim Uhlemann, Bjarne Kraushaar, John Bryant, Alen Pjanic sowie Co-Trainer Steven Wriedt) und den Fans nach dem Befreiungsschlag gegen Oldenburg. (Foto: Friedrich)

Gießen 46ers


Dennoch: Die Erleichterung nach dem Sieg war allen Club-Verantwortlichen überdeutlich ins Gesicht geschrieben. Eine Stunde nach Spielende zog es Geschäftsführer Heiko Schelberg aus dem VIP-Raum nach draußen. In langen Schritten überquerte er das Osthallen-Parkett, wo längst die Abbauarbeiten eingesetzt hatten. Der 46ers-Macher fand vor der Halle den zweiten Geschäftsführer des Vereins vor, Philipp Reuner. Ihre strahlenden Gesichter erhellten den leeren Hallenvorplatz, als beide zum High-Five ansetzten. »Ich bin sonst eher zurückhaltend, aber am Sonntag war die Freude riesengroß«, reflektiert Schelberg und spricht von einem Durchbruchspiel: »Dass das gerade gegen Oldenburg und eine der Top-4-Mannschaften der Liga kommt, damit hat wirklich keiner gerechnet. Die Mannschaft hat sich belohnt.«

Nach vier Niederlagen in Pokal und Bundesliga in Folge hatten die 46ers eine der besten Leistungen der vergangenen zwei Jahre gezeigt. Vor allem defensiv überraschten sie Gegner, Fans und womöglich sich selbst. Zwar gelangen im zweiten Durchgang nur 30 Punkte. Da man Oldenburg selbst aber bei nur 34 Zählern hielt, reichte der Vorsprung locker.

Besondere Freude war auch bei Brandon Thomas zu verspüren. Vor dem Spiel war er der letzte, der über das Parkett in Richtung Kabine trabte, um dort auf den stimmungsvollen Einlauf des Teams zu warten. Kämpferisch klatschte er dem Stehblock entgegen, der den Spirit des US-Amerikaners dankbar annahm und es ihm gleichtat. Auch der harte Fankern war ohne große Erwartungen zur Partie gegangen. Als im letzten Viertel das Match entschieden war, war es ebenfalls Thomas, der es den Fans in der Osthalle gleichtat, sich von der Ersatzbank erhob und rhythmisch zu den Gesängen des Blocks hinterm Korb klatschte. Da verwunderte es nicht, dass er nach Humba und Laola erneut zum Mikro griff und den neuen Fansong der 46ers anstimmte. »Ich liebe dieses Lied«, ließ er die Zuschauer wissen, die über die Gesangsversuche des 35-Jährigen liebevoll lächelten. »Jedes Team braucht seine Fans. Ohne sie sind wir nichts«, sagte der Forward nach Spielende und fügte hinzu, dass er am liebsten vor einer rappelvollen Osthallenkulisse spielt.

Die Auslastung derselben bereitet indes Sorge. Zu den Heimspielen der 46ers pilgerten bislang im Schnitt rund 400 weniger Fans als noch im Vorjahr. Für Schelberg hat das weniger mit Sieges- oder Niederlagenserien zu tun. »Beides hat keinen großen Einfluss, man kann die Auslastung nicht nur auf das Sportliche projizieren«, sagt der Manager, der zugleich auf ähnliche Entwicklungen bei Vereinen wie der HSG Wetzlar oder dem FC Gießen verweist. Die mangelnde Zuschauerresonanz sei ein allgemeines Problem. Gerade deswegen »war es wichtig, dass wir gestern ein dickes Ausrufezeichen gesetzt haben. Wir müssen diese Entwicklung weiter beobachten«, so Schelberg.

Um eine dezidiert sachliche Betrachtung ist Ingo Freyer bemüht. »Klar sind wir erleichtert und freuen uns über den Sieg. Aber um die Euphorie kümmere ich mich nicht. Die jetzige Stimmung will ich nicht mitgehen, das ist nicht mein Job«, so der Coach, der froh ist, dass der Matchplan aufgegangen ist.

Dieser sah vor, die Oldenburger Guards maximal unter Druck zu setzen - vor allem im Ballvortrag, wo Freyer Vorteile gegen den groß gewachsenen Braydon Hobbs und den 37-jährigen Rickey Paulding ausgemacht hatte. Paulding etwa blieb deutlich hinter seinen Möglichkeiten. »Gegen Braunschweig mit ihren schnellen Guards kann das wieder anders aussehen«, denkt Freyer bereits an den nächsten Auswärtsgegner der Gießener (Sonntag, 15 Uhr).

Doch was lief besser als in den Partien zuvor? Neben dem Kickstart - Gießen etablierte eine frühe 11:4-Führung, die nicht mehr abgegeben werden sollte - war die Phase nach dem Seitenwechsel ein neuralgischer Punkt. Oftmals war den 46ers da der Saft ausgegangen. Der unnötige Turnover gleich zu Beginn gefolgt von Philipp Schwethelms freiem Dreier, der auf einen Abstimmungsfehler in der Gießener Defensive zurückging, besorgte nicht nur die Zuschauer.

Freyer reagierte sofort, bat zur Auszeit: »Wir haben ein Script, bestimmte Laufwege und Abschlussoptionen, die wir nach der Halbzeit spielen wollen und die jeder versteht«, erklärt der Trainer. »Alles stand und fiel gestern mit den Ballverlusten und der Verteidigung der Dreier. Das haben wir in der ersten Halbzeit gut gelöst«, führt Freyer aus, weshalb er nach nur 17 Sekunden zum Timeout bat. »Danach klappte das wieder besser«, freut sich der 48-Jährige.

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