30. Dezember 2019, 23:15 Uhr

FC Gießen

FC Gießen: Haupt arbeitet an »Sponsoren-GmbH«

Die Zukunft von Fußball-Regionalligist FC Gießen ist weiter ungewiss. Dirk Schäfer, bis dato für die Sponsoren zuständig, hat mit sofortiger Wirkung gekündigt. Markus Haupt ist der neue starke Mann.
30. Dezember 2019, 23:15 Uhr
Organisatorischer Chef und sportlicher Chef: Markus Haupt (l.) mit Trainer Daniyel Cimen - beide führen den FC Gießen derzeit. Foto: Friedrich

? Wie ist die aktuelle Situation des FC Gießen vor dem Jahreswechsel?

Weiterhin bedenklich. Markus Haupt als kommissarischer Geschäftsführer ist bemüht, die Finanzierung bis zum Saisonende zu sichern. »Wir arbeiten weiterhin daran, dass wir finanziell auf sicheren Füßen stehen und bis zum Saisonende abgesichert sind.« Seit rund drei Wochen führe er »intensive Gespräche« - in etwa die Zeitspanne also, seitdem Haupt den Posten von Jörg Fischer übernommen hat. Der Verein steht vor wegweisenden Entscheidungen: Wie und durch wen wird der Spielbetrieb finanziell abgesichert? Muss die Gehaltsstruktur überdacht werden? Und bahnt sich mit Markus Haupt an der Spitze ein Führungswechsel an? Derzeit ist die Unsicherheit im Verein groß. Ausdruck dessen: Dirk Schäfer, bisher zuständig für Marketing und Sponsoring, hat mit sofortiger Wirkung schriftlich gekündigt. Nicht nur die Mannschaft, auch die Mitarbeiter des Vereins warten seit Oktober immer wieder auf ihr Gehalt. Auch im Dezember soll sich die Zahlung der Mannschaftsgehälter bis zum Monatsende hingezogen haben. Haupt arbeitet daran, mehr Kontinuität zu schaffen, weiß, dass die Hinhaltetaktik nicht eine halbe Saison gefahren werden kann.

? Ist Markus Haupt als kommissarischer Geschäftsführer derzeit auf sich alleine gestellt?

Haupt hat im Hintergrund ein neues, sechsköpfiges Team zusammengestellt, das sich vor allem um die Kapitalgesellschaft und die Generierung von Investoren kümmert. »Das sind Leute, die beraten, helfen, Kontakte herstellen.« Dirk Schäfer ist zurückgetreten, Abteilungsleiter Andreas Heller weilt bis Anfang Januar im Urlaub. Jörg Fischer hat sich seit seinem Rücktritt zunächst zurückgezogen, ist zudem bis Anfang Januar im Urlaub. Auch Vorsitzender Dominik Fischer und Rechner Alexander Schmandt halten sich mittlerweile im Hintergrund auf. Haupt führt die Gespräche mit potenziellen neuen Investoren alleine.

? Wann kommt die Kapitalgesellschaft, durch die Anteile veräußert werden können?

Im Herbst 2019 sagte Jörg Fischer noch, dass es das Ziel sei, mit der neuen Kapitalgesellschaft zum Jahresanfang 2020 handlungsfähig zu sein. Diese Kapitalgesellschaft diene als Basis für die Zukunft - Anteile könnten an Kapitalanleger veräußert werden. Die Gesellschafter hätten entsprechend ihren Anteilen Mitspracherecht. Doch nun erklärt Haupt: »Die Ausgliederung braucht ganz, ganz viel Zeit.« Nach weiteren Gesprächen mit Vertretern der Regionalliga Südwest und dem SSV Ulm sei nun klar, dass das »Ganze mindestens ein halbes Jahr in Anspruch nimmt«. Sprich: Frühestens im Frühjahr kann mit der Kapitalgesellschaft gerechnet werden. Haupt sagt: »Wir arbeiten an einer Zwischenlösung, um bis zum 30. Juni auf finanziell sicheren Füßen zu stehen.« Die Zwischenlösung sieht vor, dass eine Sponsoren-GmbH gegründet werden soll - die Beträge für die spätere Anteilserwerbung werden schon gezahlt, die Finanzierung soll so gesichert werden. Haupt: »Es gibt Zusagen. Wir reden bislang von einer kleinen Gruppe, aber wir führen kontinuierlich weitere Gespräche.«

? Wie konnte es so weit kommen, dass der FC Gießen erhebliche finanzielle Probleme hat?

Das fragt sich im Grunde jeder im Verein. Trotz rund 800 000 Euro Einnahmen durch externe Sponsoren (Dienstleistungen wie Catering mit eingerechnet) musste der FC die Gehälter an die Mannschaft seit drei Monaten verspätet auszahlen. Die naheliegendste Erklärung: Hauptsponsor GHI, deren Geschäftsführer Jörg Fischer ist, durchlebt schwierige Zeiten. Die Rechnung, die mit dem Sportlichen Berater Franz Gerber gemacht wurde, dass die Zuschauererlöse und die Einnahmen der externen Sponsoren als Basis dienen und der Rest von GHI beigesteuert wird, geht nicht mehr auf - und der FC hat finanzielle Probleme.

? Welche personellen Veränderungen sind zu erwarten?

Markus Haupt, der ein Autohaus in Grünberg besitzt, erklärt kurz nach Weihnachten: »Alles kommt auf den Prüfstand, denn irgendwie sind wir ja in diese Lage gekommen.« Dirk Schäfer ist nun weg, der Zeugwart Andreas Dattwinkl wurde entlassen. Weitere Veränderungen auf dieser Ebene sind denkbar. Das Sportliche ist von allem bis dato unberührt - nur der Kontrakt mit Luca Teller (nun RW Hadamar) wurde aufgelöst. Sammy Kittel wurde nahegelegt, dass er sich einen neuen Verein suchen kann - der Verein wäre für eine Leihe oder einen festen Wechsel offen. Trainer Daniyel Cimen sagte gestern: »Ich würde den Kader gerne verkleinern. Aber wir müssen abwarten, wie wir uns aufstellen: Können wir mit dem eingeplanten Budget arbeiten oder müssen wir einsparen?« Im Sinne der langfristigen Gesundung sollte dieses Denkmodell in Betracht gezogen werden: Großverdiener werden im Winter ziehen gelassen - oder sie verzichten auf Gehalt (siehe Kommentar).

? Wie sieht es sportlich vor dem Trainingsstart am 13. Januar aus?

Zum Start der Winter-Vorbereitung fehlt nur Innenverteidiger Oliver Laux, der aber nach der Reha einen neuen Anlauf nehmen will. Getestet wird unter anderem am 25. Januar gegen Michael Finks Hanau 93 in Gießen und am 29. Januar gegen Bad Vilbel in Gießen. Der Ligastart erfolgt am 22. Februar - mit einem Gastspiel beim TSV Steinbach Haiger. Auf diesen trifft der FC im Halbfinal-Highlight des Hessenpokals im Waldstadion auch Anfang März. Mit einem Sieg wäre der FC nur noch ein Spiel vom DFB-Pokal und garantierten Einnahmen in Höhe von mindestens 150 000 Euro entfernt. In der Liga sind es aktuell fünf Punkte Rückstand auf den ersten sicheren Nichtabstiegsplatz. Das Trainerteam setzt große Hoffnung darin, eine gemeinsame Vorbereitung zu absolvieren - die gab’s aufgrund der auseinandergezerrten Personalplanung im Sommer nicht. Cimen: »Der Klassenerhalt wäre nach diesem turbulenten Halbjahr ein riesiger Erfolg.«

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