02. August 2019, 07:00 Uhr

FC Gießen

FC Gießen: Rinderknecht soll gleich Führungsrolle übernehmen

Mit Nico Rinderknecht und Sammy Kittel hat Fußball-Regionalligist FC Gießen zwei Ur-Gießener zurückgeholt.Vor allem Rinderknecht kommt beim ersten Heimspiel eine wichtige Aufgabe zu.
02. August 2019, 07:00 Uhr
Sammy Kittel muss körperlich noch zulegen, um eine ernsthafte Rolle im Regionalliga-Team zu spielen. Im Hintergrund der fest eingeplante Rinderknecht. (Foto: Kuhn)

Welch wichtige Rolle der 21-jährige Nico Rinderknecht beim FC Gießen einnimmt, ist gleich in den ersten Tagen gut zu beobachten. Der Neuzugang mit Drittliga-Erfahrung verletzte sich beim 1:7-Debakel in Elversberg kurz nach seiner Einwechslung am Schienbein - stand am Dienstag aber schon wieder auf dem Trainingsplatz und ist am Samstag beim Heimspiel gegen den FC Homburg (14 Uhr) in der Startelf zu erwarten.

Sein geprelltes Schienbein wurde gestern bandagiert, Rinderknecht steht seinen Mann - und wird im Defensivverbund gebraucht. »Wir hatten in den 15 Minuten mit ihm deutlich mehr Stabilität«, sagt FC-Trainer Daniyel Cimen, ehe der Neuzugang verletzungsbedingt wieder ausgewechselt werden musste.

Der 34-jährige Coach kennt Rinderknecht aus früheren gemeinsamen Zeiten in der Jugend von Eintracht Frankfurt. »Man sieht, dass er reifer in seinem Spiel geworden ist. Er ist selbstbewusst, auch von der Körpersprache her.« Mit 21 Jahren kommt Rinderknecht beim FC Gießen gleich eine Art Führungsrolle zu.

Davon ist ein anderes Gießener Gesicht, Sammy Kittel, noch ein Stück weit entfernt. Der 19-Jährige zählte am ersten Spieltag noch nicht zum Kader. »Wir haben ihn als Perspektivspieler geholt«, sagt Cimen. »Er ist technisch sehr, sehr versiert, kann viel erreichen. Aber er muss sich erst in eine körperliche Verfassung bringen, um im Seniorenbereich mithalten zu können.«

Beide stammen aus Gießen, Rinderknecht spielte lange für den VfB 1900 Gießen, Kittel für die TSG Wieseck. Später zog es beide zum FC Ingolstadt, Kittel kam erst in diesem Sommer aus der Jugend des TSV 1860 München heraus. Beide sind mit ihrem Wechsel von Bayern nach Mittelhessen zurück in ihre Heimat gekehrt. Und beide tragen bereits einen Touch Profifußball in sich. Rinderknecht spielte bereits in der dritten Liga für Preußen Münster, Kittels großer Bruder Sonny läuft aktuell für den Zweitligisten Hamburger SV auf.

»Ich habe in Münster gesehen, dass ich die dritte Liga spielen kann«, sagt Rinderknecht. »Am Anfang, als ich vor drei Jahren nach Ingolstadt kam, war ich weit weg vom Bundesligateam. Da war es schwer, alleine klarzukommen. Jetzt war ich nah dran am Profiteam. Aber beim Ziel Zweitligaaufstieg setzt man auf erfahrene Kräfte«, sagt der Gießener. »Ich habe die letzten drei Jahre reflektiert und weiß jetzt, was ich will. Ich wollte nicht in eine Drittligamannschaft gedrückt werden, wo ich sehen muss, wo ich bleibe. Ich will eine komplette Saison spielen bei einem Verein, in dem ich gebraucht werde.«

Mit seiner Laufstärke, seinem genauen Passspiel und seinem Mut, sich in jeden Zweikampf zu werfen, kann der flexibel einsetzbare Zentrumspieler dem FC Gießen helfen. In Elversberg rückte er systembedingt in die Fünferkette, einsetzbar ist er aber auch auf der Sechs oder Acht - flexibel eben, Torgefahr kann der Rotschopf auch ausstrahlen. Egal wo, fest steht: Er wird gebraucht.

Während Rinderknecht, der mit der Rückennummer 16 aufläuft, also schon einen Schritt weiter ist, kommt Kittel gerade aus der Jugend und muss sich noch einfinden. »Das Wichtigste ist in diesem Alter bei Fußballern die Selbstreflexion«, weiß sein jetziger Trainer.

»Für viele talentierte Spieler aus den Nachwuchsleistungszentren ist beim Übergang von Junioren- zu Seniorenbereich selbst die fünfte Liga eine große Herausforderung. Da gehört viel Eigenmotivation dazu. Wenn er sich in die körperliche Verfassung bringt, kann er auch spielen.«, Vergleiche mit seinem prominenten Bruder Sonny seien »nicht immer zu verhindern«, sagt Daniyel Cimen. »Aber er sollte seinen eigenen Weg gehen.«

Beide gingen in Gießen zur Schule, Rinderknecht zur Alexander-von-Humboldt-Schule, Kittel zur Friedrich-Ebert-Schule. Die Großfamilie Rinderknecht stammt aus der Weststadt, die Kittels aus Wieseck. Die talentierten Fußballer erhöhen den Identifikationsfaktor im Regionalliga-Team. Das alleine wird dem FC Gießen nicht reichen im Kampf um den Klassenverbleib. Ein erhöhtes Wir-Gefühl und die Unterstützung von den Rängen dürfte bei den schweren Viertliga-Spielen vor allem im heimischen Waldstadion aber eine wichtige Rolle spielen.

Morgen geht’s gegen den FC Homburg - und der Sportliche Leiter Franz Gerber fordert nach dem missratenen Auftakt eine andere Einstellung: »Jeder muss zu allererst seine Aufgabe erfüllen. Jeder Einzelne, vor allem aber wir als Team, müssen zeigen, dass wir diese Liga spielen können.« Rinderknecht, der durch den Kontakt zu Gerber nach Gießen gekommen ist und genauso wie der 65-Jährige ehrgeizige Ziele hat, sagt: »Wir müssen mutiger spielen. Ich glaube, dass wir ein anderes Gesicht zeigen werden.« Er selbst soll dabei eine wichtige Rolle einnehmen.

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