20. Oktober 2020, 16:00 Uhr

Fußball

FSG Wettenberg: So hoch ist der Covid-19-Zusatzaufwand

Abteilungsleiter Kai Fechler von Fußball-Gruppenligist FSG Wettenberg erklärt im Interview, welche Auswirkungen Corona samt den vielen englischen Wochen für Amateure und Ehrenamtliche hat.
20. Oktober 2020, 16:00 Uhr
Zwei der vielen Helfer bei der FSG Wettenberg in Zeiten von Corona: Uwe Pfaff (l.) und Stefan Prötzwaren. FRO

Fußball-Gruppenligist FSG Wettenberg erlebt zurzeit turbulente Zeiten. Zum einen kämpft die Elf von Trainer Bastian Panz um den Klassenerhalt, andererseits verlangt die Corona-Pandemie von den Vereinsverantwortlichen und ihren ehrenamtlichen Helfern im organisatorischen Bereich eine Menge ab. Diese Zeitung sprach aus gegebenem Anlass mit dem Abteilungsleiter der FSG, Kai Fechler.

Herr Fechler, wie schätzen Sie die sportliche Situation Ihrer FSG in der vergangenen Spielzeit und aktuell ein?

Wenn es den Corona-Abbruch nicht gegeben hätte, wären wir wahrscheinlich abgestiegen. Das hätten wir auch entsprechend akzeptiert. Die Jungs, mit denen wir nun seit drei Jahren erfolgreich zusammenarbeiten, hatten im Frühjahr ihr Leistungslimit erreicht. Das ist im Moment leider auch so. Wir kommen auch in der neuen Spielzeit nicht richtig in Tritt. Wenn du einmal unten drinstehst, dann läuft es auch nicht, obwohl wir ordentliche Spiele abgeliefert haben. Es fehlen die Erfolgserlebnisse, die Tore, die Punkte, was vor allem in der Spitze unseres Vereines auf eine dünne Personaldecke zurückzuführen ist.

Ist die Personalmisere auf den durch die Corona-Krise aufgeblähten Terminplan zurückzuführen? Sehen Sie diesen kritisch oder mit Verständnis für den Verband?

Sowohl als auch. Wir lieben den Fußball und wollen die Saison auch so lange durchziehen, wie dies möglich ist. Durch den Saisonabbruch gab es nur Aufsteiger und keine Absteiger, was die Liga noch größer gemacht hat. Wir haben einen Monat später als üblich begonnen und werden nicht viel weiter nach hinten rausgehen können. Die Schlechtwetterphase kommt noch. Der drei bis vier Tagerhythmus zwischen den Spielen ist eine starke Belastung. Die Leute gehen noch arbeiten und auch die Familie bleibt bei den ständigen englischen Wochen hintendran. Der Arbeitgeber muss vor allem bei den Wochenspieltagen mitspielen.

Wir haben einige Spieler, die bei der Bank beschäftigt sind. Wenn wir dann um 19 Uhr in Burgsolms spielen, musst du schon mal um Erlaubnis fragen, ob du früher gehen kannst. Das ist im Amateurbereich schwer zu steuern, sodass ich es nicht nachvollziehen kann, wenn im Profibereich lamentiert wird, dass man dreimal die Woche spielen muss. Zudem hast du maximal einen Trainingstag, bei dem du nicht viel ausmerzen kannst. Das ist eine große Belastung, auch in der Organisation des Vereines.

Welche Auswirkungen haben die derzeit notwendigen organisatorischen Maßnahmen zur Abwendung der Corona-Pandemie für das Ehrenamt innerhalb eines Vereines?

In einer normalen Saison ist der Kunstrasenplatz in Launsbach nur unsere Ausweichmöglichkeit im Herbst und Winter. Unsere regulären Spielstätten sind in Wißmar und Krofdorf, wo uns die entsprechenden Funktions- und Materialräume zur Verfügung stehen. In Launsbach müssen wir uns die Umkleidekabinen mit der HSG Wettenberg teilen, was generell gut klappt, obwohl die auch höherklassig spielen.

Früher haben wir zwei Leute für den Verkauf gesucht, doch heute benötigst du für ein Heimspiel zur Eingangskontrolle und für den zusätzlichen Ordnerdienst weitere acht bis zehn Personen. Wir fangen an einem Spieltag um 10 Uhr an, da wir drei Mannschaften im Spielbetrieb haben. Dies führt zu wechselnden Zuschauern, bei denen man die Begegnungswege vermeiden und die Anzahl der Zuschauer im Blick haben muss.

Wir nutzen hierfür eine App, bei denen die Kontaktdaten beim Betreten des Sportgeländes addiert und beim Verlassen subtrahiert werden. Dies spart uns viel Schreibarbeit und wir können wieder neu auffüllen, ohne die gesetzlichen Vorgaben (derzeit maximal 100 Zuschauer - Anm. d. Red.) außer Acht zu lassen. Insgesamt ist es ein sehr großer personeller Aufwand und ich bin stolz auf alle Mitstreiter, sowohl im Vorstand als auch bei unseren ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Ohne sie wäre es nicht zu stemmen. .

Corona kommt auch in der Gruppenliga immer näher. Es gab Spielausfälle wegen Verdachtsfällen in Biedenkopf und Emsdorf, nun ist ein Spieler der SG »KOA« positiv getestet worden. Wie schätzen Sie die Lage bei steigenden Zahlen ein und wie lange kann man aus Ihrer Sicht den Spielbetrieb noch fortsetzen?

Wir werden dem Verband und dem Gesetzgeber folgen. Wir sind in unserem Verein und in unseren Orten nur ein Schnitt der Gesellschaft. Es gibt keinen hundertprozentigen Schutz. Es gibt immer mal den Überträger, den es trifft und wenn es ein Spieler von uns sein sollte, dann ist dem auch so. Wir versuchen im Umfeld der Mannschaft und für die Zuschauer eine größtmögliche Sicherheit zu erwirken. Aufgrund der steigenden Fallzahlen ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis jeder Verein von einem Corona-Fall betroffen sein wird. Wir hoffen, dass wir so lange wie möglich verschont bleiben und dass die Medizin weiterkommt.

Der Fußball muss aber auch unter regulären Bedingungen ablaufen. Die Regelung, wie bei den Handballern, ein Spiel bereits wegen etwaiger Bedenken abzusagen, halte ich nicht für gut. Dann hätte man von Beginn an sagen müssen, dass wir nur eine Spaßrunde spielen. Wenn mal ein Spiel ausfällt, dann ist das halt so. Ich habe aber die Hoffnung, dass wir die Runde unter den aktuellen Zahlen regulär zu Ende spielen werden.

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