04. August 2017, 18:22 Uhr

Im Kreis der Reserven

»Fußball hat nicht mehr Priorität«

Gegner sind Reserve-Mannschaften. Woche für Woche. Fast ausschließlich. Blau-Weiß Espa ist neben dem SV Echzell eine von nur zwei Erstmannschaften in der C-Liga - und kann gut damit leben.
04. August 2017, 18:22 Uhr
Das Gesicht des C-Ligisten Blau-Weiß Espa: Volker Rühl. Der 55-Jährige ist seit mehr als einem Vierteljahrundert Vorsitzender des Klubs aus dem Langgönser Orsteil. (Foto: Jaux)

Kaum ein Gäste-Anhänger begleitet seine zweite Mannschaft nach Espa, in den 700-Einwohner-Ortsteil der Gemeinde Langgöns. Die Blau-Weiß-Kicker sind in der Nord-Gruppe der Fußball-Kreisliga C Friedberg neben dem SV Echzell eine von nur zwei Erstmannschaften (immerhin sechs Erstmannschaften spielen in der Süd-Gruppe).

Wie der Verein damit umgeht, erklärt Volker Rühl. Der 55-Jährige ist seit mehr als einem Vierteljahrhundert Vorsitzender der Vereins aus dem Landkreis Gießen, der aber schon seit vielen Jahren im Fußballkreis Friedberg kickt und mit dem A-Liga-Aufstieg 2005 seinen größten Erfolg feiern konnte.

Volker Rühl, Ihre Mannschaft spielt - obwohl es acht Erstmannschaften in der C-Liga gibt - fast ausnahmslos gegen Reserven. Hat Espa einen Standort-Nachteil?

Volker Rühl : Man muss schon ehrlich sein. Erstmannschaften aus Bönstadt, Erbstadt oder Assenheim, wie sie in der Süd-Gruppe spielen, würden bei uns in Espa keinen Zuschauer mehr auf den Sportplatz locken. Das meine ich keinesfalls abwertend, denn umgekehrt ist das genauso, dort interessiert sich auch keiner für uns. Jetzt spielen wir eben mit Reserven aus Butzbach, Ostheim oder Fauerbach. Da kennt man vielleicht den einen oder anderen; und wenn die erste Mannschaft der Gäste spielfrei sein sollte, kommt vielleicht auch ein Interessierter mit zu uns. Und wir fahren doch als kleiner Verein auch lieber dorthin als einmal quer durch die Wetterau; egal, ob in der A-, B- oder C-Liga.«

In der Regel bringen Reserven allerdings keine eigenen Zuschauer mit.

Rühl: Das ist in der Tat so. Aber das Zuschauer-Interesse ist ja ohnehin überschaubar. Da überleben wir auch ohne die zehn, 15 Gäste-Zuschauer, von denen die Hälfte ohnehin irgendwelche Ausweise hat, um Spiele kostenlos zu sehen.

Wie motiviert man Spieler, für Espa zu spielen, wenn man Reserven zum Gegner hat? In diesem Jahr stellt der Klub statt zwei Teams nur noch eine Mannschaft.

Rühl: Wir haben keine eigenen Nachwuchs. Wer kicken möchte, der spielt als Jugendlicher in Nieder-Weisel oder Cleeberg. Und unsere Altgedienten sterben langsam aus. Im Vorjahr sind wir gerade noch mit zwei Mannschaften über die Runden gekommen. Deshalb stellen wir jetzt nur noch eine Mannschaft. Man muss auch klar erkennen, dass Fußball eben bei vielen nicht mehr Priorität hat. Da bekommt man auch schnell mal eine Absage, weil per WhatsApp mal eben was dazwischen kommt. Jetzt haben wir 21, 22 Leute, und die sollten das Ziel haben vorne mitzuspielen, gerade da wir mit Christian Rapp und Sven Pschierer zwei Verstärkungen bekommen haben. Und es spielt sich sicher auch leichter und mit mehr Motivation, wenn man Spiele gewinnt und vorne steht.

Wo steht Blau-Weiß angesichts der derzeitigen Entwicklung in fünf Jahren?

Rühl: Viele hatten uns doch schon bei der Vereinsgründung für tot erklärt, und wir leben heute noch. Der Verein wird sich sicher nicht auflösen. Ob wir aber noch im aktiven Bereich spielen werden, sei dahingestellt. Vielleicht gelingt es uns ja, den einen oder anderen guten Spieler nach Espa zurückzuholen und damit ein Zeichen zu setzen. Gute Jungs haben wir hervorgebracht, die spielen derzeit eben woanders. Wir haben eine tolle Anlage und wollen den Spielbetrieb aufrechterhalten, solange es geht.

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