21. Oktober 2019, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Muss sich personell etwas tun?

Drittes Spiel für die Gießen 46ers, dritte Niederlage in der BBL. Nach dem 81:93 in Bamberg warten die Mittelhessen trotz ordentlicher Leistung weiter auf den ersten Saisonsieg. Muss sich personell etwas tun?
21. Oktober 2019, 07:00 Uhr
Der Gesichtsausdruck der 46ers-Spieler (v. l.) Stephen Brown, Jordan Barnett und Luke Petrasek nach der Basketball-Bundesliga-Niederlage in Bamberg sagt alles. (Foto: © Daniel Löb)

Gießen 46ers


Wir haben eigentlich ganz gut gespielt«, sagte John Bryant. »Ich hab das Gefühl, dass wir gar nicht so schlecht waren«, meinte Ingo Freyer. Man mag weder dem Kapitän noch dem Cheftrainer der Gießen 46ers nach der Niederlage in Bamberg so richtig widersprechen, doch die Krux liegt eben darin: nach der Niederlage. Denn auch, wenn die Gießener in Bamberg verbessert agierten, zuverlässig ihre Würfe aus der Distanz trafen (11/19, 57,9 Prozent Dreierquote) und den Bambergern neunmal den Ball abnahmen: Noch immer warten sie auf den ersten Sieg seit April und den dritten seit Februar.

Fairerweise muss man sagen, dass sich die bisherigen vier Pflichtspielniederlagen (drei Ligaspiele, ein Pokal-Duell) in dieser Saison größtenteils erklären lassen: Zweimal hieß der Gegner Bamberg, einmal waren es die Crailsheimer, das Überraschungsteam der bisherigen Saison und von Samstag auf Sonntag sogar kurzzeitig Tabellenführer. Einzig die Niederlage gegen Aufsteiger Hamburg ist auch mit Abstand noch enttäuschend.

»Die Mannschaft hat sich gut verkauft, Moral und Wille gezeigt. Die Jungs brauchen das Gefühl der Wertschätzung. Wenn die Null bei den Siegen erst einmal gefallen ist, gibt es anderes Selbstvertrauen«, ist sich Heiko Schelberg, der Manager der 46ers sicher, betont aber zeitgleich auch: »Natürlich sind wir angefressen.«

Ein Problem der Gießener in dieser Saison? Der dünne Kader. Rechnet man Wayne Lohaus von den Rackelos, der gegen Crailsheim auf sieben Minuten kam, heraus, standen in dieser Saison bislang nur neun Spieler überhaupt für die 46ers auf dem Parkett, kein Spieler hat im Schnitt weniger als zwölf Minuten Einsatzzeit.

Zum Vergleich: Letztes Jahr stand der Kader bei Saisonbeginn bei zwölf Spielern, wenngleich Max Montana und Jeril Taylor frühzeitig das Team verließen und Jared Jordan erst in der Saisonmitte nach Gießen kam. Zwar stehen auch diese Saison mit Tim Köpple, Tim Uhlemann und Leon Okpara noch drei Doppellizenzler im Kader, sie spielen aber keine Rolle. Das diesjährige Konzept verhindert zwar, dass Akteure unzufrieden sind, weil sie lange auf der Bank sitzen, zeitgleich gibt es kaum Alternativen, wenn Spieler platt oder außer Form sind. Kommt es dann zu einer Situation wie in Bamberg, als Kendall Gray aufgrund eines Hexenschusses nur auf dreieinhalb Minuten Einsatzzeit kam und gleichzeitig mit Luke Petrasek ein weiterer großer Spieler außer Form war, kann kaum reagiert werden.

Dass zudem das Reboundduell mit 18:31 deutlich verloren ging, mag ein Fingerzeig dahin sein, dass den Gießenern ein weiterer Spieler auf den großen Positionen gut zu Gesicht stehen würde. Schelberg hingegen verweist auf den bestehenden Kader: »Wir haben mit Jordan Barnett einen Spieler, der noch nicht so angekommen ist, wie wir das erwartet haben, im Training zeigt er mehr, wir müssen ihm Zeit geben. Luke Petrasek hat sich letzte Woche im Training verletzt, war nicht bei 100 Prozent. Wir wussten erst kurz vor Spielbeginn, dass er überhaupt spielen konnte. Ich bin der Überzeugung, wenn jeder sein Potenzial abruft, sind wir auch in der Lage, Spiele zu gewinnen. Eine Nachverpflichtung ist kein Thema.«

Immerhin zeigte sich Bryant wieder besser in Form: »Ich bin jetzt bei 70, 80 Prozent«, schmunzelte er nach Spielende. Der Kapitän machte offensiv sein bestes Saisonspiel, kam auf 22 Punkte, je sechs Rebounds und Assists. Defensiv attackierten die Bamberger Gießens Center immer wieder im Pick-and-Roll und zeigten seine Schwächen auf. Die sind allerdings altbekannt - schon in Ulm und München war Bryant dort anfällig, sodass bei seiner Verpflichtung allseits bekannt war: Wer »Big John« holt, muss sich dafür etwas einfallen lassen. Dass Bryant dann im Schlussviertel noch siebeneinhalb Minuten mit vier Fouls agierte und sich dementsprechend in der Defensive zurückhalten musste, kommt erschwerend hinzu.

Fouls waren auch Thema bei Alen Pjanic: Der Gießener kassierte mit 6:01 Minuten Restspielzeit im dritten Viertel sein drittes Foul des Spiels. Acht Sekunden vergingen, ehe sein viertes Foul folgte - und noch einmal vier Sekunden danach Foul Nummer fünf und damit der Weg auf die Bank. Drei Fouls binnen zwölf Sekunden - im Nachgang wäre wohl auch Ingo Freyer froh gewesen, wenn er seinen Forward vorher auf die Bank geholt hätte.

Denn auch, wenn es gegen Bamberg »eigentlich ganz gut« aussah - der Druck steigt: Nächste Woche kommen die starken Oldenburger, danach geht’s zu den kaum minder stark gestarteten Braunschweiger, ehe Europapokal-Teilnehmer Vechta seine Visitenkarte in der Osthalle abgibt. Allerspätestens da zählt es, sagt Schelberg: »Gegen Oldenburg sind wir noch einmal Außenseiter, aber wir machen hier Ergebnissport - dann muss geliefert werden.«

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