21. Januar 2020, 07:00 Uhr

Gießen 46ers

Gießen 46ers: Noch-Geschäftsführer Schelberg über die Krise

Die Gießen 46ers sind nach der 85:88-Niederlage gegen Bonn im Abstiegskampf angekommen. »Es gibt nichts schön zu reden. Jetzt wird sich zeigen, wie alle zusammenstehen werden«, sagt Noch-Geschäftsführer Heiko Schelberg. Er warnt aber davor, in dieser Situation in Aktionismus zu verfallen.
21. Januar 2020, 07:00 Uhr
46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg ist bis zu seinem Abgang noch stark gefordert. FOTO: HF

Gießen 46ers


Bei den Gießen 46ers liegt einiges im Argen - sportlich und auf höchster Führungsebene. Das Basketball-Bundesliga-Team steckt im Abstiegskampf, Trainer Ingo Freyer steht in der Kritik, für Geschäftsführer Heiko Schelberg wird ein Nachfolger gesucht - und die Gesellschafter halten sich bei Fragen bedeckt. Da ist am heutigen Abend beim Neujahrsempfang des Clubs im Hofgut Dagobertshausen für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Nach dem 85:88 gegen Bonn stellte sich Noch-Boss Schelberg unseren Fragen - zu den Gründen seines Ausscheidens nach der Saison sowie zu einem möglichen Nachfolger wollte er sich aber nicht äußern.

Erneut waren am Samstag nach der vierten Niederlage in Folge Freyer-raus-Rufe zu hören. Der Unmut gegenüber dem Coach scheint größer zu werden. Wie gehen Sie als Geschäftsführer mit der aktuellen Situation um?

Wir sind in einer schwierigen Situation. Aber alle wissen, dass wir immer mit kühlem Kopf agiert haben - und das werden wir nun auch tun. Es kommen einige Parameter zusammen. Da fehlt auch manchmal das nötige Quäntchen Glück. Dann ist nicht jeder einzelne Spieler bei jedem Spiel bei 100 Prozent. Wir haben nur als Kollektiv eine Chance, unsere Spiele in der BBL zu gewinnen. Wir müssen das alles genauestens aufarbeiten und analysieren, um zu schauen, warum ist die eine oder andere Situation im Moment und in den letzten Wochen so, wie sie sich darstellt.

Wie sehen Sie die Leistungsträger John Bryant und Brandon Thomas, die in den letzten Wochen nicht das abgeliefert haben, was man von ihnen erwartet. Wird darüber mit Ihnen gesprochen?

Natürlich sind wir mit den Spielern im Austausch. Wer John Bryant und Brandon Thomas persönlich und privat kennt, weiß, dass sie ein 46ers-Herz haben. Sie machen das sicherlich nicht absichtlich. Aber klar: Wir brauchen sie jetzt mit 100-prozentiger Leidenschaft, Einsatz - mit allem, was sie haben und was sie auch abrufen können. So ist es im Profisport. Es gibt up and downs. Man darf aber auch nicht vergessen, was wir den beiden in den letzten Jahren zu verdanken haben. Das muss man immer in die Gesamtbewertung miteinfließen lassen. Ich finde es nicht in Ordnung, das an zwei Spielern festzumachen. Das wird den beiden nicht gerecht. Ganz im Gegenteil - dafür haben sie viel zu viele Spiele für uns gewonnen. Es müssen sich alle hinterfragen und jeder die Frage stellen: Wie kann ich noch mehr Prozentpunkte an Leistung herauskitzeln. Wir wissen, dass sie da sind. Wir haben das Spiel gegen Bonn nicht abgeschenkt, und man kann nicht sagen, dass die Mannschaft nicht wollte oder gegen den Coach gespielt hat oder dass man irgendwelche Risse gespürt hat oder dass irgendwas nicht zusammenpasst. So ist es nicht.

Was muss passieren, damit das Team aus der Negativspirale kommt?

Das Entscheidende wird sein, dass die Jungs an sich glauben und dass sie von uns den Zuspruch, den Mut, das Vertrauen geschenkt bekommen, dass sie wissen: Wir stehen hier weiterhin zusammen. Das war immer unsere Stärke - als gestärkte Familie. Es gibt gute Zeiten, es gibt schlechte Zeiten. Momentan haben wir eine suboptimale Zeit - und daraus werden wir uns rausarbeiten. Da bin ich mir ganz sicher.

Wird eine personelle Verstärkung in Betracht gezogen, die dem Team weiterhelfen kann?

Nochmals. Wir müssen der Mannschaft jetzt das Vertrauen schenken. Sie hat in der Saison schon verdammt gute Spiele gezeigt. Es wurde gefordert - verjüngt die Mannschaft, sorgt für mehr Athletik. Dem sind wir nachgekommen. In der letzten Saison wurde uns der Vorwurf gemacht - zu alt, zu bequem, zu lazy. Dann ist doch klar, wenn man nun auf junge Spieler setzt, dass sie erst einmal ankommen und ihre Leistungskontinuität finden müssen. Wenn man sieht, wie andere Clubs auch schwer in die Gänge gekommen sind, die aber über einen wesentlich höheren Etat verfügen. Da macht es doch gar keinen Sinn, hier in Aktionismus zu verfallen. Das war noch nie meine und unsere Philosophie. Und mit der sind wir in den vielen Jahren sehr gut gefahren. Und jetzt werden wir denen das Vertrauen schenken, die an Bord sind, von denen wir wissen, dass sie sich für die Gießen 46ers zerreißen. Aber wichtig ist, dass sie alle mal ihre 100 Prozent abrufen, dass die Mannschaft über das gesamte Kollektiv kommt, dass man sich gegenseitig pusht und den letzten Zentimeter, den letzten Schritt noch mal macht. Diesbezüglich kann man der Mannschaft gegen Bonn keinen Vorwurf machen, was das Thema Engagement und Leidenschaft angeht. Es macht keinen Sinn, in diesem Spannungsfeld nervös zu werden.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Basketball
  • Brandon Thomas
  • Gießen 46ers
  • Heiko Schelberg
  • John Bryant
  • Krisen
  • Wolfgang Gärtner
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 3 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.