22. Mai 2017, 18:11 Uhr

Fall Völler/Wells

Gießen 46ers – Wie Nahrungsergänzungsmittel verunreinigt sein können

Marco Völler und Cameron Wells von den Gießen 46ers sind wegen Dopings für drei Monate gesperrt worden. Ein verunreinigtes Nahrungsergänzungsmittel soll Schuld sein. Ist das möglich?
22. Mai 2017, 18:11 Uhr
Philipp_Keßler
Von Philipp Keßler
War ein verunreinigtes Produkt in einem Getränk die Ursache für den positiven Dopingtest von Marco Völler? (Symbolbild: dpa) (Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild))

Nicht nur Profisportler wie Marco Völler und Cameron Wells von den Gießen 46ers nehmen sie ein – mittlerweile sind Nahrungsergänzugsmittel zum Alltag vieler Menschen geworden. Zwei von drei Menschen haben laut einer Forsa-Umfrage im vergangenen Jahr welche konsumiert. Doch ist das sinnvoll? Und können diese verunreinigt sein, sodass ein Dopingtest wie bei Völler  und Wells positiv auffällt, sodass die beiden nun drei Monate gesperrt wurden.

Zunächst einmal: Nahrungsergänzungsmittel können sinnvoll sein. Das sagt zumindest Uwe Schröder vom Institut für Sporternährung in Bad Nauheim. Zwar seien die Deutschen im Durchschnitt gut mit Nährstoffen abgedeckt, doch es gebe Bevölkerungsgruppen, die nachhelfen müssten, um ihren Körper ideal zu versorgen. Dazu gehören auch Sportler - wie Marco Völler und die Basketballer der Gießen 46ers. Sportlern rät Schröder grundsätzlich zur Einnahme solcher Mittel nach einer individuellen Bedarfsprüfung.


Billig-Produkte aus Fernost verwendet?

Allerdings: Nicht alle Mittel sind ungefährlich. "Bedenklich sind verunreinigte oder zu hoch dosierte Produkte, die oft aus Fernost importiert werden. Hier heißt es: Finger weg! Bei namhaften deutschen Herstellern besteht diese Gefahr kaum", sagt Schröder, "im Sport besteht zudem die Gefahr der Kontamination mit dopingrelevanten Substanzen. Einen Schutz davor stellen die Produkte dar, die auf der sogenannten Kölner Liste genannt sind." Haben die 46ers also nicht streng genug darauf geachtet, welche Ergänzungsmittel eingenommen werden? Im Fall Völler und Wells, deren Urinprobe nach der Partie in Ludwigsburg am 11. Februar aufgefallen war, soll es sich um verunreinigte Getränke gehandelt haben. Völler sagte dazu: "Ich kann mir nicht erklären, wie es passiert ist. Einige Wochen nach dem Spiel habe ich erfahren, dass etwas Unerlaubtes in meinem Urin war. Bis zu den Verhandlungen versuche ich aufzuklären, worum es da geht. Und dann hoffe ich, dass es ein gutes Ende nimmt." Eine Entscheidung ist am Donnerstag gefallen: Völler und Wells sind drei Monate gesperrt worden.

Es gibt noch eine andere Möglichkeit: Verunreinigte Nahrungsergänzungsmittel auf dem deutschen Markt. Damit das verhindert wird, gibt es Benjamin Hucke und seine Kollegen vom Landesbetrieb Hessisches Landeslabor (LHL) in Kassel. Der staatlich geprüfte Lebensmittelchemiker untersucht Proben von neuen und alten Produkten. Denn Nahrungsergänzungsmittel sind rechtlich gesehen Lebensmittel, deren Zusammensetzung in einer speziellen Verordnung genau geregelt sind. Doch das heißt noch nichts, es gebe einige Grauzonen: "Zum Beispiel gibt es Stoffe, die wir von Arzneimitteln kennen, die aber in geringen Mengen auch in Nahrungsergänzungsmittel enthalten sein können", sagt Hucke. Liegt hier das Problem im Fall Völler und Wells?


Kontrollen – keine Zulassungspflicht

Zwar seien laut Hucke alleine im vergangenen Jahr rund 700 Mittel in Hessen geprüft worden, dennoch gebe es keinen Automatismus, da es keine Zulassungspflicht für Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland gebe. Der Hersteller müsse ein neues Produkt und dessen Etikett zwar schriftlich beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit anmelden, eine Überprüfung gebe es aber erst, wenn das Landeslabor von sich aus eine entsprechende Probe aus dem Handel anfordere.

Bei Hucke in Kassel wird dann untersucht, ob alle angegebenen Nährstoffe in den versprochenen Mengen enthalten sind, aber auch ob nicht-zulässige Stoffe verwendet wurden. Dann würden er und seine Kollegen eine Empfehlung abgeben. "Die Entscheidung darüber, ob ein Produkt verkehrsfähig ist oder nicht, wird jedoch bei den Vollzugsbehörden, also den zuständigen Ämtern für Veterinärwesen und Verbraucherschutz, oder von Gerichten getroffen", erklärt Hucke. Es scheint, als gebe es auch hier genug Raum für verunreinigte Mittel im deutschen Handel, die entweder gar nicht oder zu spät entdeckt wurden, sodass Völler und ein Teamkollege ins Raster der Dopingfahnder gerieten.

(Recherche: Eva Diehl/Martin Vogel)



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