06. Januar 2020, 07:05 Uhr

Basketball

Gießen 46ers eine einzige Enttäuschung

Das 65:81 der Gießen 46ers im Hessenderby der Basketball-Bundesliga ist entlarvend. Ab der ersten Minute scheinen die Fraport Skyliners mental bereiter für das Prestigeduell zu sein.
06. Januar 2020, 07:05 Uhr
Geprügelte Hunde nach der Nicht-Leistung im Hessenderby: Coach Ingo Freyer und die Spieler der Gießen 46ers. FOTO: KESSLER

Gießen 46ers


Nach dem traditionellen Huddle wendeten sich Trainerstab und Team der Gießener wie immer zu den mitgereisten Fans. Der in Rot gehüllte Block hielt mit seinem Unmut über die gezeigte Leistung und die auswärts neuerlich deklassierende 65:81 (16:26, 15:13, 18:23, 16:19)-Niederlage nicht hinterm Berg. Gut 300 Fans hatten sich auf den Weg nach Höchst gemacht. Dabei zielten die Gesänge zunächst in Richtung Coach Freyer. Dieser animierte sein Team daraufhin, geschlossen zu den Anhängern auf die Tribüne zu gehen - und marschierte voran. Auch dort wurden ihm nicht nur positive Worte entgegengebracht, um es diplomatisch auszudrücken.

So kam es, dass die Spieler nicht nur wie geprügelte Hunde in den Block schlichen, sondern in selber Manier wieder heraus. Freyer fand klare Worte und bemängelte die fehlende aggressive Grundeinstellung: »Da geht es dann gar nicht um den Gegner, was er kann und welche Stärken er hat. Da geht es um Körpersprache.«

Doch was hatte sich auf dem Parkett zugetragen - und was bedeutet das für die sportliche Großwetterlage des BBL-Clubs? Zunächst war es die dritte Niederlage in Folge für die Mittelhessen, die in der Tabelle damit in die Nähe der Abstiegszone rutschen. Gegen die gebeutelten Baskets Bonn muss in zwei Wochen ein Sieg her. Noch stehen die Magenta-Männer in der Tabelle hinter den 46ers. Die rote Laterne hält bislang der Mitteldeutsche BC in den Händen. Immerhin: Gegen diesen konnte Gießen das Hinspiel gewinnen. Und zudem gibt es in dieser Saison nur einen Absteiger.

Was das verlorene Derby angeht, so war es weniger die Niederlage selbst, die für Unmut sorgte. Enttäuschung erzeugte eher ihr Entstehen. Mit Ausnahme einer dominanten Phase im vierten Viertel, als die 46ers einen 19-Punkte-Rückstand in ein 60:65 drehten, war das Team chancenlos. »Derby ist das Stichwort, da kommt es auch auf Energie an und dass man mit Aggressivität spielt«, so Freyer.

Fünf Punkte des ansonsten etwas überdrehten Teyvon Myers hatten Gießen zum Ende des dritten Viertels zunächst wieder in Schlagdistanz gebracht (49:62). Den Skyliners, die erst am Donnerstag ein Spiel gegen Göttingen auszutragen hatten, ging kurzzeitig die Luft aus. Endlich stand die Gießener Verteidigung solide genug, um den Hausherren physisch wie psychisch auf Augenhöhe zu begegnen.

Als Myers mit viel Traute zum Korb zog, spektakulär ablegte und mit Karacho in die Bande krachte, stand der mitgereiste Fanblock wie eine Eins hinter seinem Team (53:62, 32.). Aus der zweiten Angriffswelle heraus ließ Jordan Barnett einen Dreier einfliegen. Vier Freiwurfpunkte gepaart mit einem versenkten Schuss aus der Halbdistanz durch Barnett markierten jenes 60:65, das sechs Minuten vor dem Ende die Wende zu versprechen schien.

Viereinhalb kompakte Minuten gegen solide, aber nicht überragende Frankfurter reichten aber nicht, um die Punkte aus der Ballsporthalle zu entführen. Im Prinzip über die gesamte Partie, aber vor allem im ersten Durchgang schenkten sie den Skyliners den Spielball nach Belieben her. Diese zwangen Gießen ein Spiel im Setplay auf. Die Ganzfeldverteidigung konnten die 46ers zwar meist überwinden. Ein flüssiges Passspiel in den Systemen wurde aber ein ums andere Mal von den Hausherren unterbunden. Frankfurt nutzte die generierten Ballgewinne für viele leichte Abschlüsse im Fastbreak. Vom 16:26-Rückstand nach dem ersten Viertel sollten sich die Lahnstädter nicht mehr erholen.

Erschwerend kam hinzu, dass sich die Gäste auch nicht auf ihren Dreipunktewurf verlassen konnten. Nur einer von zehn Versuchen wollte in der ersten Hälfte durch die Reuse flutschen. Zudem gingen die Skyliners defensiv beherzter zur Sache. Magere drei Fouls handelten sich die Mittelhessen in den ersten 20 Minuten ein. Das ärgerte auch Forward Alen Pjanic: »Bei so einem Spiel muss es drei Leute geben, die ausgefoult sind, sowie drei unsportliche und technische Fouls. Da muss man einfach zeigen, dass man den Sieg will. Das war in der ersten Hälfte nicht der Fall. Als wir härter gespielt haben, hat Frankfurter gezittert und kam aus dem Rhythmus.« Ein vermeintlicher Rempler des Youngsters gegen Akeem Vargas wurde in der 28. Spielminute mit einem unsportlichen Foul geahndet: die Initialzündung für den Zwischenspurt, der dann aber verpuffte.

Das Momentum wechselte nach einem Wahnsinnswurf von Adam Waleskowski wieder in Frankfurter Richtung. »Wir versuchten, schnell zu punkten. Von der Bank kam die Anweisung, nicht zu foulen. Aber es lief nichts mehr zusammen«, erklärt Pjanic, wie die Skyliners in den Schlussminuten auf 81:65 enteilen konnten. Der damit mutmaßlich verlorene direkte Vergleich ist eine weitere Hypothek, die die 46ers mit in die richtungsweisenden nächsten Januar-Wochen nehmen. Drei Heimspiele - darunter zwei gegen Teams aus dem unteren Tabellendrittel - stehen jetzt auf dem Programm.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Basketball
  • Basketball-Bundesliga
  • Fraport AG
  • Fraport Skyliners
  • Gießen 46ers
  • Sebastian Kilsbach
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 20 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.