Lokalsport

Gießen 46ers hoffen auf einen Coup in Bamberg

Schwierige Zeit für die Gießen 46ers, die sich in der noch jungen Saison nach den Pleiten gegen Crailsheim und Hamburg schon viel Kritik gefallen lassen müssen. Am Samstag in Bamberg wird es nicht einfacher für das Freyer-Team.
18. Oktober 2019, 07:00 Uhr
Wolfgang Gärtner
Attackieren und physisch dagegenhalten: Gießens Flügelspieler Alen Pjanic macht es im Pokalspiel gegen Bamberg vor, links John Bryant.	(Foto: Friedrich)
Attackieren und physisch dagegenhalten: Gießens Flügelspieler Alen Pjanic macht es im Pokalspiel gegen Bamberg vor, links John Bryant. (Foto: Friedrich)

Pfiffe und Buh-Rufe begleiteten die Gießen 46ers vergangenen Freitagabend beim Gang in die Kabinen. Nach dem 75:79 gegen Aufsteiger Hamburg machte sich bei vielen Fans Enttäuschung breit. Sicherlich auch ein Resultat aus den vielen verlorenen Spielen zum Ende der vergangenen Basketball-Bundesliga-Saison. Wenn man die ab dem März 2019 addiert, kommt eine Bilanz von 13 Niederlagen und zwei Siegen heraus. Ob sich die am Samstag um 18 Uhr in Bamberg verbessert, bleibt fraglich. Natürlich hoffen die Protagonisten auf eine Überraschung. Vor dieser stand die Gießener Mannschaft erst vor knapp drei Wochen in der Osthalle, als die Franken letztlich mit viel Glück 72:66 gewannen und in die zweite Runde des Pokals einzogen.

Status quo: Die Unmutsäußerungen der Fans sind nicht spurlos an der Mannschaft vorübergegangen. Ihnen gingen die Pfiffe sehr nahe. Das neuformierte Team muss sich noch finden, immerhin sind mit Kendall Gray und Stephen Brown zwei Spieler erst sehr spät zu den 46ers gestoßen. »Wir haben eine junge, talentierte Mannschaft. Wir müssen sehen, dass wir die PS auf die Straße bringen. Wir müssen der Mannschaft aber auch Rückhalt und Sicherheit geben. Was sie zu leisten imstande ist, hat sie in Phasen im Pokalspiel gegen Bamberg gezeigt«, konstatiert 46ers-Geschäftsführer Heiko Schelberg. Natürlich hofft er auf bessere sportliche Zeiten und den ersten Saisonsieg. Er gibt aber auch klipp und klar zu verstehen: »Es geht für uns ausschließlich um den Klassenerhalt.«

Personelles: Bjarne Kraushaar ist ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, wie er das bereits am letzten Freitag gegenüber dieser Zeitung erklärte. Der junge Playmaker hat seine Knöchelverletzung ausgeheilt. Seine Rückkehr wird dem Team guttun, denn er bringt sehr viel Struktur ins Spiel der 46ers. Natürlich wird sich das auch in der Rotation auf den kleinen Positionen auswirken. Brown braucht dann nicht mehr so lange auf dem Spielfeld agieren und hat dann möglicherweise mehr Konzentration, in der Crunch-Time abzuliefern. Kraushaar hat in den Tagen seines Mitwirkens einen guten Eindruck beim Coach hinterlassen: »Ich habe nicht gesehen, dass er zwei bis drei Wochen Pause gemacht hat - er hat wirklich gut trainiert.« Luke Petrasek knickte indes am Mittwoch im Training um und musste die Einheit abbrechen. Er sei dann aber anschließend ganz normal gegangen, sodass Freyer davon ausgeht, dass er seinen Powerforward am Samstag einsetzen kann. Freyer bescheinigte John Bryant zudem, dass er auf einem guten Weg ist. Bereits in guter Wettkampf-Verfassung präsentiert sich Alen Pjanic. Der variable Flügel zählte gegen Hamburg zu den stärksten Gießenern. Er sagt: »Wenn wir selbst physisch agieren und aggressiver als sie sind, bin ich mir sicher, dass wir diese Partie in Bamberg gewinnen können.«

Gegner: Zwei Siege, eine Niederlage. Das ist die Ausbeute der Mannschaft von Trainer Roel Moors in der BBL. 88:75 im Frankenderby in Bayreuth, mit minus vier gegen Berlin und mit plus drei beim MBC. Schrecken haben die Bamberger bisher noch nicht verbreitet. In der Champions League setzte es für die Oberfranken am Mittwochabend ein 71:91 beim tschechischen Serienmeister Nymburg. Vor allem die Anfangsphase verschliefen die Gäste von der Regnitz. Im ersten Viertel lief beim 11:30 nicht viel zusammen. Doch das Team bewies Moral und kämpfte sich bis auf 57:65 zurück (30.). Auffällig war Bryce Taylor, der von außen gut traf und letztlich 16 Punkte markierte, sowie Aufbauspieler Paris Lee. Zudem schloss sich gestern Retin Obasohan den Oberfranken an. Der 26 Jahre alte Comboguard spielte zuletzt in der G-League bei den Northern Arizona Suns. In der Saison 2017/18 stand er bei den Rockets Gotha unter Vertrag.

Das sagt Trainer Freyer: »Die Bamberger sind sehr tief besetzt. Das ist der größte Unterschied gegenüber uns: Sie haben zwölf Leute, wobei Maurice Stuckey dort der elfte Mann ist. Und dann weiß man schon, wow die haben Qualität. Ein weiteres große Plus ist ihre individuelle Qualität. Bamberg ist aber nicht die erfahrenste Mannschaft, deswegen kommen dann auch so Spiele wie gegen Nymburg zustande. Wir müssen den Ball kontrollieren und Fastbreaks spielen, wenn sich die Möglichkeit ergibt. Wir müssen aber auch Setplay und strukturiert spielen, um in Bamberg nicht zu viele Turnover zu produzieren. Und das Reboundduell müssen wir ausgeglichen gestalten.«

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