17. November 2019, 22:43 Uhr

Basketball-Bundesliga

Gießen 46ers mit unglaublichem Comeback

Was für ein Basketball-Abend in der Osthalle. Nach einer unterirdischen ersten Hälfte und einem 48:61 zur Pause führt Teyvon Myers die Gießen 46ers zum 98:95-Sieg gegen den Mitteldeutschen BC.
17. November 2019, 22:43 Uhr
Herausragend: Teyvon Myers hat beim 98:95-Sieg seiner Gießen 46ers über den Mitteldeutschen BC sehr oft Grund, sich zu freuen. (Foto: Friedrich)

Gießen 46ers


Teyvon Myers saß auf dem Hallenboden und grinste wie ein Lausbub. Er hörte genau hin, was ihm sein Teamkollege Bjarne Kraushaar ins Ohr flüsterte. Etwas schüchtern wiederholte er die Worte durchs Mikrofon. Der Basketball-Profi der Gießen 46ers stimmte die »Humba« an, das Siegerritual, das in der Sporthalle Gießen Ost in letzter Zeit Seltenheitswert hatte. Am Samstagabend erklang es erst zum zweiten Mal in dieser Bundesliga-Saison. Dass Myers den Vorsänger gab, war selbstverständlich. Nicht nur, weil er mit den 23 Punkten der Topscorer der Gießener beim 98:85-Sieg im Kellerduell gegen den Mitteldeutschen BC war. Myers war mit einer spektakulären Vorstellung vor allem derjenige, der nach einer indiskutablen ersten Hälfte die dringend benötigte Energie aufs Parkett brachte und damit den Fans und Kollegen den Glauben an den Erfolg schenkte.

Dass dieser Basketball-Abend noch ein Happy-End für die Gießener nehmen würde, daran war nach der ersten Hälfte nicht zu denken gewesen. Unfassbare 61 Punkte kassierten die 46ers in den ersten 20 Minuten und präsentierten sich in der Verteidigung alles andere als bundesligatauglich. Gegen das Pick and Roll des MBC sahen die Mittelhessen ein ums andere Mal schlecht aus, und vor allem der in Gießen geborene Benedikt Turudic setzte die Akzente. Der schnelle und wendige Center, der am Ende auf 23 Punkte und sieben Rebounds kam, war von 46ers-Veteran John Bryant nicht zu halten, und dessen Backup Kendall Gray brachte das Kunststück fertig, dass er in der ersten Hälfte binnen 47 Sekunden drei Fouls sammelte. »Die konnten machen mit uns, was sie wollten. Wir haben nirgendwo geholfen und einfach schlecht verteidigt«, blickte Kraushaar mit Grauen auf die erste Halbzeit. Angetrieben von seinem neuen und an der Linie sehr engagierten Trainer Björn Harmsen zog der MBC davon, lag nach einer zwischenzeitlichen 17-Punkte-Führung im zweiten Viertel (48:31) zur Pause mit 61:48 vorn. Den 46ers drohte ein Desaster - die Stimmung auf den Rängen war unterkühlt, die Hoffnung auf eine Wende bei der Mehrheit der 3247 Zuschauern gleich Null.

Doch aus der Kabine kamen die Gießener wie verwandelt. »Wir sind in der zweiten Halbzeit so aufgetreten, dass wir das Spiel unbedingt gewinnen wollten«, sagte Gießens Trainer Ingo Freyer hinterher erleichtert. In der Defense präsentierte sich seine Truppe ganz anders. »Wir haben dem MBC in der zweiten Halbzeit inside alles weggenommen. Deshalb haben wir auch ein paar Steals mehr gehabt. Das war am Ende der Schlüssel«, meinte der Coach, der - wie Kraushaar verriet - in der Pause laut geworden war. Mit viel mehr Intensität, einer anderen Körpersprache und endlich auch mit Team-Basketball im Angriff verunsicherten die Mittelhessen die Weißenfelser zusehends. Mit einem 7:0-Lauf starteten die Hausherren in die zweite Hälfte, zu dem Zugang Matt Tiby fünf Punkte beisteuerte. Der Powerforward hatte etwas überraschend in der Startformation gestanden, gab ein ordentliches Debüt und zeigte nach nur drei Tagen in Mittelhessen, dass er eine echte Verstärkung werden kann.

Als Jordan Barnett per Dreier in der 27. Minute den 72:72-Gleichstand erzielte, sprangen die 46ers-Fans begeistert auf und brachten Leben in die Bude. Einem Tollhaus glich die Osthalle wenig später, nachdem Brandon Thomas die Gießener beim 78:76 (31.) zum ersten Mal nach dem 5:4 in Führung gebracht hatte.

Angeführt von Energiebündel Myers, der furchtlos zum Korb ging, die Kugel von außen versenkte und zudem sieben Assists verteilte, zogen die Gießener bis auf 86:81 (35.) davon. Sie mussten aber bis zum Ende um den Sieg zittern. Myers war es schließlich, der vorne erst einen Freiwurf zum 98:95 versenkte und dann zwei Sekunden vor der Schlusssirene den Dreierversuch von Weißenfels Kaza Kajami-Keane blockte. Der Rest war grenzenloser Jubel.

»Das Einzige, was zählt, ist, dass wir gewonnen haben. Alles andere ist mir scheißegal«, atmete Freyer hinterher tief durch. Mit dem zweiten Saisonsieg gegen den Vorletzten haben sich die Gießener etwas Luft verschafft und auch das nötige Selbstvertrauen gewonnen, das ihnen in den letzten Begegnungen gefehlt hatte. »Dieser Erfolg war enorm wichtig für uns, auch für den Kopf«, meinte Myers nach der Begegnung. »Dieser Sieg pusht uns ungemein«, sagte sein ebenfalls überzeugender Kollege Alen Pjanic. Hoffentlich hat er Recht. Denn am Samstag soll bei der BG Göttingen, die in Hamburg den zweiten Saisonsieg geholt hat, der nächste Erfolg gefeiert werden.

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