24. Mai 2019, 16:00 Uhr

Fußball

»Immer einer mehr als der Gegner«

Erneut hat sich die TSG Wieseck als einziger Amateurverein der Fußball-Regionalliga Süd der C-Junioren behauptet. Wieseck geht damit nun bereits in die vierte Saison.
24. Mai 2019, 16:00 Uhr
Die C-Junioren der TSG Wieseck haben Geschlossenheit bewiesen und durch Tabellenplatz zehn den Klassenerhalt in der Regionalliga Süd gesichert. (Foto: Friedrich)

Verrückt ist das Wort, das den Klassenverbleib der C-Junioren der TSG Wieseck in der Fußball-Regionalliga Süd charakterisiert. »Dass wir immer noch in dieser Liga sind und nun in die vierte Saison gehen, ist verrückt«, meint Abteilungsleiter Deniz Solmaz. Der Teamgeist und Trainer Rene Möbus haben es möglich gemacht. Der habe gearbeitet »wie ein Verrückter«.

Letztlich hat die TSG wieder einmal vermeintliche Grenzen, die durch finanziellen Background vorgegeben sind, verrückt. Die Stuttgarter Kickers und den SV Sandhausen ließen die Wiesecker mit 19 Zählern als Zehnter der Zwölfer-Liga letztlich hinter sich. Als einziger Amateurverein in dieser Liga behauptet sich Wieseck zwischen Größen wie VfB Stuttgart, TSG Hoffenheim oder Eintracht Frankfurt. Trainer Rene Möbus weiß aber, dass die schwere Saison auch kritische Folgen für sein Team hätte haben können.

Haben Sie damit gerechnet, erneut die Regionalliga mit Teams wie Stuttgart, Hoffenheim oder Frankfurt halten zu können?

Rene Möbus: Mich haben vor der Saison viele gefragt: Warum tust du dir das an? Aber ich habe akribisch am Kader gebastelt, bin viel herumgefahren, um zu scouten, und habe Spieler aus der Gruppen- und Kreisliga geholt. Ich wusste, dass wir Zeit brauchen, am Anfang war es hart. Nach sieben Niederlagen zu Beginn wusste ich, dass wir gegen die Stuttgarter Kickers und Wehen Wiesbaden schon Endspiele haben. Wenn wir anfangen zu punkten, war klar, dass etwas drin ist, weil man nicht weit weg war.

Abteilungsleiter Deniz Solmaz sagt, dass das Team individuell schlechter besetzt sei als jeder andere Süd-Regionalligist.

Möbus: Das ist auf jeden Fall so. Mit der Zeit haben sich ein, zwei Spieler herauskristallisiert. Jan Wontka, den ich in der Winterpause von der Innenverteidigung auf die Acht gezogen habe, hat nicht nur Tore erzielt, sondern auch eine hohe körperliche Präsenz gezeigt. Die Jungs, die aus der Kreisliga kamen, haben sich super entwickelt. Aber insgesamt ging es nur über den Teamgeist. Bei Störfaktoren innerhalb der Mannschaft haben wir Spieler gehen lassen. Das ist ohnehin meine Philosophie: Stellt sich ein Spieler über die Mannschaft, trennt man sich.

Inwiefern würden Sie die Ansicht von Deniz Solmaz teilen, dass man den Nachwuchsleistungszentren mit dem Klassenerhalt bewiesen hat, dass Geld nicht über alles entscheidet?

Möbus: Man muss mehr tun als die NLZ. Ich bin fertig und echt platt nach dieser Saison. Da steckt viel Arbeit dahinter. Unser Motto, das uns durch die Spielzeit getragen hat, war: Wir machen immer einen mehr als der Gegner: Sei es eine Übung, ein Laufweg oder ein Kopfball mehr. Es war natürlich auch ein Anreiz für die Spieler, gegen solche Topteams zu bestehen.

Inwiefern ist es für die Entwicklung der Spieler, die aus der Kreisliga kommen, förderlich, dass man teils hoffnungslos unterlegen ist und immer am Limit spielt?

Möbus: Fest steht, dass jeder Spieler besser geworden ist. Der positive Lerneffekt hat eingesetzt, dank der Wende unserer Ergebnisse. Wären diese ausgeblieben, dann wäre das nicht gesund für die Entwicklung der Spieler gewesen. Wenn du in der Schule immer wieder hörst: Na, schon wieder verloren? ist das nicht toll. So aber hat die Liga den Spielern geholfen.

Es dürfte auch ein Anreiz für die Spieler sein, sich Woche für Woche für andere NLZ zu empfehlen.

Möbus: Als Trainer versucht man, Druck wegzunehmen. Wenn die Jungs sich bei namhaften Vereinen besonders viel vorgenommen haben, ging es meistens eher schief. Das ist auch gefährlich, wenn der Individualismus gefördert wird. Es geht einfach darum, alles zu geben und sich auf die Leistung zu konzentrieren.

Abschließend: Warum war es aus Ihrer Sicht wichtig, dass man die Klasse in der Regionalliga Süd gehalten hat?

Möbus: Es ist wichtig für die Entwicklung der Spieler, sie müssen über sich hinauswachsen. Aber das wird nicht jedes Jahr gut gehen. Und dann ist die Frage, ob diese Liga bei Niederlagenserien für die Entwicklung der Spieler so gut ist. Grundsätzlich ist es für den Verein aber ein Mega-Imagegewinn. Wir bekommen in der Vorbereitung Testspiele gegen Schalke 04 oder Bayern München.

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