Lokalsport

Kapitän der Gießen 46ers entscheidet harten Kampf

Das 92:90 der Gießen 46ers in Crailsheim war der zweite Sieg im zweiten Spiel. Der entscheidende Mann war ein Spieler, dessen Einsatz kurz vor Beginn der BBL-Partie noch in den Sternen stand.
03. Oktober 2018, 22:23 Uhr
Martin Vogel
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Benjamin Lischka legt beim Sieg der Gießen 46ers in Crailsheim gegen Philipp Neumann ab, rechts Matchwinner John Bryant. (Reinhard)

Ob John Bryant nach seiner Verletzung im Spiel gegen den MBC am Sonntag gegen Crailsheim mitwirken könnte, war ungewiss, doch vor dem Tipoff sagte Trainer Ingo Freyer: »Er wird starten, dann werden wir sehen, wie es geht.« Und es ging gut: Mit dem 2,11-Meter-Koloss unter dem Korb starteten die 46ers brandheiß, netzten in den ersten zwei Minuten drei Dreier bei ebensovielen Versuchen ein und zwangen die Crailsheimer beim 16:5 schon nach dreieinhalb Minuten zur ersten Auszeit.

Kampfsport in der Zone

Doch es waren nicht die Distanzschützen, es war vor allem Bryant, den keiner stoppen konnte: Oftmals wurde der Gießener gedoppelt, teilweise sogar mit drei Gegenspielern attackiert. Nach dem Spiel grinste er: »Ich habe unserem Physio gesagt, eigentlich müsste ich in einen MMA-Käfig und da trainieren. Das ist so physisch wie Kampfsport da unten in der Zone!« Es nützte den Hausherren allerdings wenig: Bereits nach zwölf Minuten auf dem Parkett hatte der Center bereits ein Double-Double auf dem Konto stehen.

Den Vorsprung hielten die Gießener bis zur Halbzeitpause konstant aufrecht, gingen mit einem zweistelligen Vorsprung in die zweite Hälfte. Nach dem Seitenwechsel aber gelang es den Hausherren vor 2813 Zuschauern dank ihrer guten Distanzwerfer, den Rückstand zu verkürzen und sich Punkt um Punkt wieder an die 46ers heranzukämpfen – und Mitte des dritten Viertels sogar die Führung zu übernehmen (64:63, 26.). Erst mit der Sirene brachte Max Landis die Mittelhessen wieder mit 74:73 in Führung.

Bryant leichtfüßig

In der Schlussphase wurde es dann hektisch: Landis versuchte zu Beginn der Schlussminute, aus der Ecke per Distanzwurf den Sack zuzumachen, verwarf aber. Joe Lawson räumte den Gießener Guard unsanft aus dem Weg – nach Ansicht der Schiedsrichter aber bereits nach Abschluss der Wurfbewegung, sodass keine Freiwürfe folgten. Im Gegenzug netzte Frank Turner zum 90:90-Ausgleich ein. Auf 46ers-Seite war nun klar, wer den Ball bekommen müsste: John Bryant. Leichtfüßig tanzte der Koloss durch die Zone, schickte einen Hakenwurf zum 92:90 auf die Reise und wurde dabei gefoult: Mit 17,2 Sekunden auf der Uhr der Matchball für die Gießener, den Bryant mit einem Urschrei feierte.

Einzig: Der Bonusfreiwurf drehte eine Runde auf dem Ring und fiel dann wieder hinaus. Plötzlich hatte Crailsheim die Chance, mit einem erfolgreichen Dreier wieder in Führung zu gehen. Zwar nutzen die 46ers die noch vorhandenen Teamfouls, 3,1 Sekunden vor dem Ende hatte Turner aber mit zwei Freiwürfen die Möglichkeit, das Spiel wieder auszugleichen. Spätestens als der erste Schuss von der Linie aber nur hinten auf den Ring klatschte und wieder ins Feld sprang, entspannten sich die 46ers wieder ein wenig. Den zweiten Schuss setzte Crailsheims Pointguard absichtlich auf den Ring, doch Ex-Merlin Benjamin Lischka griff sich den Fehlwurf und sorgte so für die Party nach Spielende im Gießener Block – bei der der Höhepunkt, die Humba, erstmals von 46ers-Manager Heiko Schelberg angestimmt wurde.

Coach Freyer erleichtert

Ingo Freyer war nach Spielende sichtlich erleichtert: »Ich weiß, wie es ist, als Aufsteiger, mit dem eigenen Publikum im Rücken. Dann auch noch dieser wahnsinnige Spielstil, der unheimlich schwer zu verteidigen ist. Teilweise ist es uns gelungen, wie bei Madgen und Rush. Aber wenn dann Lawson sieben von acht und Cuffee fünf von sechs Dreiern treffen, damit haben wir nicht unbedingt gerechnet. Deswegen bin ich unheimlich froh, dass wir unseren ersten Auswärtssieg geholt haben.«

Am Sonntag Pokal in München

Für Gießens Kapitän Bryant war der Erfolg auch ein Triumph der Einkaufspolitik in diesem Sommer: »Das ist eine Sache der Erfahrung. Wir haben vergangenes Jahr viele enge Spiele verloren, weil uns das gefehlt hat, das haben wir in dieser Saison verändert.«

Die nächste Hürde ist für die Gießener ebenfalls mit einer großen Herausforderung verbunden: Am Sonntag geht es im reformierten BBL-Pokal auswärts beim Titelverteidiger und deutschen Meister FC Bayern München um den Einzug in die nächste Runde. Für Bryant allerdings gilt: »Wir wollen einige Leute überraschen!«

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