17. Juli 2020, 16:00 Uhr

Basketball

Kohls Reise über den großen Teich

Das Abitur in der Tasche - und dann ab in die weite Welt. Davon träumen viele Jugendliche. Für die 19-jährige Charlotte Kohl geht nicht nur dieser Wunsch in Erfüllung.
17. Juli 2020, 16:00 Uhr
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Von Svantje Merker-Gärtner
So wird Charlotte Kohl auf der Homepage der Mississippi State University vorgestellt. FOTO: VOGLER/HAIL STATE PRODCUTIONS

Wenn die Schule beendet ist, dann stellt sich vielen Absolventen die Frage - was nun? Das war auch bei der Basketballerin Charlotte Kohl aus Grünberg so. In den beiden letzten Jahren fiel die Hobbyreiterin wegen einer Knieverletzung aus. Jetzt hat die ehemalige Theo-Koch-Schülerin, ihre Leistungskurse waren Deutsch und Englisch, ein Vollstipendium der Mississippi State University erhalten. Sie geht für vier Jahre zu den Bulldogs, so der Name ihres neuen Basketball-Teams, und nimmt ein Psychologie-Studium auf. Ihre Zugehörigkeiten zu verschiedenen Auswahlmannschaften (Hessenkader Jahrgang 1999 und 2000, Kader der U16- und U18-Nationalmannschaft, U18 3x3-Nationalmannschaft 2017 EM-Quali in Riga) waren dabei neben den Zweitligaeinsätzen und der Empfehlung des Grünberger Headcoaches am Basketball-Internat, René Spandauw, tolle Referenzen. Das BTI Grünberg wird erneut seinem Anspruch als erfolgreiche Ausbildungsstätte für leistungsorientierten Basketball gerecht. Kira Barra, Ama Degbeon, Henriette Gahmig, Michaela Kucera und Marie Reichert spielten in Grünberg und bekamen in den letzten Jahren ebenfalls Stipendien in den USA.

Ab wann hatten Sie die Idee, zum Studium in die USA zu gehen? Wann wurde das ein konkreter Wunsch?

Die Idee kam mir 2018, in meinem ersten Verletzungsjahr. Da habe ich mir irgendwann die Frage gestellt, was ich nach dem Abi machen möchte. So richtig ausgesprochen habe ich den Wunsch, aufs College zu gehen, erst letzten Sommer, da ich mir davor immer nicht richtig sicher war, wie sich meine Knieverletzung entwickeln wird. Aber als ich dann zum zweiten Mal operiert werden musste, habe ich mir gedacht, dass ich es jetzt einfach mal versuchen muss, da ich dann auch schon in meinem Abschlussjahr an der TKS war.

Was sagen Ihre Eltern und Ihre Schwester zu der Entscheidung?

Meine Eltern waren zuerst nicht ganz so überzeugt von meiner Entscheidung. Sie waren vor allem besorgt, dass die Belastung zu groß für mein Knie sein wird und der Sprung in die USA einfach aufgrund der Verletzung für mich zu groß sein könnte. Auch von Trump und der Handhabung der USA mit der aktuellen Corona-Situation sind sie nicht begeistert. Trotzdem unterstützen sie mich natürlich bei meiner Entscheidung, schließlich ist das mein Traum. Paula unterstützt mich auch. Sie freut sich schon darauf, mich irgendwann in den USA besuchen zu können und mich bei meinen Begegnungen anzufeuern.

Nach zweijähriger Verletzungspause haben Sie dieses Angebot bekommen. Seit wann sind Sie wieder im Training? Haben Sie sich zwischenzeitlich anderweitig sportlich betätigen können?

Ich habe ja ungefähr zwei Jahre Reha bei Dirk Lösel und im Körperkonzept bei Antje Vetter gemacht. Außerdem bin ich sehr viel joggen gegangen. So langsam ins Basketballtraining bin ich erst im März eingestiegen. Mittlerweile mache ich wieder komplett im Training mit.

Wie und wann ist der Kontakt zur Mississippi State University zustande gekommen? Warum gerade diese Uni?

Ich habe mich letzten Sommer mit meinen Eltern und René Spandauw zusammengesetzt, um meinen Wunsch, ans College zu gehen, zu besprechen. René hat 2019 auch schon einer ehemaligen Mitspielerin von mir (Marie Reichert, Anm. d. Red.) geholfen, an die Old Dominion University (ODU) zu gehen, daher wusste ich, dass er mir sicher auch helfen könnte. Er hat mich dann mit den Coaches von Old Dominion in Verbindung gesetzt. Ich habe viel mit Headcoach Nikki McCray-Penson und Associated-Headcoach Keith Freeman gesprochen und hatte immer ein gutes Gefühl dabei. Es sah also danach aus, dass ich auch an die Old Dominion University gehen werde. Letztlich kam dann doch alles anders, da Coach McCray-Penson den Job als Headcoach an der Mississippi State University angenommen hat und somit der ganze Coachingstaff nach Mississippi wechselte und mich fragte, ob ich mir nicht auch vorstellen könnte, für Mississippi State zu spielen. Ich habe mich also dann für Mississippi State, vor allem wegen den Coaches entschieden. Ich hatte einfach immer ein gutes Gefühl, wenn ich mit ihnen gesprochen habe.

Haben noch andere Unis/Colleges Interesse bekundet und eventuell auch ein Stipendium angeboten, sodass Sie auswählen konnten?

Ich habe neben Mississippi State und ODU noch mit der University of Wisconsin gesprochen. Da kam es aber nie so weit, dass sie mir ein Stipendium angeboten haben, da ich mich dann relativ schnell für Mississippi State entschieden habe. Außerdem hatte ich auch nicht wirklich viele Angebote, da viele Universitäten, aufgrund meiner Verletzung, kein Risiko mit mir eingehen wollten und es so nie zu Gesprächen kam.

Manchmal können sich die künftigen Stipendiaten vorher die Unis ansehen und die Bedingungen vor Ort kennenlernen. War das bei Ihnen vor der Corona-Pandemie auch vorgesehen beziehungsweise waren Sie vorher schon einmal vor Ort?

Ich hatte wegen Corona nicht die Chance, nach Starkville zu reisen und mir alles mal anzuschauen. Vorgesehen war eigentlich, dass mich Coach Freeman im März besucht und ich dann auch danach in die USA reise und mir den Campus anschaue.

Wann starten Sie in die USA?

Das weiß ich leider noch nicht. Ich brauche erst mal ein Visum, was sich aufgrund von Corona als schwierig herausgestellt hat.

Warum haben Sie Psychologie gewählt? Welches Studienfach wäre eine Alternative gewesen?

Die Studienfachwahl hat sich als etwas schwierig herausgestellt, da man in den USA alles Mögliche studieren kann, aber das meiste hier nicht anerkannt wird. Viele Studiengänge, die an meiner Uni angeboten werden, haben aber auch nicht zu meinen Interessen gepasst. Meine Uni ist bekannt für ihre agrarwissenschaftlichen Studiengänge. Letztlich habe ich mich dann für Psychologie entschieden, da ich das Fach interessant finde, ich gerne mit Menschen zusammenarbeite und es vor allem auch gut finde, dass Psychologie später viele Möglichkeiten in unterschiedlichen Berufsfeldern ermöglicht. Leider wird auch Psychologie nicht komplett in Deutschland anerkannt. Ansonsten wäre Englisch noch eine Möglichkeit, da ich, wenn ich in nicht in die USA gegangen wäre, Lehramt studiert hätte, am liebsten für Haupt-und Realschule in den Fächern Englisch, Deutsch und Arbeitslehre.

Wie können Sie aktuell Ihr neues Team kennenlernen?

Wir haben jeden Montag Teambuilding-Videokonferenz, um uns besser kennenzulernen. Die Vorfreude steigt dadurch natürlich auch.

Welchen Plan B hatten Sie für den Fall, dass es mit dem Studium und Basketball in den USA nicht geklappt hätte?

Dann hätte ich Lehramt studiert und hier in Deutschland weiter Basketball gespielt und versucht, im nächsten Jahr rüber zu gehen. Aber einen Plan B hatte ich eigentlich nicht so richtig, da ich eigentlich nicht hierbleiben wollte.



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