30. November 2017, 16:00 Uhr

Podiumsdiskussion

Mehr Rücksicht auf Athleten

Unter der Leitung von Ex-ZDF-Moderator Wolf-Dieter Poschmann wurde am Sonntag im Gießener Uni- Hauptgebäude die Frage diskutiert: »Welchen Leistungssport wollen wir an Hochschulen?«
30. November 2017, 16:00 Uhr
Im Uni-Hauptgebäude diskutierten Experten am Sonntag über die Zukunft des Leistungssports an Hochschulen. (Foto: sno)

Der Name ist etwas sperrig und auch die Podiumsdiskussion hatte einige abstrakte Ansätze – und doch spielt der Allgemeine Deutsche Hochschulsportverband (adh) eine bedeutende Rolle im deutschen Sport, gleichzeitig präsentierte die von Ex-ZDF-Moderator Wolf-Dieter Poschmann geleitete Diskussionsrunde viele wichtige Ideen. Der adh hatte zur Vollversammlung nach Gießen geladen und die Podiumsdiskussion vor rund 200 geladenen Gästen drehte sich am Sonntag um die Frage: »Welchen Leistungssport wollen wir an Hochschulen?«

Unmissverständlicher Wunsch zusammengetragen

Ein unmissverständlicher Wunsch ließ sich bei allen verschiedenen Ansätzen zusammentragen: Ein anderes Verständnis für Leistungssport ist erstrebenswert. »Wollen wir Erfolg um jeden Preis?«, fragt Sylvia Schenk, ehemalige Präsdentin des Bundes Deutscher Radfahrer in Gießen. »Der Athlet sollte im Fokus stehen. Sauberer und für Athleten gerechter – das muss der Ansatz sein. Tatsächlich aber steht in der Spitzensportreform: Für das gleiche Geld 30 Prozent mehr Medaillen«, meint Schenk. »Das kann man ja fast nur als Aufforderung zum Doping verstehen.«

Ein wichtiges Thema war die Frage, wie man studierenden Leistungssportlern das Leben erleichtern kann – »das schulden wir den Studenten, die wir um die ganze Welt schicken, um Deutschland zu vertreten«, sagte Hessens Innenminister Peter Beuth. Schließlich erklärte Sarah Köhler, dreifache Medaillengewinnerin im Schwimmen bei der Sommer-Universiade: »Von uns wird gefordert, dass wir absolute Profis sind – da noch eine Hochschulkarriere mit einzubinden, ist sehr schwer.« Sie befindet sich in der Regel jeden morgen zwischen sechs und sieben Uhr im Schwimmbad, danach geht sie Uni-Verpflichtungen nach, ehe von 16 bis 19 Uhr die nächste Trainingseinheit ansteht.

Duale Karriere nur angerissen

Wie die duale Karriere zu managen sei, wurde zumindest angerissen. Köhler, Studentin in Heidelberg, fasst zusammen: »Man würde den studierenden Spitzensportlern helfen, indem man ihnen die Anwesenheitspflicht nimmt, Klausuren individuell handhabt, Nachhilfe bzw. Nachholen von Inhalten ermöglicht und einen flexiblen Stundenplan erstellen lässt.« Die Justus-Liebig-Universität Gießen hilft unter anderem mit der Auswahlmöglichkeit von 105 Partnerhochschulen.

Ein weiteres Thema der Diskussionsrunde war die oft überhöhte Bedeutung von Medaillen und die unterschätzte Bedeutung von Werten, die im Sport entstehen und beibehalten werden. Der Erwartungsdruck sei (zu) groß. »Bei einer Unversiade herrscht eine ganz andere Stimmung als bei einer EM oder WM. Das ist viel entspannter«, sagte Köhler. Zwar gehöre Leistung zum Spitzensport nun mal dazu, der extreme Fokus auf Medaillen aber sei verkehrt, meinten alle sechs Diskussionsteilnehmer: »Beim Bankencrash hat auch jeder festgestellt: Wenn man die Banker nur mit Boni motiviert, braucht man sich nicht wundern. Im Sport ist es nicht viel anders«, sagte Sylvia Schenk. Es müsse ein anderes Verständnis entstehen: »Ich muss nicht dopen, um Fördergelder zu erhalten«, erklärte David Storek, Vorstandsmitglied vom adh.

Kein einheitlicher Doping-Kampf

Dem Thema Doping wurde vor allem am Ende der Diskussionsrunde viel Aufmerksamkeit geschenkt. Während Schenk überzeugt die Meinung vertrat, dass »wir in Deutschland keinen einheitlichen Anti-Doping-Kampf haben«, erklärte Leistungsschwimmerin Köhler: »Beim Trainingslager in Spanien wurden 20 Sportler auf einmal kontrolliert. Eigentlich dürfen sie ab dem Moment der Bekanntgabe bis zur Probe nicht aus den Augen gelassen werden. Das ist nicht passiert. Wenn die Kontrollen in anderen Ländern auch so ablaufen, habe ich Zweifel am sauberen Sport.«

Wolfgang Hillmann, Präsident des Deutschen Hockeybundes, machte schließlich noch auf einen weiteren interssanten Aspekt aufmerksam. Die Hockey-Nationalmannschaft der Herren, 2008 und 2012 Olympiasieger, bestehe nur aus Studenten und sei vor allem deshalb so erfolgreich, »weil wir die U16-EM eben nicht mitmachen, sondern die Zeit für die Ausbildung nutzen.«

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