27. April 2020, 12:05 Uhr

Mit Riss und Biss

Bodenständig, ehrgeizig, physisch. So könnte man Benjamin Seim, den Trainer des TV/VfR Groß-Felda, beschreiben. Seit Oktober 2018 ist er im Amt - und die Feldataler machen weiter mit ihm. Nach schlimmen Verletzungen will es der 33-Jährige aber auch als Spieler noch mal wissen.
27. April 2020, 12:05 Uhr
Benjamin Seim bleibt dem TV/VfR Groß-Felda auch über die aktuelle Saison hinaus als Spielertrainer erhalten. FOTO: VOGLER

Der TV/VfR Groß-Felda pflegt mit viel Akribie seine Facebook-Seite. Derzeit stellen die Feldataler Fußballer ihre Mannschaft vor: Vorbilder, Lieblingsverein, Hobbys - alle paar Tage ist ein anderer Spieler dran. Unterbrochen wird das ganze nur von Olaf Thon, der der Anhängerschaft des A-Liga-Achten am 1. April als neuer Trainer vorgestellt wurde. Ein Foto zeigt den ehemaligen Star des FC Bayern München zusammen mit TV/VfR-Supporter Michael Schneider, der in der skurrilen Geschichte den Co-Trainer gibt. Eingefleischte »Fealler« dürften sofort bemerkt haben, dass es sich um einen Aprilscherz handelte, hat doch die Mannschaft einen Coach, der wie kein Zweiter zu ihr und zum Verein passt. Dieser Tage einigte man sich mit Benjamin Seim, der im Herbst 2018 die Position übernahm, erneut auf eine Zusammenarbeit über die Saison hinaus.

Seim will weiterhin als spielender Coach für seinen Verein aktiv sein. Das dürfte nach drei schweren Verletzungen aber nicht so leicht werden. »Ich habe den Biss und will das noch mal probieren«, sagt der 33-Jährige. Einem Kreuzbandriss im rechten Knie (Oktober 2016) folgte ein Riss des Syndesmosebands im linken Knöchel (März 2019), ehe im vergangenen Oktober auch die Syndesmose im rechten Knöchel in Mitleidenschaft gezogen wurde. Aber Seim sagt von sich selbst, dass er reha-erfahren sei. Mit viel mentaler und physischer Kraft - sowie mithilfe der Therapie beim Wettenberger Dirk Lösel - kämpfte sich der Fußballer immer wieder zurück.

Wie alle anderen hängen die Feldataler Kicker derzeit in der Luft und müssen warten, bis ein geregelter Trainings- oder gar Spielbetrieb möglich ist. Druck aufbauen, Trainingspläne verschicken oder andere Vorgaben sind derweil nicht das Ding von Seim. »Wir stehen auf Platz acht in der Liga. Nach oben und unten geht nicht mehr viel. Die Luft war ein bisschen raus«, erklärt er. »Ich überlasse es den Spielern, sich eigenverantwortlich fit zu halten, aber ich bin begeistert, wie aktiv die meisten sind.« So gibt es etwa Challenges über fünf Kilometer in der Whatsapp-Gruppe. Ein Spieler teilt seine Zeit mit und nominiert zwei andere. Ziel ist es, unter 21 Minuten zu kommen.

Seim selbst macht natürlich auch mit, setzt aber für sich eher auf Stabilisation und Reha. Und er hat ein Auge auf die ebenfalls angeschlagenen Kicker und kümmert sich darum, dass die »das richtige Equipment« haben.

Dem Thema Corona steht er pragmatisch gegenüber. »Ich halte die Abstände und die Regeln der Behörden ein. Wenn ich die Jungs sehe, muss ich mich immer selbst daran erinnern, dass ich eben jetzt niemanden mit Handschlag begrüßen oder gar in den Arm nehmen kann«, erzählt der Coach, dessen zweites Hobby ebenfalls durch Corona erschwert wird. Ein bisschen geht aber.

Benni Seim ist Gittarist in einer Metalband. Ein wenig singt er auch. Die sieben Freunde nennen sich »Phelix Rising« und stehen kurz vor der Fertigstellung ihres ersten Albums. Gemeinsame Proben sind derzeit natürlich nicht möglich. »Aber mixen und mastern geht«, erklärt der 33-Jährige, der sich dazu nur mit dem Produzenten treffen muss. Ab Mai soll das Album bei diversen Streamingdiensten abrufbar sein.

Die B-Lizenz soll es sein

Wenn es irgendwann auf den Fußballplatz zurückgeht, hat Seim eines fest im Visier: die Trainer-B-Lizenz. Dieses Vorhaben stand schon zuletzt auf seiner Agenda, wurde durch die Krise aber gestoppt. So oder so: der junge Coach lässt einen »physischen und leidenschaftlichen Fußball« spielen, »aber nie ohne Plan«. Er selbst fühlt sich als Innenverteidiger oder im zentralen Mittelfeld am wohlsten.

Seine Verbundenheit zu Groß-Felda drückt sich nicht zuletzt auf den Facebook-Seiten der Fußballer aus. Als Lieblingsverein nennt Seim dort »Knuts Hut Club«. So heißt der örtliche Faschingsverein. »Ich mag es, wie dieser Verein lebt, wie sich die Leute engagieren, was sie auf die Beine stellen.« Was er selbst noch auf die Beine stellt, dürfte man im Vogelsberg gespannt verfolgen.

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