22. Juli 2020, 16:00 Uhr

Handball

Razen verspürt keinen Druck

Nach sieben Jahren ist Schluss: Michael Razen verlässt den TSV Lang-Göns, der sich zudem in die Bezirksoberliga zurückzieht. Seine neue Station führt ihn in die Wetterau zur TG Friedberg.
22. Juli 2020, 16:00 Uhr
Michael Razen verlässt den TSV Lang-Göns nach sieben Jahren und wird neuer Trainer des Wetterauer Landesligisten TG Friedberg. (Archivfoto: Friedrich) (Foto: KONLE_M)

Sie wollten ihn schon lange - und nun hat er endlich zugesagt: Michael Razen wird neuer Trainer des Wetterauer Handball-Landesligisten TG Friedberg, nachdem er zuvor sieben Jahre beim Ligakonkurrenten TSV Lang-Göns gewesen war und dort eine Ära prägte. Der TSV zieht sich nach etlichen Spielerabgängen nun in die Bezirksoberliga zurück.

Razen wird demnächst mit Friedberg auf alte Bekannte aus dem Kreis Gießen treffen. Die HSG Lumdatal, die HSG Hungen/Lich, die HSG Lollar/Ruttershausen, die Hüttenberger »Zweite«, die HSG Linden und die TSF Heuchelheim spielen 2020/21 allesamt um Landesliga-Punkte. Im Interview verrät der er 43-Jährige nicht nur, wie es zu seinem Wechsel kam.

Herr Razen, wie kam der Wechsel von Langgöns nach Friedberg zustande?

Zwischen den Jahren hatten wir mit Langgöns gesprochen. Da gab es von beiden Seiten die Bereitschaft, auch in der neuen Saison den Weg gemeinsam weiterzugehen. In der Folge haben wir fünf Siege eingefahren, bis mir dann mitgeteilt wurde, dass der Verein anderweitig plant. Das ist völlig okay, denn ich kann nachvollziehen, dass der Verein etwas Neues machen will. Ich selbst hatte überlegt, eine Pause einzulegen, aber mich hat die Hartnäckigkeit der Friedberger beeindruckt, die in den vergangenen Jahren immer mal wieder angeklopft hatten. Außerdem habe ich auch für mich gemerkt, dass ich Lust habe, weiterzumachen, zumal mir auch das Konzept der TG Friedberg mit der Jugendarbeit sehr gut gefällt.

Drei Spieler kommen mit Ihnen nach Friedberg, weitere verlassen den TSV Lang-Göns. Wie hängt das zusammen?

Zum Zeitpunkt der Trennung hatten bereits vier Spieler dem Verein abgesagt, infolge dessen kamen noch einige hinzu. Wenn so viele gute Spieler auf dem Markt sind, wäre es fahrlässig, sich als Verein nicht darum zu bemühen, so wie das die TG getan hat. Daraufhin ergab sich auch der Wechsel von Sascha Weigel sowie von Philipp und Patrick Engel, die sich ein Engagement in Friedberg gut vorstellen konnten. Die Wechsel sind aber unabhängig von mir und meiner Entscheidung gewesen. Ob die vielen Abgänge insgesamt auch mit meiner Person zusammenhängen, kann ich nicht sagen. Letztlich waren es Entscheidungen Einzelner.

Ehrt es Sie als Trainer, dass Ihnen drei Spieler folgen, oder überwiegt die Traurigkeit, dass nun sieben Jahre Arbeit in Langgöns zunichte sind?

Ich habe Langgöns in einer ähnlichen Situation übernommen, in der sich der Verein jetzt befindet. Michael Hopp und ich haben damals einen Neuanfang gestartet und die Mannschaft dorthin geführt, wo sie zuletzt war. Das ist natürlich schade, dass diese sieben Jahre innerhalb von sechs Wochen auseinanderfallen. Das tut auch ein Stück weit weh, weil der TSV zu einer zweiten Familie für mich geworden ist. Aber es war vielleicht auch ein Versäumnis des Vereins, zu spät mit Spielern zu sprechen. Deshalb hoffe ich jetzt, dass der Verein sich in der Bezirksoberliga findet und zurück in die Spitze oder gar in die Landesliga findet. Zum anderen ist es für mich schön zu sehen, dass einige Spieler den Weg mit mir gehen. Das ist eine gewisse Wertschätzung für mich als Trainer und als Mensch.

Sie wechseln zu einem Verein, der bei regulärem Saisonverlauf wohl abgestiegen wäre. Wie wollen Sie das nun verhindern?

Ich hätte die Friedberger auch in der Bezirksoberliga übernommen, da die Verantwortlichen meiner Meinung nach die richtigen Schlüsse aus dieser Saison gezogen haben, in der sie den Weg nur mit jungen Spielern gehen wollten. Deswegen haben wir uns ja auch auf gewissen Positionen um die Verstärkung bemüht, um jungen Spielern eine gewisse Stabilität und Sicherheit an die Seite zu stellen. Das ist jetzt meiner Meinung nach ein guter Weg, ein schlagkräftiges Team für die Landesliga zusammenstellen.

Von Friedberger Seite waren Sie seit mehreren Jahren der Wunschkandidat als Coach. Erzeugt das Druck bei Ihnen?

Es war mit ein Grund für den Wechsel, dass die Friedberger in den vergangenen Jahren immer mal bei mir durchgeklingelt haben - und dieses Jahr hat es gepasst. Das Ziel muss sein, sich weiter in der Klasse zu etablieren, womit der Verein in den vergangenen Jahren immer etwas Schwierigkeiten hatte. Ich gehe dennoch entspannt an meine neue Aufgabe heran und freue mich einfach auf das, was kommt.

Dazugehört aber vielleicht auch die inzwischen fast TG-typische Zitterpartie zum Ende der Saison…

Das stimmt natürlich (lacht). Das habe ich in den vergangenen Jahren immer verfolgt. Das hat es dem Verein von der Planung her sehr schwer gemacht, deshalb werden wir zusehen, dass wir das nächstes Jahr umgehen können.

Der Wechsel in die Wetterau bringt eine weniger dichte Handball-Landschaft mit sich. Was erwarten sie?

Ich erwarte gerade im Bereich Zuschauer mehr Zuspruch, das war bei unseren Auswärtsbegegnungen in Friedberg schon immer so. Ich habe selbst zwei Jahre bei der SU Nieder-Florstadt gespielt, habe in Friedberg gearbeitet und kenne die Wetterauer Mentalität durchaus - das wird also für mich alles gar nicht so ganz neu, auch wenn es sicherlich einen Tick anders ist als im Gießener Raum.

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