18. Juni 2020, 16:00 Uhr

Wilfried Jäger

Reiskirchens Reiter-Unikat feiert 80. Geburtstag

Der 80-jährige Jubilar Wilfried Jäger lebt für den Pferdesport. Einst arbeitete er mit Olympiasieger Hans Günter Winkler zusammen.
18. Juni 2020, 16:00 Uhr
Geburtstagsüberraschung am Montag: Wilfried jäger (blaues Hemd) wird in Reiskirchen von Pferdefreunden beehrt. C. JÄGER

Ein Leben für und mit Pferden: Seit weit über 70 Jahren ist der in Reiskirchen lebende Wilfried Jäger dem Reitsport verbunden. An seinem 80. Geburtstag am vergangenen Montag wurde der Jubilar von zahlreichen Pferdefreunden und ehemaligen Weggefährten in Reiskirchen überrascht - gefeiert wurde im Familienkreis um Ehefrau Karin, seinen drei Kindern und den sechs Enkelkindern.

Als »besten Reiter aus Hessen« lobte der mehrfache Olympiasieger Hans Günter Winkler den Mittelhessen, der auf einem Bauernhof in Grüningen aufwuchs und schon in der Kindheit mit der Zucht von Arbeitspferden konfrontiert wurde: Auf dem Feld mit den Pferden arbeiten, im Anschluss auf den Tieren nach Hause reiten.

Die Stute Liebchen war sein erstes eigenes Pferd, im Alter von 16 Jahren nahm Wilfried Jäger erstmals an einem Turnier im Jugendspringen teil. Fünf Jahre später war er Mitglied des Hessenteams. Schon im Kindesalter sein großes Vorbild: Hans Günter Winkler. 1962 wurde der große Traum wahr: Der Mittelhesse fällt dem Olympiareiter bei einem Turnier in Herborn auf. Winkler lädt den jungen Reiter aus dem Pohlheimer Stadtteil nach Warendorf ein - für sechs Wochen auf Probe Beireiter im Deutschen Olympiade-Komittee für Reiterei. Aus dieser Probezeit wurden zwei spannende Jahre. Wilfried Jäger spricht heute noch mit großem Respekt vor Winkler: Es habe immer Zucht und Ordnung geherrscht, die Arbeit habe ihm reiterlich unheimlich viel gebracht.

Für zehn Mark Tagegeld und in einfachen Unterkünften untergebracht, machte er von morgens bis abends nichts anderes als reiten, reiten, reiten. Acht bis zwölf Pferde je Tag. Jäger war für die jungen Pferde Winklers zuständig. Und der prominente Reiter ist begeistert von Jäger, wie aus einem früheren Interview herauszulesen ist: »Ich erinnere mich noch gut an diesen ruhigen, seriösen Mann. Wilfried Jäger gehörte zu den besten deutschen Nachwuchsreitern dieser Zeit und war mein Schüler. Die hessische Reiterei war zu dieser Zeit weit fortgeschritten und mit sehr guten Reitern bestückt. Der Beste aus diesem Bundesland war Wilfried Jäger«.

Jäger startete nicht nur bundesweit auf Turnieren, in Bremen, Köln oder Iserlohn, sondern fuhr auch ins Ausland in die Niederlande, um junge Pferde vorzustellen. Reiterlich ging es steil bergauf. Bei den Deutschen Meisterschaften 1967 in Berlin erritt er mit Andorra den 14. Platz. Mit dieser Stute siegte er in mehreren S/B-Springen.

Jägers Erfolge kamen ohne die Finanzierung durch Sponsoren aus und basierten auf der Ausbildung eigener Pferde. Als Parcourschef war er stets ein gefragter Mann.

Nach der Hochzeit 1968 mit Ehefrau Karin beschlossen beide, ihr gemeinsames Leben dem Sport zu widmen. Der Pferdeliebhaber konzentrierte sich auf die Ausbildung von Reiter und Pferd. Er gab bundesweit Lehrgänge, unterrichtete die Kaderreiter und wandelte den Bauernhof seiner Eltern zum Pferdebetrieb mit Boxen und Reithalle um. Unterstützt wurde er dabei von seiner Frau Karin. Auch die Kinder Andrea, Daniela und Carsten saßen schon im Sattel, bevor sie laufen konnten.

Nach dem Unglück begleitet Wilfried Jäger heute seine sportlichen Enkel

1983 zog die Familie Jäger nach Reiskirchen, wo sie eine große Reitanlage im Gewerbegebiet erworben hatte. Der Hof, mitten in Grüningen gelegen, war zu klein geworden. Auch den Kindern lag das Springtalent im Blut, alle waren im Springsport bis zur schweren Klasse S erfolgreich. Aus diesem Anlass schraubte der Familienvater seine eigenen sportlichen Ambitionen zurück.

In Reiskirchen übernahm Jäger den Vorsitz des Reit- und Fahrvereins Reiskirchen, den er bis heute innehat. Zuvor stand er bereits an der Spitze des Reit- und Fahrvereins Grüningen, beauftragt auch mit den Turnierleitungen.

2007 verunglückte er bei Dachreparaturen auf der Anlage schwer. Nach mehrwöchigem Koma, vielen Operationen und einer langen Rehaphase wurde die Reitanlage verkauft. Heute sind die Eheleute dankbar, dass sie bei guter Gesundheit nach wie vor ihr Hobby genießen können. Sie begleiten ihre sechs Enkelkinder bei sportlichen Aktivitäten, begleiten die älteste Tochter Andrea auf Turnieren - und ab und zu steigt der stets bescheiden gebliebene Jäger auch selbst noch aufs Pferd.

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