06. September 2019, 16:05 Uhr

Basketball

Schwierige zweite Saison

Vor einem Jahr aus der ProA aufgestiegen, schrieb Rasta Vechta in der letzten Saison eine der schönsten Cinderella-Storys der Geschichte der Basketball-Bundesliga. Auch in der neuen Spielzeit?
06. September 2019, 16:05 Uhr
Der Vater des Erfolges in Vechta - Trainer Pedro Calles. In der neuen Spielzeit bleibt abzuwarten, ob der letztjährige Aufsteiger erneut für Furore sorgen kann. (Foto: dpa)

Das zu wiederholen wird ein schwieriges Unterfangen. Der glänzenden Stimmung am Standort tut das aber keinen Abbruch - man freut sich auf die zweite Spielzeit im Oberhaus.

Die Lage: »Rasta ist der geilste Club der Welt« - so das Motto des letztjährigen Überraschungsteams. Die Euphorie ist auch drei Monate nach den Playoffs nicht verflogen. Wer mag es Vechta verdenken? Nach den Bundesliga-Aufstiegen 2012 und 2016 stieg man jeweils postwendend wieder ab. Erst Calles, der zu ProA-Zeiten nur Co-Trainer der Norddeutschen war und nach der Zweitliga-Meisterschaft überraschend Doug Spradley beerbte, fand die richtige Mixtur. Er formte eine Einheit, die im Viertelfinale trotz massiver verletzungsbedingter Ausfälle Bamberg zu Fall brachte. Der Lohn: Die Teilnahme an der Champions League. Der Preis: Fast alle Leistungsträger inklusive dem Neu-Münchner T.J. Bray wechselten zu finanzstärkeren Vereinen.

Das Team: Auch der mannschaftsinterne Topscorer und ehemalige 46ers-Akteur Austin Hollins verabschiedete sich in Richtung St. Petersburg. Erhalten blieben Max DiLeo und der in Gießen aufgewachsene Robin Christen - zwei deutsche Spieler, die sich in den Playoffs zu Führungsfiguren mauserten, in der Vorbereitung aber verletzungsbedingt fehlten. Auch Josh Young und Martin Kessens hielten Rasta die Treue. Aus Spaniens erster Liga kommt Sergi García - ein talentierter Comboguard. Kamari Murphy wechselt aus der G-League nach Vechta und tritt in die Fußstapfen von Seth Hinrichs, der nun in Ulm unter Vertrag steht. »Seine Beweglichkeit und sein Einsatzwille sind hervorstechend«, lobt Calles den neuen US-Amerikaner. Bereits über Europaerfahrung verfügt der aus Italiens zweiter Liga kommende Trevis Simpson, ein athletischer Shootingguard.

Der Trainer: Pedro Luis Calles Porres, so sein voller Name, wurde nicht ohne Grund zum Trainer des letzten Jahres gewählt. Neben einem ausgezeichneten Händchen bei der Teamzusammenstellung fügten sich neue und alte Teile des Kaders nahtlos in sein System: Sollte ihm das erneut gelingen, ist ihm ein Denkmal vor dem Rasta Dome gewiss. Charakterlich gehört der in Córdoba geborene Basketball-Lehrer zu den ruhigeren seiner Zunft. Hospitieren wird mit Derrick Allen ein BBL-Dauerbrenner. Der US-Amerikaner beendete nach 477 Bundesligaspielen seine Karriere und bereitet sich in Vechta auf eine Karriere als Coach vor.

Die Problemzonen: Ganzfeldpresse, gedoppelte Gegenspieler, hart bedrängte Big Men: Vechtas Defensive bescherte manchem BBL-Team Höllenqualen. So generierte man die meisten Steals und konnte nach Fastbreaks leichte Punkte erzwingen. Das kostet aber Kraft und erfordert viel Disziplin. Auf beides konnte Calles bauen. Wer siegt, ist auch bereit in der Abwehr die dafür erforderlichen Extraschritte zu machen. So pushte sich der Halbfinalist von einem Erfolg zum nächsten, sprach DiLeo von »einem großartigen Defensiv-System« und äußerte sich dankbar, Teil desselben gewesen zu sein. Doch was passiert, wenn zu Saisonbeginn nicht nur in der Liga die Erfolge ausbleiben, sondern auch vielleicht zermürbende Champions-League-Niederlagen in Athen, Jerusalem und Banvit folgen? Die Doppelbelastung kann zum X-Faktor werden, wenn die Neuzugänge nicht einschlagen.

Das Teampotenzial: Gleichzeitig fängt Rasta nicht bei null an. Neben den bereits erwähnten Christen und DiLeo blieb auch Youngster Philipp Herkenhoff erhalten. Der 20-Jährige war in den Playoffs über sich hinausgewachsen. Comboguard Yosh Young, der mit Vechta bereits in die BBL aufgestiegen war, sowie Michael Kessens komplettieren die Vorjahres-Achse. Ob die Neuverpflichtungen qualitativ für ähnliche Entzückung sorgen wie im Vorjahr, bleibt ungewiss. Klar ist aber, dass der Kleinstadt-Club mit einer Elf-Mann-Rotation in das Europapokal-Abenteuer startet. Letztes Jahr bestand die Kernrotation oft aus nur acht Akteuren.

Die Prognose: Vechta steht ein schwieriges zweites Jahr ins Haus. »Meine Vorstellung davon, wie wir in der kommenden Saison spielen werden, wird sicher nicht sonderlich von meiner Philosophie des Vorjahres abweichen«, deutete der Übungsleiter an. Desto besser können sich die anderen Vereine darauf einstellen. Frühe Siege sind Gold wert. Mit Ulm, Alba Berlin und Oldenburg wartet aber gleich zu Beginn das Who’s who des deutschen Basketballs auf die Rastaner.

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