21. Februar 2020, 12:00 Uhr

FC Gießen

So ist der FC Gießen für das Projekt Klassenverbleib gerüstet

Unabhängig der finanziellen Rettungsvrsuche des FC Gießen beginnt am Samstag das schwere Projekt Klassenerhalt in der Fußball-Regionalliga Südwest. Wir geben zum Start den Überblick.
21. Februar 2020, 12:00 Uhr
Johannes Hofmann (am Ball) und Cem Kara starten morgen gegen den TSV Steinbach Haiger in die Restrunde. VOGLER (Foto: Oliver Vogler (Sportfoto Oliver Vogler))

Die Situation für Daniyel Cimen, den 35-jährigen Trainer des FC Gießen, könnte im Februar 2020 wahrlich angenehmer sein: Der Fußball-Regionalligist befindet sich finanziell weiterhin im Schwebezustand, derzeit rangiert der FC zudem auf einem Abstiegsplatz und muss mindestens fünf Zähler auf den nächstplatzierten Kontrahenten aufholen.

Cimen aber nimmt diese Situation an, wie er im Gespräch mit dieser Zeitung glaubhaft versichert: »Es ist eine Herausforderung - daran wächst man, auch im Leben, auch als Mensch. So muss das jeder im Verein, in jeder Position, nun sehen: Es ist eine Herausforderung, aber mit der neuen Führung ist es auch eine Chance.« Das Wichtigste sei: »Ganz egal, wie der sportliche Erfolg am Saisonende aussieht, der FC Gießen muss weiterleben. Der Verein muss weiterbestehen, nicht in der C-Klasse, sondern in der Hessen- oder Regionalliga.«

Am 27. Februar sollen bei einem Sponsoren-Meeting auf dem Schiffenberg (18 Uhr) weitere Geldgeber überzeugt und gefunden werden. Der kommissarische Geschäftsführer Markus Haupt sagte am Mittwoch: »Uns fehlt die Gewissheit, dass wir die restliche Saison finanziell abgesichert sind. Dazu brauchen wir weiterhin die Unterstützung der heimischen Unternehmen.«

14 Spieltage hat der FC Gießen sportlich zudem Zeit, sich auf einen sicheren Nichtabstiegsplatz in der Regionalliga Südwest zu hieven. Die Mannschaft habe sich mit der Ungewissheit arrangiert, wie Cimen erklärt: »Die Mannschaft schafft es, wenn es Richtung Sportplatz geht, den Rest auszublenden.« Das sei auch zwingend notwendig, denn: »Wir müssen in jedem der restlichen Spiele am absoluten Limit sein. Wenn wir an das anknüpfen können, was wir vor der Pause gezeigt haben, können wir noch einmal herankommen.«

Vor dem Restrundenstart an diesem Samstag beim Aufstiegskandidaten TSV Steinbach Haiger (14 Uhr) beleuchten wir die aktuelle Konstellation des heimischen Viertligisten und ziehen ein Fazit der Winter-Vorbereitung.

Das Fazit der Vorbereitung: Viele Tore, viele Gegentore. Addiert man alle Testspieltreffer, kommt man im Schnitt auf 4,4 erzielte Tore und 2,75 Gegentore pro Spiel. »Wir wollten uns in puncto Torchancen kreieren verbessern«, sagt der FC-Trainer. »Da haben wir entsprechende Systeme getetest und gemerkt, dass wir damit auch anfälliger für Gegentore sind. Das bezieht sich auf die Dreierkette oder die offensive 4-4-2-Version mit Raute. Man muss allerdings differenzieren: Von den 13 Gegentreffern gegen Elversberg (1:7) und Alzenau (2:6) entstanden mindestens sechs durch krasse individuelle Aussetzer.«

Die Mannschaft sei häufig müde in die Testspiele gegangen. »Das war von uns gewollt. Wir haben gemerkt: Wir müssen in der Liga immer an unsere Grenze gehen. Wenn wir erfolgreich waren, mussten wir einen hohen Laufaufwand betreiben. Deshalb wollten wir da ein paar Prozente draufpacken und ich glaube, konditionell haben wir einen echten Fortschritt gemacht.«

Ob die Gegentorflut in den Testspielen gegen die Regionalligisten also wirklich an der fehlenden Frische lag, wird sich morgen beim Tabellendritten TSV Steinbach Haiger zeigen.

Die personelle Situation vor dem Start am Samstag beim TSV Steinbach Haiger:

Ärgerlich ist der Ausfall von Stürmer Dimitrios Ferfelis, der in den letzten beiden Ligaspielen vor der Winterpause traf und in Form zu kommen schien. Er wird mit einer Schultereckgelenkssprengung planmäßig vier bis sechs Wochen fehlen. Ähnlich lange wird es bei Mittelfeldakteur Nico Rinderknecht dauern (Haarriss im Knöchel). Außenverteidiger Andrej Markovic wird mit seinem Bluterguss in der Wade nach dem Samstag wieder eine Option sein. Zu den Winter-Abgängen Noah Michel und Kevin Nennhuber sagt der Trainer: »Beide hatten sehr viele Spielzeiten und waren absolute Leistungsträger. Beide hatten ihre Gründe, die wir verstehen und akzeptieren.«

Die Neuzugänge Pezzoni und Konate-Lueken sind noch nicht bei 100 Prozent

Der Leistungsstand der Neuzugänge: Mit dem 30-jährigen Kevin Pezzoni kam ein prominenter potenzieller Innenverteidiger-Ersatz für Nennhuber. Pezzoni bestritt einst 80 Erstligaspiele für den 1. FC Köln und wurde in der Winterpause im Zuge des Trainerwechsels bei den Offenbacher Kickers aussortiert. Cimen, der schon vor der Saison Kontakt mit Pezzoni hatte, sagt: »Man sollte ihm nicht zu viel aufbürden. Er übernimmt von Natur aus Verantwortung, gibt Kommandos, hat im Training direkt mit den Spielern gesprochen. In Offenbach hat er in den Spielen, die ich gesehen habe, gezeigt, dass er noch ein sehr guter Innenverteidiger ist. Ich hoffe, dass er die Rolle von Kevin Nennhuber einnehmen kann, aber er ist konditionell noch nicht bei 100 Prozent.« Auf die Frage, ob der Transfer angesichts der bereits verfügbaren Jure Colak, Vaclav Koutny, Sascha Heil und Samuel Sesay notwendig war, antwortete Cimen: »Die Basis für den Erfolg war zuletzt die Defensive gewesen. Wir haben bzw. hatten das Problem, dass die angesprochenen Innenverteidiger bis auf Vaclav Koutny nicht durchgehend zur Verfügung standen oder stehen. Kevin ist auf unsere Bedingungen eingegangen, er kennt die Regionalliga, bringt viel Erfahrung mit. Wir sind froh, dass er da ist.«

Der zweite Winter-Neuzugang, der 24-jährige Flügelspieler Manuel Konate-Lueken, kam vom insolventen RW Erfurt nach Gießen und ist bekannt aus Hessenligazeiten bei Bayern Alzenau. »Mit ihm haben wir einen flexiblen Spieler gewonnen, der defensiv wie offensiv auf beiden Außenbahnen spielen kann«, sagt Cimen. Aber auch ihm merkt man an, dass er in Erfurt keine komplette Vorbereitung hatte. Zwischenzeitlich hatte das Team dort eine Woche frei, um sich über Probetrainings bei anderen Vereinen zu empfehlen. Er braucht noch ein wenig.«

Daniyel Cimens Bekenntnis zum Verein: Auch wenn sein bis 2021 datierter Vertrag nur für die Regionalliga gilt und beim Abstieg in die Hessenliga derzeit kein Kontrakt bestehen würde, sagt der Trainer: »Ich glaube nach wie vor an das Potenzial dieser Stadt und des Vereins. Trotz der kräftezehrenden Zeit bin ich jeden Tag gerne hier - das wird sich auch, wenn ich hier nicht mehr angestellt sein sollte, nicht ändern. Ich habe hier viele Freunde kennengelernt. Gießen wird für mich mittlerweile immer eine Bedeutung haben.« Sein Traum: »Klassenerhalt, Hessenpokal-Sieg und damit Qualifikation für den DFB-Pokal. Wenn das alles eintritt«, sagt Cimen lachend, »wird es im Sommer auch einen schönen Urlaub geben.« FOTO: HF

Schlagworte in diesem Artikel

  • 1.FC Köln
  • FC Giessen
  • Fußball
  • Fußball-Regionalliga Südwest
  • Rot-Weiß Erfurt
  • Steinbach
  • Steinbach (Haiger)
  • Sven Nordmann
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 43 - 10: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.