27. November 2019, 12:00 Uhr

Handball

TV Hüttenberg beschwört während Verletztenmisere den Teamgeist

Beim gebeutelten Handball-Zweitligisten stellen sich die angeschlagenen Hüttenberger Akteure in den Dienst der Mannschaft. Auch mit dem Risiko, sich erneut zu verletzen.
27. November 2019, 12:00 Uhr
Ob Moritz Lambrecht, Moritz Zörb, Mario Fernandes, Johannes Klein oder Markus Stegefelt (v. l.) - kaum ein Hüttenberger bleibt in dieser Saison von Verletzungen verschont. Foto: Vogler

TV 05/07 Hüttenberg


Dass die Saison 2019/20 für den TV 05/07 Hüttenberg in der 2. Handball-Bundesliga nicht leicht wird, war schon im Sommer klar. Die Abgänge der langjährigen Säulen Fabian Schomburg, Daniel Wernig und Ragnar Jóhannsson und die damit verbundene Verjüngung des Kaders, die Installation eines jungen Cheftrainers noch ohne Zweitligaerfahrung so-wie finanzielle Zwänge durch ein überschaubares Budget. »Er wird ein spannendes Projekt«, lautete schon früh die Einschätzung von Geschäftsführer Fabian Friedrich.

Da dem TVH aber in dieser engen Liga, in der jeder jeden schlagen kann, bereits im ersten Saisondrittel so massive Verletzungssorgen den ohnehin schon nicht üppigen Kader ausgedünnt haben, wird die Arbeit des neuen Trainers Frederick Griesbach enorm erschwert. Den Anfang machte Rechtsaußen Tobias Hahn, der sich am sechsten Spieltag bei der Auswärtsbegegnung in Hamburg eine Verletzung im Adduktorenbereich zuzog. Keine zwei Wochen später musste sich Rückraumspieler Markus Stegefelt, bis dahin Top-Torschütze der Blau-Weiß-Roten, einer Meniskus-Operation am bereits lädierten Knie unterziehen. Dennoch gelangen Anfang des Monats zwei wichtige Siege in Ferndorf sowie gegen Schlusslicht Krefeld.

Der TVH im Aufwärtstrend wurde allerdings jäh ausgebremst. Hendrik Schreiber, der zuletzt mit starken Leistungen den Ausfall von Stegefelt kompensiert hatte, verletzte sich gegen Krefeld und musste am linken Daumen operiert werden, sodass er 2019 kein Spiel mehr wird absolvieren können. Der tschechische Nationalspieler Dieudonné Mubenzem pausierte mit einer Oberschenkelzerrung zwei Spiele. Sein Einsatz gegen Krefeld kam vielleicht zu früh, denn der Linkshänder fehlt wegen einer Muskelverletzung erneut. Doch auch im Training reduzierte sich der Kader weiter. So muss Kapitän Mario Fernandes wegen eines Wadenbeinbruches wohl die Saison abhaken. »Das sah erst einmal harmlos aus, als Fuß gegen Fuß prallte«, war auch Griesbach überrascht. »Ich bin kein Mediziner, aber natürlich war Mario bereits letzte Saison mit einem Riss des Syndesmosebandes im gleichen Bein lange ausgefallen.« Und auch seine Kreisläufer-Kollegen Moritz Zörb und Moritz Lambrecht sind alles andere als fit, spielen dennoch jede Woche.

Griesbach wird allen Widrigkeiten zum Trotz nicht müde zu wiederholen, dass es zur DNA der Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim gehören muss, in jedem Spiel immer alles zu geben. Das, was die Hüttenberger Mentalität ausmache, und womit man die Zuschauer mitnehmen kann. Das knapp nicht von Erfolg gekrönte Heimspiel am Samstag gegen Bayer Dormagen war symbolisch für den Teamgeist, den die Spieler auf dem Feld, die jungen Ergänzungsspieler auf der Bank und auch die Verletzten dahinter leben.

Der Oberschenkel von Torwart Nikolai Weber machte in der zweiten Halbzeit zu. Dennoch ging der 39-Jährige, da Stellvertreter Dominik Plaue nicht gut ins Spiel fand, in den letzten Minuten noch mal zwischen die Pfosten. Zörb und Lambrecht konnten unter der Woche kaum trainieren, stellten sich aber in den Dienst der Mannschaft. Genauso wie der Schwede Stegefelt, der nur sechs Wochen nach seiner Operation am Samstag ein unerwartet frühes Comeback gab. »Ich habe noch nicht Angriff mit Kontakt trainiert, nur etwas Abwehr. Dass ich so lange gespielt habe, ist auch für mich überraschend«, gab der 25-Jährige nach dem Schlusspfiff zu Protokoll. Sein Trainer offenbarte weitere Details. »Die Ärzte haben ihm von einem Einsatz abgeraten, aber Markus stellt sich in den Dienst der Mannschaft und riskiert vielleicht sogar seine Karriere«, erinnert der 30-Jährige an die Vorschädigung des Knies.

Zintel lobt die Einstellung

Teamgeist pur also, auch anhand der ernsten Tabellensituation, da der TVH nur einen Punkt vor einem Abstiegsplatz liegt. Da verwundert es wenig, dass der erneut überragende Torschütze Björn Zintel sagt: »Wenn man sieht, wie wir aktuell trainieren und mit Jugendlichen auffüllen, muss man eigentlich nur stolz sein.«

Teamgeist und Einsatz stimmen also trotz Tabellenplatz 14. Nun darf aber kein weiterer Ausfall den schmalen Kader weiter schwächen, und die angeschlagenen Spieler müssen wieder richtig fit werden. Obwohl die Situation bedrohlich ist, muss aber auch genau abgewogen werden, wann ein verletzter Spieler zurückkommen kann. »Meine Verletzung braucht Zeit. Es bringt nichts, wenn ich zu früh anfange und dann gleich wieder für längere Zeit ausfalle«, ist sich Rechtsaußen Tobias Hahn bewusst. Um mit den Worten des Geschäftsführers zu enden - es bleibt weiter spannend.

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