26. Januar 2020, 07:00 Uhr

Handball

TV Hüttenberg hofft auf viele Rückkehrer und einen EM-Fahrer

In der 2. Handball-Bundesliga muss der traditionsreiche TV 05/07 Hüttenberg den Abstiegskampf annehmen. Spielmacher Björn Zintel gilt als Lebensversicherung.
26. Januar 2020, 07:00 Uhr
Dieudonné Mubenzem (r.) hat es bei seinem EM-Einsatz für Tschechien in der Hauptrunde auch mit der deutschen Nationalmannschaft zu tun. FOTO: WOLF

TV 05/07 Hüttenberg


Wie jedes Jahr ist die 2. Handball-Bundesliga nach dem Weihnachtsspieltag in eine Nationalmannschaftspause gegangen. Die soll natürlich auch beim TV 05/07 Hüttenberg zur Regeneration, aber auch zur intensiven Vorbereitung auf die restlichen 16 Spieltage genutzt werden. Am 1. Februar geht’s für die Mittelhessen weiter mit dem Heimspiel gegen den ThSV Eisenach. Wir ziehen im Folgenden nicht nur ein Zwischenfazit, sondern wagen auch einen Ausblick. Aktuell stecken die Handballer aus Hochelheim und Hörnsheim im Abstiegskampf fest, aus dem man sich aber schnellstmöglich in sichere Gefilde verabschieden will.

Zwei - Genau zwei Wochen Pause machte der Zweitligist nach dem Sieg in Konstanz am zweiten Weihnachtsfeiertag. »Wir Trainer hatten genug nachzuarbeiten, wie der Blick auf die Tabelle zeigt. Da konnten wir natürlich nicht die Füße hoch legen. Die Spieler konnten das dagegen schon, und das war auch wichtig«, berichtet Frederick Griesbach. Wobei zwei seiner Linkshänder, Merlin Fuß und Dieudonné Mubenzem, keine Pause hatten. Der U19-Vizeweltmeister nahm mit der deutschen U20-Nationalmannschaft am Vier-Nationen-Turnier in Portugal teil, wo man sich mit drei Siegen aus drei Partien den Sieg sicherte. Zudem wurde Fuß als bester Torschütze des Turniers ausgezeichnet. Insgesamt 17-mal traf der Hüttenberger und krönte seine starken Turnierleistungen mit elf Toren zum 29:26-Sieg gegen Spanien. »Das hat ihm noch mal einen Schub gegeben«, freut sich Griesbach.

Darüber hinaus wurde die Nummer 22 des TVH für den Europameisterschaftskader Tschechiens nominiert, wo Mubenzem zum Abschluss der Vorrunde auch auf die deutsche Nationalmannschaft traf. »Wir freuen uns riesig für ihn. Ein Highlight, das er sich verdient hat. Wir sind stolz darauf«, kommentiert sein Vereinstrainer die Nominierung. Trotz des Wissens, dass es von der Belastung her »ein schmaler Grat ist. Aber das ist ja nichts Neues«.

Verletzungspech überschattet Vorrunde

Fünf - Die Hüttenberger wurden in der Vorrunde mächtig vom Verletzungspech gebeutelt. Mit Kapitän Mario Fernandes, Rechtsaußen Tobias Hahn und den Rückraumspielern Markus Stegefelt, Hendrik Schreiber und Mubenzem musste Trainer Griesbach, der im Sommer das Amt von Emir Kurtagic übernommen hatte, teilweise fast auf eine komplette Startformation verzichten. Kleinere Blessuren wie bei den Kreisläufern Moritz Zörb und Moritz Lambrecht, Torwart Nikolai Weber oder zuletzt auch bei Nachwuchs-Rechtsaußen Simon Belter verhinderten zudem, dass die Blau-Weiß-Roten ab dem sechsten Spieltag auch nur einmal komplett antreten konnten. In der Not wurde mit Jörg Müller vom benachbarten Oberligisten HSG Kleenheim-Langgöns eine Aushilfe bis zum Jahresende verpflichtet.

Acht - Mit Tomáš Sklenák, Björn Zintel, Markus Stegefelt, Christian Rompf, Robin Hübscher, Simon Belter, Mario Fernandes und Moritz Lambrecht läuft bei knapp der Hälfte des Kaders im Sommer der Vertrag aus. Nach den Verlängerungen von Johannes Klein, Nikolai Weber, Dieudonné Mubenzem und Hendrik Schreiber steht für TVH-Geschäftsführer Fabian Friedrich also noch viel Arbeit an, um den Kader für die kommende Saison zu formen. »Wir sind natürlich in intensiven Gesprächen und sollten in Kürze weiteren Vollzug melden können«, erläutert Friedrich. »Personell wird sich aber etwas ändern. Auch weil wir Spieler mit höheren Ambitionen haben«, sieht er die Situation realistisch. Zumal der TVH bekanntlich finanziell nicht zu den ersten Adressen im deutschen Handball gehört. »Wir sind gerüstet und befinden uns auch in guten Gesprächen mit neuen Sponsoren. Aber die schnelllebigen Zeiten machen es uns nicht leichter.« Nicht nur sportlich hat man beim Zweitligisten also alle Hände voll zu tun.

14 - Auf diesem Tabellenrang rangiert der mittelhessische Traditionsverein aktuell mit 14:22 Punkten, nur einen Punkt vor der HSG Konstanz auf dem Relegationsplatz, wo am zweiten Weihnachtsfeiertag ein wichtiger Auswärtssieg zum Jahresabschluss gelang. Man muss also erst einmal nach hinten schauen, hat aber bei nur sechs Punkten Rückstand zu Platz sechs die obere Tabellenhälfte nicht aus den Augen verloren. In der engen Liga ist noch vieles möglich.

»Wir stecken tief im Abstiegskampf. Dem müssen wir uns stellen. Zumal es zum Saisonende noch mehr verrückte Ergebnisse geben wird«, glaubt Griesbach. Unwahrscheinlich ist, dass auch in der Rückrunde so viele Akteure ausfallen.

Positiv fällt in der Rückbetrachtung auf, dass man gegen die Mannschaften in der Tabellennachbarschaft bei zwei Unentschieden und fünf Siegen ungeschlagen ist. »Das sind Punkte, die noch wichtig sein werden«, ist sich Griesbach sicher. Zudem ist es dem 30-jährigen Liga-Neuling gelungen, die zum Teil extremen Leistungsschwankungen der Vorsaison abzustellen. »Dass es immer wieder einmal in einem Spiel Phasen gibt, in denen es besser und dann auch mal nicht so gut läuft, ist heute nicht ungewöhnlich. Damit haben auch andere Teams zu kämpfen«, weiß der Coach, der dennoch bei seiner Mannschaft eine Entwicklung sieht. »Wir haben schon viele Dinge voran gebracht, aber auch noch viel zu tun.« Nun muss auch mal gegen die Mannschaften aus der oberen Tabellenhälfte gepunktet werden. Was bisher nur beim dramatischen Heimsieg gegen Spitzenreiter HSC Coburg gelang. Nach drei Niederlagen mit einem Tor und zwei mit zwei Treffern Differenz weiß der TVH-Coach: »Es ist positiv, dass nicht viel fehlt. Wir sind knapp dran, verlieren aber trotzdem. Daher haben wir alle Bereiche analysiert und auch viel Wert auf die Details gelegt. Wir brauchen den Tick mehr.« Wobei er die Schwerpunkte im Angriff sowie im Tempospiel sieht. »Es ist eine spannende Situation, wenn nun - bis auf Mario Fernandes - alle Verletzten wieder zurückkommen. Denn alle wollen spielen. Und die, die es zuletzt gut gemacht haben, werden ihre Positionen nicht so einfach räumen«, erhofft sich Griesbach durch wieder bessere personelle Möglichkeiten zudem das eine oder andere Prozent mehr.

18 und 113 - Mit bisher 18 gehaltenen Siebenmetern führt Nikolai Weber das Liga-Ranking der Torhüter an. Der 39-jährige Routinier hat sich in seiner zweiten Saison in Hüttenberg hinter der für ihn zuvor ungewohnten offensiven Deckungsformation immer besser zu Recht gefunden und ist ein starker Rückhalt. Mittelmann Björn Zintel hat, genauso wie »Assist-König« Tomáš Sklenák, mit starken Leistungen die Ausfälle der Rückraumkollegen bestmöglichst kompensiert. Mit 113/29 Toren ist er der drittbeste Vollstrecker der Liga. Speziell im November avancierte der 24-Jährige mit 37 Toren in vier Spielen zu einer Art Lebensversicherung für den TVH. Er weckte aber auch Begehrlichkeiten. So könnte es passieren, dass Zintel sein Ziel Bundesliga weiter verfolgt und im Sommer beim TVH seinen Hut nimmt.

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