18. Oktober 2019, 17:32 Uhr

Tausendsassa auf der Trainerbank

Seit Saisonbeginn ist Otmar Velte Trainer bei Fußball- Hessenligist SC Waldgirmes - bislang mit großem Erfolg. Doch der gebürtige Nordhesse ist auch darüber hinaus im heimischen Sport sehr aktiv. Besuch bei einem Mann, der sich nach eigenen Angaben 24 Stunden am Tag mit Sport beschäftigt.
18. Oktober 2019, 17:32 Uhr

Seit ein paar Jahren hat Otmar Velte sein Domizil in Watzenborn-Steinberg aufgeschlagen. Der 55-Jährige hat dort seine Praxis für medizinische Trainingstherapie aufgemacht, in der neben verletzten Sportlern hauptsächlich Wirbelsäulenerkrankungen behandelt. Der studierte Lehrer für Sport und Gesellschaftslehre ist nämlich neben seiner umfangreichen Tätigkeit als Hessenliga-Trainer beim SC Waldgirmes und für den Friedberger Sprintstar Steven Müller, der zuletzt als einziger männlicher Sprinter aus Deutschland bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Doha am Start war, auch Heilpraktiker. Nebenher macht er beim Deutschen Olympischen Sport-Bund eine Ausbildung zum Athletiktrainer, die er in diesem Jahr noch abschließen möchte.

»Ich möchte Leistung entwickeln«, sagt er. Aus diesem Grund habe er sich nach seinem zweiten Staatsexamen selbstständig gemacht: »Ich beschäftige mich den ganzen Tag mit Bewegung - entweder zur Gesundheit oder unter dem Leistungsaspekt.« Das ist mehr als ein Fulltime-Job, denn »vom Prinzip her hört das nie auf. Meine Prioritäten sind erstens Sport, zweitens Sport und drittens Sport«. Die Grundvoraussetzung, dass Velte dieser, seiner Passion nachgehen sei, dass er keine Kinder und eine Lebensgefährtin habe, die das mittrage. Gegen Stress helfe die richtige Organisation. Und: »Meine ganz persönlichen Rituale, um runterzukommen, sind einerseits Musik und andererseits meine Autofahrten, bei denen ich in der Regel alleine bin - und natürlich ist Bewegung auch für mich das A und O. Der Mensch ist einfach ein Bewegungstier.«

Diese Fokussierung auf den Sport spüren auch die Menschen, die wie der 200-Meter-Sprinter Müller mit Velte zusammenarbeiten. »Bei mir gibt es kein Schleifenlassen - weder in meinem Leben noch in meinem Training«, sagt Velte. »Ich bin immer mit Herzblut und Leidenschaft dabei - und das merkt man mir in jeder Einheit an. Wenn etwas scheiße ist, bekommt derjenige es auch gesagt.«

Für Velte liegt der Ursprung dieses Wesenszuges in seiner Kindheit im nordhessischen Fritzlar begründet: Mehr als acht Sportarten hat der Bruder zweiter jüngerer Schwestern selbst ausprobiert. »Ich habe mit 16 Jahren dann angefangen, meine Altersgenossen in der Leichtathletik zu trainieren«, erzählt Velte. »Dann war ich schnell im Fußball, im Basketball oder im Volleyball als Jugendtrainer unterwegs. Doch seine Leidenschaft gehörte schon immer dem Fußball und der Leichtathletik - egal ob als Spieler des KSV Hessen Kassel, als Trainer des Verbandsligisten SSV Sand und des Hessenligisten FSC Lohfelden oder als Coach von Leichtathleten wie Müller. »Ich habe mir im Laufe der Zeit so viel Wissen angeeignet, dass ich selbst manchmal darüber erstaunt bin. Da geht es um Psychologie, um Pädagogik bis hin zu Trainingssteuerung und -planung. Davon profitiere ich ungemein - und durch meinem Hintergrund als Heilpraktiker.«

Aus diesem Erfahrungsschatz heraus fordert Velte die Sportverbände auf, mehr in gute Trainer zu investieren. Als B-Lizenz-Inhaber, der selbst einmal für den Hessischen Fußballverband angehende Übungsleiter unterrichtet hat, sagt er: »Sport ist wie Schule eine Ausbildung für das Leben. Da steckt für mich ein riesiges Potenzial. Beispielsweise fehlt mir heutzutage in unserer Gesellschaft die soziale und emotionale Empathie. Fördern und fordern ist die Kunst dabei.« Bei ihm selbst regiert daher das Prinzip der vier »K«: Konkurrenz, Kontinuität, Konsequenz und Kommunikation. »Das entscheidet, was passiert - nicht nur im Sport, sondern in meinem gesamten Leben.«

Ihm gehe es daher nie um das Persönliche, sondern stets um den Inhalt und den Erfolg. »Eines der Dinge, die ich im Training am häufigsten sage, ist: ›Das ist nicht persönlich gemeint‹«, erzählt Velte. »Eine meiner ehemaligen Athletinnen hat mal gesagt: ›Wenn ich Weltmeisterin werden sollte, dann bin ich nur Weltmeisterin für einen Tag, weil der blöde Trainer dann wieder kommt und sagt, dass ich nichts Besonderes bin, sondern arbeiten muss.‹ Das fand ich sehr bezeichnend«, sagt er und lacht. Denn: Bei Velte geht es letztlich um die Mentalität des Siegenwollens, darum, sich voll zu verausgaben und alles zu investieren. Dann gewinne man zwar nicht immer, aber man siege: »Es geht nicht darum, mit weniger Investition mehr zu erreichen, sondern: Wer mehr will, muss mehr investieren. Das lebe ich vor.« (Foto: Froese)

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