26. Januar 2020, 22:12 Uhr

Tipptopp - Tiby

Die Gießen 46ers sorgen für eine faustdicke Überraschung: Sie schlagen die Riesen aus Ludwigsburg vor 3185 Zuschauern in der Osthalle mit 98:88 und können sich damit Bayern-Besieger-Besieger nennen. Die Aussprache zwischen Trainer Ingo Freyer und seiner Mannschaft hat zur rechten Zeit die erhoffte Wirkung gezeigt.
26. Januar 2020, 22:12 Uhr
Pure Entschlossenheit: Gießens Powerforward Matt Tiby beim 98:88-Überraschungssieg gegen die Riesen aus Ludwigsburg (links Thomas Wimbush, rechts Hans Brase, unten Jaleen Smith) in seinem Element. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


Die Gießen 46ers haben ihre Niederlagenserie beendet und im Kampf um den Klassenerhalt in der Basketball-Bundesliga einen eminent wichtigen Erfolg errungen - einen, der sicherlich nicht eingeplant war. Damit vergrößerte sich der Abstand zum Tabellenkeller - die brenzlige Lage hat sich entspannt. Wie die Gesichtszüge von Coach Ingo Freyer, der nach vier Pleiten hintereinander in der Kritik stand.

Der Trainerfuchs kennt die Mechanismen im Abstiegskampf aus den Zeiten als Headcoach in Hagen, als er Saison für Saison mit dem ewig finanziell klammen Klub um das nackte Überleben in der Beletage kämpfen musste. Ein schelmisches Grinsen konnte er sich nicht verbergen, als er mit der Frage konfrontiert wurde, wie es ihm nach einem Abend in der Osthalle ohne Freyer-raus-Rufe gehe. »Es ist klar, dass man nach einem gewonnenen Spiel besser drauf ist. Da tut das natürlich gut«, machte der aus vielen Kämpfen gestählte 48-Jährige aus seinem Herzen keine Mördergrube. Sein taktischer Schachzug, in der zweiten Hälfte überwiegend mit großen Flügelspielern zu agieren, war genial - und letztlich der Siegbringer.

Seine in die Pflicht genommenen Spieler füllten die Maßnahme mit viel Leben. Überhaupt schien ein gewaltiger Ruck durch die Mannschaft gegangen zu sein. Die vergangenen Montag absolvierte Aussprache zwischen ihm und seiner Truppe scheint gefruchtet zu haben. »Das Gespräch war wichtig. Wir haben besprochen, was wir besser machen müssen - und was wir Spieler wollen. Das hat einiges gebracht. Wir haben einige Sachen umgestellt, vor allem in der Defense. Das hat man gegen Ludwigsburg deutlich gesehen«, stellte Youngster Bjarne Kraushaar fest. Er erhielt sogar von Gästecoach John Patrick ein dickes Kompliment, dass er hervorragend gespielt habe.

Insgesamt war bei allen 46ers-Akteuren eine andere Körpersprache zu erkennen. Mehr Wille, Leidenschaft und Entschlossenheit - ganz nach dem Geschmack der Fans. Sie hielten sich zu Beginn des Spiels zwischen dem Abstiegskandidaten und dem Bayern-München-Bezwinger mit dem Support noch vornehm zurück. Mit zunehmender Gewissheit, ein Teil des immer näher rückenden Erfolges zu sein, kamen die Anhänger immer mehr aus sich heraus und verwandelten mit ihrer lautstarken Unterstützung die Osthalle in einen Hexenkessel. Der sogenannte Funke sprang von der Mannschaft auf die Fans über.

Das lag an der Performance der Protagonisten, die endlich als Kollektiv agierten und ihr individuelles Potenzial nur in den Dienst der Mannschaft und der Sache stellten. Vorneweg Matt Tiby. Der Powerforward zerriss sich förmlich auf dem Feld. Nicht dass er mit 23 Punkten zum Topscorer anvancierte, er war überall zu finden. Bezeichnend für seinen unbändigen Willen war das 93:80 kurz vor dem Ende, als er im Fallen den Korb erzielte. Er legte beachtliche Werte auf: 88,9 Prozent aus dem Zweierbereich (8 von 9), 81,8 Prozent von der Freiwurflinie (9 von 11), fünf Rebounds - davon vier am gegnerischen Brett - und sechs Assists bei einer Effektivität von 27. Das nennt man fokussiert sein.

»Meine Mitspieler und die Coaches haben mir die komplette Unterstützung gegeben. Sie haben mich machen lassen, was ich kann. Es war eine tolle Arbeit von uns allen«, fasste er seine knapp 37 Minuten auf dem Feld zusammen, ohne seine Kollegen zu vergessen. Die meisten von ihnen hatten einen besonderen Abend erwischt: Sie lieferten quasi auf Bestellung, wie es Noch-Geschäftsführer Heiko Schelberg in der letzten Woche im Interview mit dieser Zeitung noch vehement gefordert hatte. »Sie müssen mal alle, über das Kollektiv kommen, sich gegenseitig pushen und den letzten Zentimeter, den letzten Schritt machen«, waren seine Worte nach der Heimniederlage gegen Bonn. Der zum Saisonende gehende Manager ließ es sich nicht nehmen, nach der aufwühlenden Partie jeden einzelnen Spieler zu umarmen.

Ganz besonders herzlich wurde Luke Petrasek gedrückt. Der Schlaks zeigte wie Tiby sein bestes Spiel im Trikot der 46ers. Herausragend seine fünf Blocks gegen die athletischen Ludwigsburger, die die Energie aus der letzten Woche beim Sieg gegen die Bayern nicht auf den Court brachten - geschuldet der Toughness der Gießener. Die dürfen sich auf dem Geleisteten nicht ausruhen und müssen am Sonntag im dritten Heimspiel in Folge gegen Bayreuth an die Leistung aus dem Ludwigsburg-Spiel anknüpfen.

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