20. August 2019, 16:00 Uhr

Handball

Umbruch bei Hannover und Lemgo

In zwei Tagen beginnt die neue Saison in der Handball-Bundesliga für die HSG Wetzlar und die 17 übrigen Teams. Wir stellen die Gegner der Grün-Weißen vor. Heute ist Teil fünf dran.
20. August 2019, 16:00 Uhr
MSS
Wetzlars Ex-Keeper Benjamin Buric hat mit seiner SG Flensburg/Handewitt den DM-Titel zu verteidigen. (Foto: dpa)

Nach dem Titel in der Umbruchsaison geht die SG Flensburg/Handewitt erneut nicht als Topfavorit in die Saison. Einen Umbruch erleben in diesem Jahr der TSV Hannover-Burgdorf und TBV Lemgo Lippe. Während Hannover auf die eigene Jugend baut, erfindet sich der TBV auf den Außen neu. Zudem plagt die Ostwestfalen weiterhin das Verletzungspech.

SG Flensburg/Handewitt

Im vergangenen Jahr galt der Titelverteidiger als die große Unbekannte der Handball-Bundesliga. Trotz des Abgangs von vier Leistungsträgern wurden die Flensburger wieder Meister. Auch in diesem Jahr hat der Kader zwei Leistungsträger verloren.

Kommen und Gehen: Nachdem in der vergangenen Saison ein großer Umbruch an der Förde erfolgt war, gab es in diesem Jahr nur kleine Veränderungen. Mit Kapitän Tobias Karlsson und Rasmus Lauge verließen aber wieder zwei Spieler die Flensburger, die in der Vergangenheit Schlüsselspieler waren. Während Karlsson seine Karriere am Ende der abgelaufenen Saison beendet hat, verließ der Rückraumspieler den Verein in Richtung Veszprem. »Wir stehen vor der Herausforderung, den besten Abwehrspieler der Welt und den besten Angreifer der Bundesliga zu ersetzen«, sagt Trainer Maik Machulla gegenüber der Fachzeitschrift »Handball-Woche«. Michal Jurecki und Niels Verstelijen sollen die Lücken füllen, die Karlsson und Lauge hinterlassen haben. Jurecki kommt mit internationaler Erfahrung aus Kielce nach Flensburg, der Niederländer Verstelijen ist mit seinen 19 Jahren eher ein Wechsel auf die Zukunft.

Stärken und Schwächen: Das vermutlich größte Fragezeichen beim deutschen Meister ist die Abwehr, hierauf legte SG-Trainer Machulla in der Vorbereitung den größten Wert. In der vergangenen Saison spielten die Flensburger hier oft im 6:0- oder auch im 5:1-System. Aufgrund der Abgänge von Karlsson und Lauge dürfte die 6:0 zunächst erste Wahl sein. Trainer Machulla aber mahnt: »Wir müssen unsere Arbeit machen. Die Lücke, die außergewöhnliche Typen wie Tobias Karlsson und Rasmus Lauge hinterlassen haben, können wir nur alle gemeinsam kompensieren.« Machulla sieht dort aber gute Fortschritte, den Angriff sieht der Meister-Trainer hingegen nicht als Problem. »Dort sind wir eingespielt und so einen Akteur wie Michal Jurecki bekommen wir schon integriert«, so der Greifswalder.

Trainer und Umfeld: Maik Machulla geht in seine dritte Saison bei den Nordlichtern, hält sich aber mit den Saisonzielen zurück. »Große Ziele herauszuposaunen - das hilft nicht weiter«, so der Erfolgstrainer. Das Umfeld ist nach zwei Titeln in Folge heiß auf die neue Saison. 4870 Dauerkarten wurden bis zum 30. Juli abgesetzt, auf der Warteliste für den Sitzplatzbereich stehen weitere 1000 Namen. Für die Champions-League-Gruppenphase wurden ebenfalls 1962 Gruppenphasen-Abos bestellt. Zudem konnte man die Verträge mit den Trikot-Partnern verlängern. Außerdem befindet sich der Ausbau der heimischen Arena weiter in der Planung.

Prognose: Nach dem Titel in der Umbruchsaison 2018/19 ist dem amtierenden Meister erneut einiges zuzutrauen. Mit dem Rivalen THW Kiel haben die Flensburger aber einen starken Kontrahenten, der nach den enttäuschenden letzten Spielzeiten mehr denn je wieder auf den Titelgewinn brennt. Wenn die Abwehr der Flensburger hält, ist ein Platz in der Spitzengruppe sicher. Diese umfasst aber vier bis sechs Teams.

TSV Hannover-Burgdorf

Bei der TSV Hannover-Burgdorf folgte auf die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte die große Ernüchterung. Während es für »Die Recken« im DHB-Pokal sowie im EHF-Cup gut lief, war Rang 13 in der Bundesliga eine herbe Enttäuschung für die Niedersachsen. Die Folge war ein großer Umbruch, bei dem man in Hannover verstärkt auf den eigenen Nachwuchs baut.

Kommen und Gehen: Nicht weniger als 13 Spieler (!) haben die Niedersachsen nach der abgelaufenen Serie verlassen. Darunter Nationalspieler Kai Häfner, Lars Lehnhoff, Torge Johannsen, Domago Srsen, Pavel Atman und Torwart Martin Ziemer. Ersatz kommt erneut aus der eigenen Jugend. Mit Veit Mävers, Vincent Büchner und Janne Krone rücken drei Spieler aus der eigenen Talentschmiede in den Profikader auf. Zudem verstärken Torwart Domenico Ebner (kommt von der SG BBM Bietigheim) sowie Alfred Jönsson (Lugi Lund/Schweden) und der ehemalige Gummersbacher Ivan Martinovic die Niedersachsen. Die Hannoveraner verlieren viel Erfahrung und wollen diese mit frischen Talenten kompensieren.

Stärken und Schwächen: »Ich bin zufrieden, wie wir das Team zusammengestellt haben«, sagt Sportdirektor Sven-Sören Christophersen der »Handball-Woche«. »Wir haben eine gute Mischung zwischen erfahrenen und jungen, hungrigen Spielern.« Doch wie wird das Experiment »Jugend forscht« für die Niedersachsen verlaufen? Dass junge, hungrige Spieler ein Erfolgsgarant sein können, hat sich schon in anderen Sportarten gezeigt. Doch lässt sich so die fehlende Konstanz in der Leistung aus dem Vorjahr ausmerzen? Spannend wird es auch sein, wie schnell es Trainer Carlos Ortega gelingt, die neuen Spieler in die Mannschaft zu integrieren.

Trainer und Umfeld: Carlos Ortega geht in seine dritte Saison bei den Recken. 2017/18 führte der Spanier die Hannoveraner sensationell ins internationale Geschäft. Der Trainerfuchs geht optimistisch in die neue Saison. Im Interview mit der »Handball-Woche« gibt Ortega die Top 10 als Ziel aus. »Wir wollen wieder unter die besten zehn Teams kommen«, so der Iberer. »Die Löwen, Kiel, Flensburg, Magdeburg, Berlin, Melsungen sind zu groß für uns. Aber danach kommt eine Gruppe mit sieben, acht Teams, mit denen wir den Kampf aufnehmen wollen.«

Prognose: Die Recken sind in der kommenden Saison schwer einzuschätzen. Zu groß ist der Umbruch. Zwar meint Sportdirektor Christophersen, der Kader habe sich qualitativ nicht verschlechtert, Häfner und die zahlreichen Abgänge hinterlassen jedoch eine große Lücke. Durch die fehlende Belastung durch das internationale Geschäft kann Ortega seine Mannen jedoch voll auf die Liga fokussieren.

TBV Lemgo Lippe

Für den Traditionsverein lief das erste Jahr unter dem neuen Namen aus sportlicher Sicht mittelmäßig. Mit Tabellenplatz zwölf konnte man nicht ganz zufrieden sein. Neben fünf Neuzugängen starten die Ostwestfalen auch mit Joma als neuem Ausrüster in die Spielzeit.

Kommen und Gehen: Nach einem Jahr bei TuS Ferndorf kehrt Rechtsaußen Lukas Zerbe nach Ostwestfalen zurück und ist damit Teil eines völligen Umbruchs auf den Außenbahnen des TBV. Nach den Abgängen von Tim Hornke, Robin Hübscher, Patrick Zieker und Dominik Ebner bestand hier Handlungsbedarf. Zusammen mit Zerbe bilden in dieser Saison die beiden Linksaußen Bjarkai Mar Ellison (kommt von den Füchsen) und Alexander Reimann (SC Magdeburg II) sowie Rechtsaußen Bobby Schagen das Spielermaterial auf der Außenbahn. Andreas Cederholm ergänzt den Rückraum der Ostwestfalen. Trotz der schmerzhaften Abgänge von Hornke und Ziecker befürchtet Lemgos Trainer Florian Kehrmann keinen Qualitätsverlust, wie er in der »Handball-Woche« erklärte: »Mit Elisson und Schagen haben wir zwei erfahrene und sehr spielintelligente Außen erhalten, von denen ich mir in der zweiten Phase und bei der schnellen Mitte noch einen Mehrwert erhoffe.«

Stärken und Schwächen: Neben den neu formierten Außen erhofft sich Kehrmann auch von seinem neuen Linkshänder im rechten Rückraum, Andreas Cederholm (von GWD Minden), schnelle Angriffsspiele. Eine weitere Stärke des TBV soll auch in der neuen Saison die Abwehrarbeit sein. In der vergangenen Spielzeit kassierten die Mannen von Kehrmann lediglich 4,06 Strafminuten und waren damit die fairste Mannschaft der Bundesliga. Ein Problem kann jedoch die schwierige Vorbereitung werden, in der viele Spieler verletzt gefehlt haben.

Trainer und Umfeld: Florian Kehrmann ist ein wahres Lemgoer Urgestein. Der Weltmeister von 2007 spielte selbst 15 Jahre lang als Rechtsaußen für den TBV. Seit fünf Jahren ist er nun Trainer bei den Ostwestfalen und feiert somit sein 20-jähriges Jubiläum beim TBV. Auch im Umfeld der Ostwestfalen tut sich einiges, insbesondere rund um die Heimstätte. In der Phoenix-Contact-Arena wurde über die Sommerpause eine neue Beschallungsanlage installiert. Vor der Arena entsteht auf dem VIP-Parkplatz bis Mitte Dezember ein neues Parkhaus für 450 Autos.

Prognose: Auch für den TBV gestaltet sich eine Prognose schwierig. Einerseits ist mit einer starken Abwehr eine solide Basis für eine gute Saison gelegt. Andererseits kämpft der TBV nach wie vor mit der langen Verletztenliste (u. a. Tim Suton, Andrej Kogut) aus der Vorsaison. Zudem haben die Ostwestfalen alles andere als ein einfaches Programm zum Saisonbeginn. An den ersten drei Spieltagen bekommt man es gleich mit HSG Wetzlar, SC Magdeburg und MT Melsungen zu tun. Wenn sich die Verletztenmisere nicht schnell löst, wird es eine schwere Saison für den TBV.

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