12. Mai 2019, 21:03 Uhr

Versöhnliche zweite Hälfte

12. Mai 2019, 21:03 Uhr
Mit aufgeblasenen Backen passt RSV-Guard Thomas Böhme im ersten Spiel der DM-Playoff-Finalserie gegen Thuringia Bulls (links Jake Williams) zu einem freien Mitspieler. (hf)

Nach der Schlusssirene im ersten Finalakt um die deutsche Rollstuhlbasketball-Meisterschaft konnte der RSV Lahn-Dill am Ende mit erhobenem Haupt die August-Bebel-Sporthalle verlassen. Doch trotz einer 45:29 gewonnenen zweiten Halbzeit verlor der 13-malige Titelträger aus Mittelhessen das erste Spiel der Best-of-three-Serie gegen die RSB Thuringia Bulls zu Hause mit 61:72. Grund hierfür war ein desaströser erster Durchgang gegen einen allerdings auch bärenstarken frisch gebackenen Champions- League-Sieger.

Die nach dem Seitenwechsel bewiesene Moral versöhnte jedoch, und so geriet die stimmungsvolle Verabschiedung der scheidenden Spieler am Ende zu einem emotionalen Höhenpunkt vor großer Kulisse. Kaum einer der rund 1250 Besucher in der Wetzlarer August-Bebel-Sporthalle verließ die Partie nach der Schlusssirene, ohne den offiziellen Worten und die begleitende Fotostory auf der Videowand zu verfolgen, als Nico Dreimüller, Jan Gans, Philipp Häfeli und Hiroaki Kozai sowie Physiotherapeutin Beke Lischka und Technikprofi Lukas Kapfer »auf Wiedersehen« sagten.

Zuvor sahen die zahlreichen RSV-Fans jedoch eine erste Halbzeit, in der die Thuringia Bulls nahtlos an das Champions-League-Halbfinale vor einer Woche im polnischen Walbrzych anknüpften. Das US-Duo Jake Williams und Matt Scott sorgte mit drei Dreiern binnen der ersten fünf Angriffe schnell für einen frühen 13:6-Vorsprung (4.), der die Gastgeber sichtlich beeindruckte. Mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks spulten die Bulls ihr Programm ab, während die Wetzlarer von diesem Auftritt sichtlich beeindruckt in der eigenen Offensive vollkommen verunsichert wirkten.

Als es so nach den ersten zehn Spielminuten bereits 23:6 für die Thüringer stand, war schnell klar, dass an diesem Tag ein großer Kraftakt notwendig würde, um der Mannschaft von Trainer Michael Engel Herr zu werden. Diese These unterstreichend, ließen die Bulls RSV-Kapitän Michael Paye und Co. kaum eine Sekunde Luft zum Atmen und machten aus einem 28:14 (14.) bis zur Halbzeitpause ein unfassbares 43:16. Mit gesenkten Köpfen ging es für die Hausherren in die Kabine, aus der sie trotz des hohen Rückstandes erhobenen Hauptes zurückkamen.

Nun war dem RSV Lahn-Dill die Wut im Bauch über die eigene Leistung vor dem Seitenwechsel förmlich anzusehen. Von Minute zu Minute zog sich die Mannschaft am eigenen Zopf aus dem Schlamassel. Nach einem 8:0-Start mit einem Drei-Punkte-Spiel von Thomas Böhme war Engel auf der Bank der Bulls früh zu seiner ersten Auszeit in der zweiten Hälfte gezwungen. Doch nun lief der Ball bei den Mittelhessen, mit zurückgewonnenem Selbstbewusstsein gelangen endlich sehenswerte Kombinationen, auch wenn das Spiel des deutschen Rekordmeisters noch lange nicht perfekt war. Kleinere Fehler warfen die Truppe von Headcoach Janet McLachlan jetzt jedoch nicht mehr aus der Bahn, und die große Kulisse sorgte stimmgewaltig für den sprichwörtlich »sechsten Mann« auf dem Parkett.

Insbesondere mit Beginn des vierten Viertels, das Kapitän Paye mit einem Dreier zum 39:58 (31.) eröffnete, spielte nun fast nur noch der zu Beginn fast nicht anwesend wirkende RSV. Zwei weitere Dreier von Topscorer Böhme und dem mit zehn Rebounds in dieser Partie besten Rebounder Brian Bell, sorgten beim 48:64 (34.) und 61:71 (38.) für zwei weitere Auszeiten aufseiten der Thuringia Bulls. So konnten die Hausherren am Ende diese denkwürdige Partie doch noch mit erhobenen Haupt verlassen, in der sie sich schon in der Anfangsphase aller Chancen selbst beraubt hatten.

Für den RSV Lahn-Dill gilt es nun, die ersten 20 Minuten so schnell als möglich aus den Köpfen zu bekommen, um am Samstag um 18 Uhr in der Erfurter Riethsporthalle mental an die zweite Halbzeit des vergangenen Samstags anzuknöpfen. Dabei haben die Ostdeutschen in Duell Nummer zwei bereits Matchball, während der RSV mit einem Erfolg in der thüringischen Landeshauptstadt erst einmal ein drittes und dann alles entscheidende Finalspiel erzwingen müsste.

Lahn-Dill: Böhme (19/1 Dreier), Bell (13/1), Häfeli (12), Paye (11/1), Dreimüller (6), Breuer, Gans, Huber, Kozai, Kind (n.e.), Möller (n.e.).

Thüringen: Halouski (14), Gholamazad (13), Bienek (11/1), Williams (11/2), Albrecht (10), Scott (9/1), Podnieks (4), Partanen, Visser.

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