10. November 2019, 10:00 Uhr

Volkslauf

Vierfache Mutter Silke Schulz-Laun läuft 3700 Kilometer

3700 km ist Silke Schulz-Laun in einem Jahr gelaufen - als Vorbereitung für ihren ersten Marathon. Den hat sie nun in Frankfurt absolviert. Die 47-Jährige muss einiges unter einen Hut bringen.
10. November 2019, 10:00 Uhr
Küchenidylle in der Hofreite in Bettenhausen (v. l.): Keke, Ena, Ari, Mama Silke Schulz-Laun und Iko. (Foto: gae)

Montagnachmittag in Lich-Bettenhausen. In der Hofreite von Silke Schulz-Laun lodert das Feuer im Pellet-Ofen. Es duftet nach frischem Kaffee, ihre vier Kinder Iko, Keke, Ena und Ari haben sich um den Küchentisch versammelt. Gemeinsames Spielen steht auf dem Programm. Später gesellen sich die beiden Hauskatzen Elfrid und Stiefelchen dazu. Sie runden das Bild der Eintracht, der Gemütlichkeit, der Entspanntheit innerhalb der Familie ab. Man fühlt sich sofort wohl bei den »Launis«, wie sie von Insidern genannt werden.

Im Mittelpunkt steht Silke Schulz-Laun, sie ist der Fels in der Brandung, obwohl sie eine zierliche Frau ist. Ein Energiebündel par excellence, das den Laden schmeißt, aber ganz genau weiß, dass es ohne die Hilfe der anderen nicht gehen würde.

Silke Schulz-Laun ist in der mittelhessischen Läuferszene bestens bekannt. Unzählige Male stand sie ganz oben auf dem Podest der zahlreichen Volksläufe und Winterlaufserien. Sie liebt das Laufen. Aber erst vor knapp zwei Wochen stellte sie sich zum ersten Mal der Herausforderung Marathon. In Frankfurt peilte sie ambitionierte 2:57 Stunden an, letztlich blieb die Uhr bei 2:59,30 stehen. Das wurmte die 47-Jährige, die sich dennoch mit der Zeit Platz eins in der Hessenwertung der W45 holte. Deswegen hat sie schon ihr nächstes Projekt im Visier - den Oberelbe-Marathon in Dresden. »Im letzten Jahr habe ich dort den Halbmarathon gewonnen. Ich habe mich in diese Strecke verliebt. Außerdem will ich die Frankfurt-Zeit verbessern«, erklärt Silke Schulz-Laun kämpferisch.

Zunächst wird sie aber in Alten-Buseck starten, auf einer ihrer Lieblingsstrecken im heimischen Raum - wie die 10-Meilen-Runde durch den Wald, den ihr Verein ASC Licher Wald Jahr für Jahr ausrichtet. Die Hauptkonzentration ist aber auf Dresden gerichtet. Die 42,195 km von Frankfurt stecken ihr aber immer noch in den Beinen. »Obwohl das schon fast zwei Wochen her ist«, so die 47-Jährige.

Die Stunde nach dem Ankommen im Ziel war für sie schlimmer als die letzten sechs Kilometer, dort musste sie ganz schön kämpfen. Ihr einziger Gedanke war: »Ich muss irgendwie ins Ziel gelangen.« Dort angekommen, habe sie so gefroren wie noch nie in ihrem Leben. Zudem konnte sie sich vor Schmerzen nicht bewegen. »Das war brutal, mein Körper war absolut leer.« Ein warmes Bad zu Hause und gezielte Yoga-Übungen halfen ihr, schneller zu regenerieren.

Sie hat sich akribisch auf Frankfurt vorbereitet. Ein überdimensionales Blatt Papier reckt sie in die Luft: den Herbert-Steffny-Plan. Nach der Anleitung des ehemaligen deutschen Langstreckenläufers lief die spezielle zehnwöchige Vorbereitung auf den Marathon ab. Auf dem riesigen Zettel ist jeder Lauftag festgehalten - mit der Länge der Strecke, Soll- und Ist-Zeit und Kommentaren. Silke Schulz-Laun überlässt nichts dem Zufall. Sie erklärt warum: »Ich brauche ein Korsett, das gibt mir Halt und Sicherheit.« Doch nicht nur die zehn Wochen ist sie Tag für Tag gelaufen, zuvor auch schon. Insgesamt spulte sie in den letzten zwölf Monaten 3700 Kilometer ab - das ist ein Tagesschnitt von sage und schreibe 10,1369 km.

Angst vor einer Überbelastung hat sie nicht. Und mit Verletzungen musste sich die vierfache Mutter bislang noch nicht herumplagen. Sie nimmt das als eine Gnade an. Sie weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist.

Wie sieht ein normaler Tag für sie aus? Morgens um 5 Uhr ist die Nacht für sie vorbei. Ein kurzes Frühstück - meist ein Müsli aus Haferflocken, Leinsamen und mit Apfelstückchen garniert - und dann geht es gegen 6 Uhr ab auf die Strecke - oft in Richtung Hungen, dem Sonnenaufgang entgegen. Die Länge richtet sich nach Wohlbefinden, Trainingsplan oder Zeit. »Da sind auch Drei-Stunden-Läufe dabei«, sagt Schulz-Laun. Dann kümmert sich ihr Lebenspartner Holger Schiewe, der auch gleichzeitig ihr Trainer ist, um die vier Kinder. »Wenn die alle das nicht so mitmachen würden, dann könnte ich das nicht schaffen«, ist Schulz-Laun ehrlich.

Da sie in ihrem Beruf als Bestatterin Termine einigermaßen selber koordiniert, kann sie flexibel planen. Wenn es morgens mal nicht mit dem Laufen klappt, wird das irgendwo eingeschoben, wo es passt. So um 14.30 Uhr werden die Kinder von den Schulen abgeholt. Dann stehen Hausaufgaben, Haushalt und jenes an, was zu verrichten ist. Um 21 Uhr geht Schulz-Laun ins Bett. »Früh aufstehen und spät ins Bett gehen, passt nicht. Irgendwann ist der Akku leer«, sagt sie mit einem Schmunzeln im Gesicht.

Was ist die Motivation, so viel zu laufen? Für Schulz-Laun ganz einfach: »Mir geht es danach nur gut.« Am Anfang sei es auch das Ankommen, das Gewinnen oder auch gute Zeiten gewesen, das angesport habe. Jetzt ist das Laufen ein wichtiger Teil ihres Lebens geworden. »Es gehört einfach dazu. Wenn du dich beim Laufen selbst spürst, sind die Alltagsprobleme mit einem Mal weg. Das ist doch ein tolles Gefühl.« Das Lauf-Feuer wurde in ihr schon als Kind entfacht - beim Schulsport in Grimmen in der früheren DDR. Sie lief so schnell, dass sie eine Eliteanfrage aus Rostock erhielt, die ihre Eltern aber dankend ablehnten. Sie wollten ihr einziges Kind nicht in eine Kaderschmiede geben, sondern es aufwachsen sehen.

Silke Schulz-Laun weiß, dass das Laufen nicht für jeden das Nonplusultra ist. Sie rät jedem, dass man in irgendeiner Form aktiv ist - und wenn es nur Gartenarbeit ist. »Meine Mama macht keinen Sport, die ist aber mit ihren 81 Jahren fit wie ein Turnschuh. Sie ist halt immer aktiv.« Und das trifft im ganz besonderen Maße auf die Tochter zu.

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