07. Januar 2020, 07:00 Uhr

Basketball

Wer stoppt Negativtrend der Gießen 46ers?

Nach den Negativerlebnissen der letzten vier Wochen müssen sich die Gießen 46ers an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen. Gegen Bonn, Ludwigsburg und Bayreuth müssen Punkte kommen.
07. Januar 2020, 07:00 Uhr
Bjarne Kraushaar (r.) und Teyvon Myers kommen derzeit in der Basketball-Bundesliga nicht aus der Abwärtsspirale heraus. FOTO: FRIEDRICH

Gießen 46ers


In den Bundesliga-Heimspielen gegen Bonn (18. Januar), Ludwigsburg (25. Januar) und Bayreuth (2. Februar) haben die Gießen 46ers dreimal Gelegenheit, das Abstiegsgespenst aus der Sporthalle Ost zu vertreiben. Die schwache Basketball-Saison des Mitteldeutschen BC, der mit nur zwei Siegen auf dem einzigen Abstiegsrang steht, darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass es für die Mittelhessen noch eng werden könnte. Der direkte Vergleich gegen Frankfurt, Hamburg und Bayreuth droht nach teils hohen Pleiten verlorenzugehen. Auch der MBC konnte im Hinrundenspiel nur knapp mit 98:95 in Schach gehalten werden. Seit vier Wochen ist bei den 46ers der Wurm drin. Im Dezember überschlugen sich die Ereignisse.

Zu Beginn des Monats wurde die Demission des Noch-Geschäftsführers Heiko Schelberg bekanntgegeben. Am selben Tag empfingen die 46ers mit Würzburg einen Playoffanwärter, der geschlagen werden konnte. Forward Alen Pjanic sagte nach dem Spiel, dass die Personaldiskussion um den Manager zu diesem Zeitpunkt noch nicht zur Mannschaft durchgedrungen sei. Wie sich das in den Folgewochen auf das Team des Bundesligisten auswirkte, ist unklar: Management und Gesellschafter schweigen beharrlich. Sportlich liegen die Karten umso offener auf dem Tisch.

Zwei Wochen gingen bis zur nächsten Partie ins Land. Gegen den FC Bayern zeigten die 46ers ihr bestes Gesicht. John Bryant ließ mit einem Triple-Double aufhorchen. Drei Viertel auf Augenhöhe reichten gegen den Ligaprimus erwartungsgemäß nicht. Die Stimmung schien aber bestens zu sein.

Schwerer wog die Pleite gegen Bayreuth kurz vor Silvester. Das 99:115 im Frankenland erinnerte frappierend an die Ergebnisse der Vorsaison. Dann kam es zum verlorenen Hessenderby, das in der Frankfurter Ballsporthalle und danach im Internet für viel Diskussionsstoff sorgte. Auf allen Kanälen wurde über die blutleere Vorstellung der 46ers debattiert, die von 300 Fans zu ihrer 65:81-Klatsche gegen die Skyliners begleitet worden waren. Befragt nach der emotionslosen Gangart der Gießener, die in der ersten Halbzeit nur magere drei Fouls zustande gebracht hatten, sagte Brandon Thomas: »Für mich ist das sehr emotional. Wir haben heute uns und die Fans enttäuscht. Viele Leute sind hierhergekommen, um ums zu unterstützen. Das gab uns viel Energie, aber wir waren einfach nicht in der Lage, den Kampf auf dem Parkett anzunehmen.«

Der US-Amerikaner war zu diesem Zeitpunkt gerade aus dem Fanblock der Mittelhessen zurückgekommen. Ein nach verlorenen Matches ungewöhnlicher Vorgang: »Nach Niederlagen ist es komisch, zu den Fans zu gehen«, gesteht Pjanic. »Sie schienen nicht besonders happy zu sein. Als Fan wäre ich das nach diesem Ende auch nicht. Aber wir sind trotzdem hochgegangen«, so der Youngster, der auf dem Parkett wie seine Teamkameraden am Samstag nicht zu überzeugen wusste.

Freyers »Gang nach Canossa«

Zum »Gang nach Canossa« war es nach Wahrnehmung der Fans gekommen, nachdem vereinzelte »Freyer raus«-Rufe vom harten Kern der 46ers-Anhänger übernommen worden waren. Coach Ingo Freyer hatte sein Team daraufhin animiert, das Gespräch mit den Fans zu suchen und sei sogar selbst vorangegangen. Auf der Tribüne schlug dem Trainer viel Kritik entgegen, obgleich er in den sozialen Medien für seinen Mut auch gelobt wurde.

Pjanic selbst nahm die Situation anders wahr. Ihm sei vor allem Zuspruch entgegengebracht worden. »Die Fans sagten ›Kopf hoch‹, ›weiter machen‹, und dass die Saison noch lang ist. Das deckte sich auch mit den Nachrichten, die ich nach dem Spiel bekommen habe«, erklärt das 22-jährige Eigengewächs. Gerade deshalb richtet Pjanic die Blicke nach vorne: »Wir müssen auf dem Feld zeigen, dass wir es können. Wenn wir verlieren, aber alles gegeben haben, können das die Fans verstehen. Sie sind dann weniger enttäuscht, als wenn man das Spiel locker angeht und nur mitspielt.«

Mit Ausnahme einer kurzen starken Phase am Ende des dritten und zu Beginn des vierten Viertels kam den 46ers im Duell mit Frankfurt oft nur die Rolle des Statisten zu. Für die emotionale Anhängerschaft ist das vor allem im Hessenderby ein »No Go«. Mit Ausnahme der Zweitligajahre wurden die Playoffs seit 2005 nicht mehr erreicht. Dem zwischen Tabellenniemandsland und Abstiegskampf pendelnden Verein tut die hessische Rivalität grundsätzlich gut: Sie bringt Würze in den Ligaalltag und kann Team und Fans zusammenschweißen.

Obwohl diese Chance am Wochenende vertan wurde, müssen nun in der angespannten Gemengelage alle die Blicke nach vorne richten. Fakt ist: Geht auch die Begegnung gegen Konkurrent Bonn in knapp zwei Wochen verloren, wird die Luft nicht nur für Coach Freyer dünner, sondern für die 46ers insgesamt.

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