09. Dezember 2019, 11:45 Uhr

Handball

Wetzlarer Fehler-Dutzend

Falsche Sperren sowie Schritt-, Wurf- und Passfehler gleich im Dutzend. Bundesligist HSG Wetzlar hat bei der 27:28 (15:15)-Niederlage gegen den TVB Stuttgart die beiden Punkte selbst geopfert.
09. Dezember 2019, 11:45 Uhr
Stuttgarts Nationalspieler Dominik Weiß bedroht die Wetzlarer Deckung massiv aus dem Rückraum, seine TVB-Mitspieler stellen aktiv den Doppelblock, die HSG-Abwehr um Nils Torbrügge und Anton Lindskog im Innenblock stemmt sich entgegen. Am Ende hatten die Gäste mit 28:27 das bessere Ende für sich. Foto: Vogler

HSG Wetzlar


Die letzten 45 Sekunden waren bezeichnend für die gesamte Partie. Beim Stande von 27:28 kam die HSG Wetzlar noch einmal in Ballbesitz, nachdem Kreisläufer Anton Lindskog kurz zuvor der Anschlusstreffer (58:36) gelungen und die Rittal-Arena komplett aufgestanden war. Drei Angriffsaktionen später (59:20, 59:33, 59:59) war die Heimniederlage besiegelt, da es den Schützlingen von Trainer Kai Wandschneider gegen die massive und bewegliche Abwehr der Stuttgarter trotz vollem Risiko mit siebtem Feldspieler nicht mehr gelang, überhaupt noch eine Wurfchance herauszuarbeiten.

Der Wetzlarer Coach analysierte nüchtern: »Die letzten 45 Sekunden haben wir keine Wurfmöglichkeit mehr kreiert. Ein paar Spieler müssen halt mutiger sein, ruhig auch mal einen Fehlwürfe in Kauf nehmen. Sie sollten Verantwortung übernehmen, wenn die erste Besetzung mal nicht so stark ist.« Um anzufügen: »Stuttgart hat aber auch ein starkes Team. Der Sieg ist verdient.«

Etwas härter ging da der norwegische Rechtsaußen Kristian Björnsen mit sich und seinen Teamkollegen ins Gericht. »Wir hatten große Probleme in Angriff und Abwehr, hatten keine Energie. Ich weiß auch nicht warum«, sah er die Gründe für die Niederlage in erster Linie in eigenen Reihen. »Wir haben gefühlt 20 bis 30 Fehler gemacht, das ist nicht erlaubt. Das kann nicht sein. Die Schiedsrichter waren okay, wir haben das selbst verbockt.«

Das besagte auch die Statistik, die die Gastgeber bezüglich der technischen Fehler eigentlich noch deutlicher als mit nur einem Treffer auf der Verliererstraße sah. So setzten sich die mit nur acht Punkten angereisten Schwaben nach einem technischen Fehler von Olle Forsell Schefvert (15.), einem Stürmerfoul des Schweden (17.), einem Abspielfehler von Spielmacher Filip Mirkulovski (19.) sowie einem eklatanten Fehlwurf von Lenny Rubin (21.) vom 7:7 (13.) auf 13:8 (21.) ab.

»Nach dem Fünf-Tore-Rückstand haben wird aber wieder Moral bewiesen«, durfte sich Trainer Wandschneider hernach über die stärkste Phase seine Teams von der 22. bis zur 37. Minute freuen. Ein Kreistreffer von Geburtstagskind Anton Lindskog (12:14, 24.), eine Parade von Till Klimpke frei gegen Manuel Späth (24.), eine starke Eins-gegen-eins-Aktion von Neuzugang Viggo Kristjansson zum 14:15 (27.) sowie zwei Holst-Siebenmeter (28., 37.) ließen die Grün-Weißen binnen einer Viertelstunde das Pendel zur 19:16-Führung (37.) umschlagen.

Für Wetzlars Trainer Wandschneider kam danach die alles entscheidende Phase. »Zwischen der 36. und 41. Minute haben wir die Führung nicht ausgebaut, nicht mehr auf den Punkt gespielt, zu früh abgeschlossen und einfach zu viele technische Fehler gemacht. Damit haben wird Stuttgart wieder aufgebaut, dadurch war der Ausgleich relativ schnell da.« 20:20 (45.).

Mehr noch. In der 48. Minute führte Stuttgart nach einem neuerlichen 5:0-Lauf mit 22:20 (Weiß), beim 25:22 (51., Späth) befand sich der TVB auf Siegkurs. Trainer JürgenSchweikart war hin- und hergerissen: »Das Spiel hatte unheimlich viele Phasen. Für ein paar Minuten haben wir nach der Halbzeit den Glauben verloren, ab der 45. Minute waren wir aber wieder da.«

Nicht ganz. In der Crunchtime schlugen nacheinander Anton Lindskog, Stefan Cavor und Olle Forsell Schefvert zurück, glichen zum 25:25 (5.) aus und sorgten so für einen finalen Krimi der Partie. Dort »köpften » sich die Grün-Weißen wieder selbst. Eine Zeitstrafe gegen Nils Torbrügge, ein Fehlpass ins Nirwana - und schon lagen die Schwaben durch den nie zu bändigenden mazedonischen Kreisläufer Zarko Peshevski mit 28:26 (58.) spielentscheidend vorn. Der Rest ist eingangs erzählt.

Dominik Weiß, der 2,10-m-Hüne, war erleichtert: »Endlich haben wir hier mal gewonnen, wir haben ja genug Anläufe gebraucht. Heute konnte bei diesem Spielverlauf zu jeder Zeit alles passieren. So extrem habe ich das lange nicht erlebt. Wir haben uns bis zum Schluss in jeden Ball reingeworfen und sind dafür belohnt worden.«

Die deutlichen positionellen Vorteile des Abends mit Bitter im Tor gegenüber Klimpke, dem Stuttgarter Innenblock Späth/Weiß gegenüber Lindskog/Forsell Schefvert, von TVB-Linksaußen Zieker gegenüber Holst, von Gäste-Kreisläufer Peshevski gegenüber Lindskog sowie von Taktgeber Max Häfner gegenüber Filip Mirkulovski verlieh dieser Ein-Tore-Erfolg allerdings nicht hinreichend Ausdruck. Schlussendlich stellt sich die Frage, wann der baumlange Schweizer Lenny Rubin im Wetzlarer Rückraum endlich zur verlässlichen Größe wird.

HSG-Coach Wandschneider hatte deshalb schon wieder die nächsten Pflichtspiele vor Augen: »Meine Aufgabe ist es jetzt, den Spielern wieder Mut zu machen. Wir müssen das heute so hinnehmen. Da war sicherlich auch Respekt vor Jogi Bitter in den Köpfen. Ich muss versuchen, den Spielern mehr Selbstvertrauen zu geben.«

HSG Wetzlar: Klimpke (1), Ivanisevic; Feld (1), Björnsen (3), Mirkulovski (3), Torbrügge, Weissgerber (n.e.), Öfors (n.e.), Holst (5/2), Forsell Schefvert (3), Rubin (2), Lindskog (3), Kristjansson (2), Cavor (4).

TVB Stuttgart: Bitter, Hummel; Häfner (3), Asgeirsson (n.e.), Weiß (2), Faluvegi (2), Späth (3), Lönn (1), Markotic (1), Röthlisberger, Zieker (9/2), Pfattheicher (1), Peshevski (3), Schmidt (2), Wieling (1).

Im Stenogramm / SR.: Schulze/Tönnies. - Zuschauer: 4000. - Zeitstrafen: Torbrügge (56.), Rubin (13., 22., 50. - rot), Lindskog (8.), Kristjansson (24., alle Wetzlar); Häfner (25.), Faluvegi (6.), Späth (33.), Lönn (25.), Pfattheicher (33., alle Stuttgart). - Siebenmeter: 3/2:2/2. - Torfilm: 4:4 (6.), 7:7 (11.), 8:13 (21.), 15:15 (Halbzeit); 19:16 (37.), 20:20 (45.), 21:24 (50.), 25:25 (55.), 27:28 (Endstand).

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