06. Oktober 2019, 20:47 Uhr

Handball

Wetzlarer Moral stimmt

Die HSG Wetzlar ist in der Handball-Bundesliga mit dem 26:29 bei den Rhein-Neckar Löwen ergebnismäßig zufrieden. Die Gründe:
06. Oktober 2019, 20:47 Uhr
Kampfstark: Wetzlars Olle Forsell Schefvert (Mitte) im Angriff gegen Alexander Petersson von den favorisierten Rhein-Neckar Löwen. (PIX-Sportfoto)

HSG Wetzlar


Die HSG Wetzlar hat sich auch von den Rhein-Neckar Löwen nicht zerlegen lassen. Die Mittelhessen verloren am Sonntag zwar das Bundesliga-Auswärtsspiel bei einem der vielen Titelanwärter mit 26:29 (9:15), konnten aber - wie Trainer Kai Wandschneider bekräftigte - »erhobenen Hauptes« vor 8500 Zuschauern das Parkett der SAP-Arena verlassen.

Der SG Flensburg/Handewitt einen Punkt abgeknöpft, den SC Magdeburg niedergerungen, THW Kiel fast aus dem Pokal befördert und in Mannheim keine Klatsche kassiert. Das kann in Summe kein Zufall mehr sein und macht Hoffnung auf ein packendes, emotionales und zuschauerträchtiges Hessenduell mit der MT Melsungen am kommenden Sonntag. Die Nordhessen fügten Spitzenreiter TSV Hannover-Burgdorf die erste Saisonniederlage zu und betrieben ihrerseits Werbung für das Match in der Rittal-Arena vor der dreiwöchigen Punkt- und Länderspielpause.

Ergebnismäßig waren die drei Treffer Differenz weder zuwenig noch zuviel. Denn die gastgebenden Rhein-Neckar Löwen offenbarten während der 60 Minuten zuviele Phasen, in denen deutlich wurde, dass noch längst nicht alle Rädchen ineinander übergreifen. So wurden deutliche Führungen wie das 19:11 (34.) beim 19:16 (42.) oder das 28:22 (56.) beim 29:26 (60.) wieder hergegeben. »Wir haben in der ersten Viertelstunde zuviele frei Bälle vergeben«, bemängelt Löwen-Kreisläufer Jannik Kohlbacher auf Sky, »in der zweiten Hälfte haben uns dann die Wetzlarer Deckungsumstellungen Probleme bereitet.« Kurzum, bei 100 Prozent ist das Team um Neu-Trainer Kristjan Andresson noch lange nicht.

Ergebnismäßig hätten sich die Wetzlarer andererseits gar nicht in die Situationen mit den hohen Rückständen bringen müssen. »Wir haben nicht die Angriffseffektivität der letzten Spiele auf die Platte gebracht«, räumt Stefan Kneer auf Sky ein und sprach damit vor allem die fehlende Geduld im Positionsangriff an, die immer wieder zu erfolgreichen Gegenstößen der Gastgeber führten, die allen voran Nationallinksaußen Uwe Gensheimer mit seinen 13 Treffern verwertete. HSG-Coach Kai Wandschneider fügte auf Sky an: »Bei uns waren die Rückraumtore heute nicht in der Anzahl vorhanden wie zuletzt, weshalb wir uns zuwenig Freiräume geschafft haben.«

Umso höher war die Wetzlarer Leistung in der Defensive zu bewerten, die mit 6:0-, 5:1-, 4:2- und 3:3-Varianten die Rhein-Neckar Löwen immer wieder vor neue Aufgaben stellte und somit beispielsweise Welthandballer Andy Schmid erst in der 52. Minute zum 25:22 zu dessen erstem Torerfolg kommen ließ. Zudem bot Torhüter-Youngster Till Klimpke unter den Augen von Bundestrainer Christina Prokop vor allem im ersten Abschnitt eine herausragende Leistung, weshalb sich die Kohlbacher und Co. beim 10:8 (20., Rubin) noch nicht hatten absetzen können. Klimpke stand seinem Gegenüber Andreas Palicka und dessen 15 (!) Paraden kaum nach.

Drei vergebene Siebenmeter von Maximilan Holst und Kristian Björnsen ließen im zweiten Abschnitt Lars Weissgerber an den Punkt gehen - dreimal erfolgreich! Diese konnten aber auch die Vielzahl technischer Fehler - auf beiden Seiten - nicht kompensieren, weshalb die HSG Wetzlar nach dem Pausen 9:15 (30., Kohlbacher) zwar immer wieder hohe Rückstände gut machte, aber nicht mehr entscheidend aufholen konnte. Beim 23:19 nach 45 Minuten traf Stefan Cavor endlich mal wieder aus der Distanz, weil im Angriff mal wieder länger gekreuzt und das Spiel breiter gemacht wurde. Da Joao Ferraz zwischenzeitlich aber einen seiner berühmt-berüchtigten Kunstfehler einstreute oder vollkommen uninspiriert mal so eben per ansatzlosem Unterhandwurf neben das Tor ballerte war mit dem Lagarde-Kempa zum 29:23 (57.) die Partie zugunsten der Rhein-Neckar Löwen gelaufen.

Am Ende einer eher durchschnittlichen Bundesliga-Partie legte Kai Wandschneider wert darauf, die spieltaktischen und kämpferischen Aspekte in den Mittelpunkt zu stellen: »Meine Mannschaft hat nach den deutlichen Rückständen eine unfassbare Moral gezeigt und im zweiten Abschnitt mit ganz viel Herz klasse 4:2- und 3:3-Deckungen gespielt.«

Rhein-Neckar Löwen: Palicka, Appelgren (bei einem Siebenmeter); Schmid (1), Gensheimer (13/4), Kirkeløkke (1), Lagarde (2), Tollbring, Abutovic, Mensah (1), Fäth (1), Groetzki (1), Guardiola, Petersson (3), Nielsen (2), Ganz, Kohlbacher (4).

HSG Wetzlar: Klimpke, Suljakovic (ab 54.); Feld (3), Kneer, Björnsen (3), Ferraz (2), Mirkulovski (1), Torbrügge, Weissgerber (4/3), Öfors (3), Holst (1/1), Schefvert (2), Rubin (3), Lindskog (1), Cavor (3).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Otto/Piper. - Zuschauer: 8572. - Strafminuten: Mensah (2), Lagarde (2) - Ferraz (2), Lindskog (2), Kneer (2). - Siebenmeter: 4/5:4/7. - Spielfilm: 5:2 (7.), 9:6 (17.), 10:8 (20.), 15:9 (Halbzeit); 16:9, 19:11 (34.), 19:16 (42.), 25:19 (50.), 25:22 (52.), 28:22 (56.), 29:26 (Endstand.

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