Es war keiner dieser tristen November-Nachmittage auf der Amateurbühne des Fußballs, sondern vielmehr das Duell der Giganten im Kleinen. Das Spitzenspiel, was sich nicht nur die 300 Augenzeugen vorher versprochen hatten. Die FSG Lumda/Geilshausen zelebrierte nach dem 1:1 gegen ihren Verfolger SG Reiskirchen/Bersrod/Saasen am Wochenende die »Herbstmeisterschaft« in der A-Klasse Alsfeld/Gießen. Obwohl viel auf dem Spiel stand im Rabenauer Dörfchen, avancierten die Protagonisten zu Vertretern des fairen Sports und zeigten, wie es eigentlich zugehen sollte auf deutschen Fußballplätzen.

Das fing schon mit der Gedenkminute für Robert Enke an, die der DFB den Vereinen bundesweit ans Herz gelegt hatte. Eine bedächtige Stille - nicht von Proleten unterbrochen wie zuletzt beim Länderspiel - überzog den mitten im Ort gelegenen Platz. Die Spieler reihten sich Arm in Arm an der Mittellinie auf. Auch Schiedsrichter Michael Schmidt gewährte diesem Moment des Innehaltens den nötigen Raum und blies erst nach gebührender Wartezeit in seine Pfeife.

Nur zwei Gelbe Karten musste Schmidt in den folgenden 90 Minuten zeigen, beide gab’s kurz vor dem Seitenwechsel. Aber selbst das Verhalten der Akteure rund um die Verwarnungen hatte Stil: So wies FSG-Keeper Florian Hollmeyer den 19-jährigen Reiskirchener Tim Kutscher nach dessen Regelverstoß an Erik Bender darauf hin, dass hier durchaus ein Zeichen des Respekts angebracht sein könnte: »Entschuldigt man sich nicht mehr nach so einem Foul? Ist das unmodern?« Kutscher schluckte diese Pille und bat um Nachsicht beim Gefoulten.

Hollmeyer selbst stand diesen Werten in nichts nach. Als sein Team nach langer Führung in den Schlussminuten den Ausgleich hinnehmen musste und Gäste-Torjäger Christian Kuhn den Ball auf schnellstem Weg zur Spielfortsetzung an den Mittelpunkt tragen wollte, verlor der Lumdaer Torsteher nicht die Contenance. Nach einer winzigen Meinungsverschiedenheit mit Kuhn ließ er diesen gewähren und klopfte der gegnerischen Offensivkraft gar noch freundschaftlich auf die Schulter.

Nachdem das vergangene Wochenende dem Fußball-Fan auf der Bundesliga-Bühne wieder vor Augen geführt hatte, wie schnell selbst Millionären die Sicherungen durchbrennen (David Abraham und Vincenzo Grifo in Freiburg), nachdem schon das vorvergangene Wochenende die Kleingeistigkeit und Aggressionsbereitschaft einiger Möchtegern-Sportler im mittelhessischen Holzheim und im südhessischen Dieburg unter Beweis stellte, durfte man froh sein, einer Begegnung wie der in Geilshausen beizuwohnen.

Dabei packten sich die Fußballer gegenseitig nicht etwa in Watte. Gebotener Körpereinsatz und ein gesundes Maß an Härte dokumentierten eindrucksvoll, dass in der Rabenau am Sonntag der »Männerfußball« gespielt wurde, den Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc von seinem Bundesliga-Ensemble tags zuvor vergeblich gefordert hatte. Selbst mit der Fehlersuche in den eigenen Reihen setzte man sich auseinander: »In den umkämpften Spielen zeigt sich, dass wir noch eine unerfahrene Mannschaft haben«, ließ Markus Sommerlad auf Reiskirchener Seite wissen, dass eben diese Beschlagenheit ein Faktor sein kann. Das Durchschnittsalter der SG-Startelf lag bei zarten 22,5 Jahren (Lumda/Geilshausen: 27,1). Aber selbst im weniger fortgeschrittenen Alter zeigten sich im Kopf alle erstaunlich reif.

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