27. August 2021, 06:00 Uhr

American Football

Dragons-Headcoach Anderl vor Saisonstart: »Das Leben muss weitergehen«

Die Footballer der Gießen Golden Dragons starten am Wochenende in die neue Saison der Regionalliga Mitte - und Headcoach Michael Anderl hofft auf Abendspiele in Wieseck vor Zuschauern.
27. August 2021, 06:00 Uhr
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Von Sven Nordmann
Angeleitet von Michael Anderl (2. v. l.) peilen die Gießen Golden Dragons den Zweitligaaufstieg an - im Wiesecker Stadion. FOTO: FRIEDRICH (Foto: HERTEUX_R)

Zwei Jahre nach dem letzten Liga-Wettkampf trainieren die Footballer der Gießen Golden Dragons seit Mitte Juni wieder intensiv für die in einer Woche startende Saison in der Regionalliga Mitte - mit dem Ziel Zweitligaaufstieg.

»Alle haben Bock, der Anreiz ist groß«, sagt Headcoach Michael Anderl vor dem Auftakt am 29. August. »Stand jetzt planen wir mit Zuschauern im Wiesecker Stadion. Der Kickoff ist um 17 Uhr, im Herbst werden wir da in die Abenddämmerung reinspielen. Mit dem Flutlicht in Wieseck kann das eine super Atmosphäre werden«, meint Anderl.

Im Interview spricht der 48-jährige gebürtige Gießener über das aktuelle Training, den Anteil ortsansässiger Spieler im jungen Kader und den »Playoff-Modus« in der nur fünf Mannschaften umfassenden Regionalliga Mitte.

Herr Anderl, seit wann trainieren die Gießen Golden Dragons vor dem Start in die neue Saison auf dem MTV-Gelände wieder in gewohnter Manier?

Seit Mitte Juni trainieren wir wieder mit Ausrüstung und Vollkontakt. So können wir auch mal wieder ein kleines Spiel simulieren, Team Offense gegen Team Defense. Das ist von großem Vorteil. Auch die einzelnen Trainingsgruppen üben wieder in voller Größe. Genau das hat gefehlt. Für Footballer, für die großen Jungs, ist Einzeltraining nicht so interessant. Für das Mannschaftsgefüge war die Wiederaufnahme des Trainings sehr wichtig. Alle sind gut drauf und haben Bock.

Im Jahr 2020 haben sich die Gießener Footballer gegen eine Teilnahme am Spielbetrieb entschieden. War das aus Ihrer Sicht die einzig logische und richtige Entscheidung?

Ja. Wir haben lange diskutiert und auch die Mannschaft miteinbezogen. Die meisten Amateursportler gehen am nächsten Tag zur Arbeit. Wir hatten bzw. haben über 40 Spieler im Training. Das Risiko war da zu hoch. Wenn sich einer infiziert hätte, hätte vielleicht die ganze Mannschaft in Quarantäne gehen müssen. Aber das Leben muss weitergehen. Mittlerweile ist ein Großteil der Spieler durchgeimpft.

Warum wollen die Dragons wieder in die 2. Liga?

(lacht) Wir wollen es nicht auf Biegen und Brechen. Wichtig ist, dass wir besser vorbereitet sind. Wir haben ja vier Jahre lang in der GFL 2 gespielt und als Verein viel gelernt. Wir wollen einiges besser machen. Denn in Liga zwei herrscht eine andere Gangart, mehr Zuschauer erfordern mehr Helfer und Organisation.

Wie ist die Mannschaft aufgestellt?

Wir befinden uns, auch durch die besondere Zeit, im Wandel, haben eine viel jüngere Mannschaft. Wir haben mit unserem Quarterback Anthony James Springer nur einen einzigen US-Import. Über mehr Importspieler haben wir nicht nachgedacht, weil wir auf die Jugend setzen wollen.

Wie hoch ist der Anteil von im Landkreis Gießen lebenden Footballer?

Ca. die Hälfte der Spieler ist ortsansässig.

Was zeichnet Quarterback Springer aus?

Er ist ein sehr erfahrener Quarterback, der schon in Wiesbaden und Nürnberg gespielt hat. Er ist sehr mobil und hat einen guten Wurfarm. A. J. kommt aus Kalifornien und hat schon in den letzten Jahren über die Sommermonate in Deutschland gelebt.

Was ist die Motivation für Amerikaner, diesen Weg zu gehen, für einige Monate nach Deutschland zu kommen?

Sie haben Lust auf American Football, tingeln mal durch Europa und lernen andere Kulturkreise kennen. Er wohnt hier mit einem Spieler zusammen.

Sie selbst sind gebürtiger Gießener. Welchen Blick haben Sie auf die Stadt?

Ich lebe mit meiner Familie seit über 20 Jahren in Kinzenbach. Ich bin hier aufgewachsen und ich wohne gerne hier. Die Menschen machen eine Stadt aus. Und ich denke, dass das hier in Gießen so ist: Dass die vielen Studierenden diese mittelhessische Kleinstadt prägen.

Durch lediglich fünf Teams in der Regionalliga Mitte gewinnt jede Partie an Brisanz und Bedeutung.

Das stimmt, es ist wie eine kleine Playoff-Runde. Mainz und Montabaur werden vermutlich unsere größten Konkurrenten sein. Der Meister kommt in die Relegation mit den Teams aus der Regionalliga Süd und Südwest und kämpft dann um die zwei Aufstiegsplätze. Letztlich sind die Mannschaften durch die lange Pause aber schwer einzuschätzen.

Bauen die Golden Dragons auf ihre Defense, die jahrelang Markenzeichen war?

Wir haben mit Cordell Shepherd einen neuen Defense Coordinator, der einen guten Eindruck macht. Er hatte zuvor die Wetzlarer Wölfe als Headcoach trainiert. Wir haben eine starke Verteidigung und eine ausgeglichene Offense mit dem Schwerpunkt Passspiel. Das wollen wir zeigen.



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