30. September 2021, 22:27 Uhr

HSG Wetzlar

Ein ganz bitterer Abend

Nach dem 22-Tore-Coup gegen TSV Burgdorf verliert die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga ihr drittes Auswärtsspiel in Folge. Das 23:31 beim HSV Hamburg gleicht sogar einem Debakel.
30. September 2021, 22:27 Uhr
Daniela_Pieth
Von Daniela Pieth
Nahezu ohnmächtig muss Trainer Benjamin Matschke das 23:31-Debakel seiner HSG Wetzlar beim HSV Hamburg über sich ergehen lassen. FOTO: IMAGO

Zu Hause hui, auswärts pfui. Mit 23:31 (10:17) wurde die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga vom HSV Hamburg abgewatscht. Und das lag nicht nur am starken Spiel der Gastgeber, sondern auch an der mangelnden Einstellung der Mittelhessen. Dem überragenden Spiel gegen Hannover folgte beim Aufsteiger der Absturz auf den Boden der Tatsachen.

Es dauerte fast fünf Minuten, bis die Zuschauer der Partie das erste Tor durch Hamburgs Manuel Späth sehen sollten. Nach Stefan Cavors Ausgleich zum 2:2 (7.) deutete sich an, was die Gäste an diesem Abend ausmachen sollte: Technische Fehler im Spielaufbau und Wurfpech. Wobei man das aus Sicht des HSV anders beschreiben würde und auch sollte. Denn im Kasten der Hanseaten stand mit Johannes »Jogi« Bitter der Fels in der Brandung, der den Wetzlarern reihenweise im Weg stand. Mit 7:3 führte der HSV durch einen Siebenmeter von Casper Mortensen, ehe sich die Grün-Weißen berappelten und bis auf 7:8 durch Emil Mellegard (18.) verkürzen konnten.

Es sah fast schon so aus, als wäre die Mannschaft von Benjamin Matschke endlich aus dem Bus gehüpft, da bremste der Hamburger Keeper den kleinen Ansturm wieder aus. Das 8:9 von Domen Novak sollte für die nächsten neun Minuten der letzte Treffer gewesen sein. Hamburg zog auf 16:8 davon und bestrafte dabei die Wetzlarer Fehler gnadenlos.

Unkonzentriert agierte die HSG in Angriff wie Abwehr. Vorne prägten Abspielfehler und teils unvorbereitete Würfe das Bild - und natürlich Bitter. Hinten hielt man dem druckvollen und beweglichen Spiel der Gastgeber kaum stand und ließ die Torhüter im Stich.

Ohne die nötige Tiefe rieb sich der HSG-Rückraum in seinem 15-Meter-Streifen auf, bekam die Außen und Kreisläufer nur selten ins Spiel. Hamburgs Abwehr schien mit ein, zwei Mann mehr auf dem Feld zu stehen, ließ kaum Lücken entstehen und hatte hinten einen Weltmeister im Kasten. Das im Spiel gegen Hannover getankte Selbstbewusstsein hatten die Wetzlarer wohl in der Rittal-Arena gelassen. »Wir wussten, dass Hamburg hier mit einer ganz anderen Intensität und Leidenschaft auftreten wird, wo man von vornherein dagegenhalten muss«, erklärte Matschke im Interview bei Sky. »Das haben wir heute zu keiner Phase geschafft.«

Und so stand zur Pause ein 10:17 zu Buche und die Erkenntnis, dass ein Lenny Rubin, der an diesem Abend mit zehn Toren als einziger ablieferte, nicht reicht, um trockenen Fußes über die Elbe zu kommen. »Wir haben nach der Pause versucht, mit einer großen Emotionalität ins Spiel zurückzufinden«, verdeutlichte Matschke die Taktik der zweiten Halbzeit. Seine Mannschaft verkürzte auf 12:17, biss sich in der Folge aber wieder die Zähne an Bitter aus, der den Abend mit einer Fangquote von fast 40 Prozent beendete.

Nach dem 14:19 von Rubin (39.) herrschte wieder Torflaute und Hamburg löschte sechs Minuten später mit dem 23:14 von Azat Valiullin sämtliche grün-weiße Hoffnungsfünkchen aus. Zum Ende hin konnten die Gäste mit Mühe und Not eine zweistellige Niederlage verhindern.

Hamburg stand über 60 Minuten auf dem Gaspedal. »Das was hier passiert, ist schon jetzt ein kleines Märchen«, strahlte Bitter nach dem Spiel bei Sky. »Diese Niederlage ist sehr schmerzhaft und ärgerlich, aber für mich auch sehr lehrreich in der Analyse«, so Matschke. »Wir haben Bälle fahrlässig weggeworfen, die Grundeinstellung vermissen lassen.«

Hamburg: Bitter, Vortmann; Schimmelbauer (1), Mortensen (5/3), Tissier, Späth (1), Weller (3), Ossenkopp, Axmann (1), Andersen (5), Bauer (1), Forstbauer (8), Wullenweber (2), Bergemann, Kleineidam, Valiullin (4).

Wetzlar: Till Klimpke, Suljakovic; Srsen (1), Nyfjäll (1), Ole Klimpke, Kusan (1), Mirkulovski, Danner, Weisgerber, Holst (2/2), Fredriksen (1), Forsell Schefvert, Mellegard (3), Rubin (10), Novak (2), Cavor (2).

Steno / SR: Vom Dorff/vom Dorff (Kaarst). - Z: 2860. - Zeitstrafen: 10:4 Minuten. - Siebenmeter: 4/3:2/2.



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