05. Juli 2021, 12:41 Uhr

Fußball / Hessenliga

»Ein interessanter Modus«

Daniyel Bulut (FSV Fernwald) und Mario Schappert (SC Waldgirmes), die Trainer der beiden heimischen Hessenligisten, haben sich unseren Fragen gestellt.
05. Juli 2021, 12:41 Uhr
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Von Peter Froese
Daniyel Bulut, der Trainer des FSV Fernwald, hat die neue Saison schon im Blick. FOTO: FRO

In der Fußball-Hessenliga wird es in der kommenden Saison zunächst eine zweigeteilte Klasseneinteilung geben, ehe es anschließend in Auf- und Abstiegsrunden um die berühmte »Wurst« gehen wird. Ziel ist es, nach zwei Jahren der coronabedingten Abbrüche attraktive Spiele für die Zuschauer anzubieten und gleichzeitig einen handhabbaren und im Falle eines weiteren Abbruchs bewertbaren Spielplan zu erstellen. Die beiden heimischen Hessenligisten FSV Fernwald und SC Waldgirmes sind dabei in unterschiedliche Klassen eingeteilt, sodass es ein direktes Aufeinandertreffen als Mittelhessen-Derby frühestens in einer der beiden Playoff- bzw. Playdown-Runden geben könnte. Wir haben mit den beiden Trainern Daniyel Bulut (FSV Fernwald) und Mario Schappert (SC Waldgirmes) über Zu- und Abgänge, Trainingsvorbereitung und Bewertung des neuen Spielmodus gesprochen.

Welche Positionen können ihre Neuzugänge spielen und wo liegen ihre Stärken und Schwächen?

Bulut: Mit Pierre Kleinheider, der bereits in der 3. Liga gespielt hat, und Fabian Grutza, den ich aus meiner Zeit in Waldgirmes bestens kenne, können wir auf der Torwartposition auf geballte Erfahrung zurückgreifen. Sie sollen von hinten heraus die Mannschaft führen. Ansonsten haben wir junge, entwicklungsfähige Spieler aus der Region verpflichtet, die alle eine gute Ausbildung in der Jugendabteilung der TSG Wieseck genossen haben. Yannik Grönke ist ein überragender Linksfuß, der im Zentrum und auf der linken Seite einsetzbar ist. Hoang-Nam Luc ist ein dynamischer Spieler, der auf rechts als Außenverteidiger, aber auch auf der offensiven Position zum Zuge kommen kann. Manuel Ephrem Dursun bringt viel Schnelligkeit mit und ist ein technisch starker, intelligenter Spieler für das Zentrum, während Patrick Markiewicz, der das Nachwuchsleistungszentrum von Eintracht Frankfurt durchlaufen hat, Tempo mit Technik verbindet und als Flügelspieler offensiv über die Außen kommen kann. Für die jungen Leute gilt gleichermaßen, dass sie sich in der Defensive verbessern müssen. Der Sprung vom Junioren- zum Seniorenbereich ist extrem. Hier ist es meine Aufgabe, die Spieler langsam an das neue Level heranzuführen.

Schappert: Claudius Fürstenau kann im defensiven Zentrum alles spielen. Er passt sportlich und charakterlich sehr gut zu uns. Jakob Louis Reinhard ist ein schneller, athletischer Außenspieler, der das Potenzial hat, sich direkt durchzusetzen. Luis Böttcher ist ein Toptalent aus der Region, der noch bei den A-Junioren spielen könnte. Ich bin froh, dass er den Weg zu uns gefunden hat und traue ihm ebenfalls zu, sich bei uns durchzusetzen. Die Eigengewächse aus unserer Jugend werden sich zunächst über das Verbandsligateam beweisen müssen.

Wo liegen die Schwerpunkte in der Saisonvorbereitung und was ist aus Ihrer Sicht wichtig, nach der langen Pause zu beachten?

Bulut: Wir haben bereits am 8. Juni mit einfachen Fußballbewegungen ohne große Trainingsansätze angefangen. Ziel war es, sich näher kennenzulernen und Spaß zu haben. Wir hatten in Fernwald bereits vor der letzten Saison einen großen Umbruch und konnten uns in den drei Monaten bis zur Corona-Unterbrechung noch nicht richtig finden. Wir werden die konditionelle Arbeit langsam steigern, dabei aber immer den Ball im Fokus haben. So wollen wir uns Stück für Stück an höhere Belastungen herantasten. Wir dürfen keine Verletzungen durch einen zu übertriebenen Ehrgeiz riskieren, denn das Ziel ist es, zum Rundenstart so viele Spieler wie möglich gesund und fit zu haben.

Schappert: Wir haben für die ersten beiden Wochen einen behutsamen Start geplant. Hier möchte ich schauen, wie der Fitnesszustand der Jungs ist. Dass es dabei Unterschiede geben wird, ist völlig normal, denn während die jungen Spieler quasi komplett durchtrainiert haben, werden andere Spieler nicht jeden Tag laufen gewesen sein. Wir müssen daher zunächst eine gemeinsame Basis schaffen. Neben dem am 9. Juli stattfindenden Pokalspiel in Waldsolms werden wir viele Testspiele (u.a. gegen den FSV Fernwald) machen, um jedem Spieler die Möglichkeit zu geben, sich zu beweisen. Wir werden zunächst mit allen 40 Feldspielern gemeinsam trainieren, ehe sich dann der Spreu vom Weizen trennen wird.

Wie schätzen Sie den geplanten Spielmodus ein und welches Ziel haben Sie mit ihrer Mannschaft?

Bulut: Diese einmalige Situation hat uns einen interessanten Modus beschert. Wir müssen erst unsere Erfahrungen sammeln, um es letztlich bewerten zu können. Wir müssen von Spiel zu Spiel denken und von Beginn an möglichst viele Erfolgserlebnisse sammeln. Positive Ergebnisse sind wichtig, damit man im Falle eines Falles bei einem erneuten Abbruch möglichst über der entscheidenden Linie steht. Beide Gruppen sind gleich stark. Bei uns sind die ersten fünf Plätze nach Meinung der Experten mit der SG Barockstadt, dem TSV Eintracht Stadtallendorf, Bayern Alzenau, dem KSV Baunatal und dem 1. FC Hanau 93 vergeben. Wir wollen den ein- oder anderen dieser Vereine ärgern und müssen in Lauerstellung sein, wenn einer der Favoriten ausrutscht. Wir wollen auf den Zug der Aufstiegsrelegation aufspringen. Dennoch müssen wir beachten, dass Punkte gegen direkte Konkurrenten in die Entscheidungsrunden mitgenommen werden. Daher sind Spiele gegen den 1. FC Erlensee genauso wichtig für den Fall, dass man den Sprung in den Aufstiegsmodus nicht schaffen sollte. Wir dürfen daher nicht träumen, sondern müssen jedes Spiel wie ein K.o.-Spiel angehen.«

Schappert: Als Sportler willst du immer das Maximum erreichen. Bei uns sind der SC Hessen Dreieich, Türk Gücü Friedberg, Rot-Weiß Hadamar und Rot-Weiß Walldorf die Favoriten. Alle anderen Teams bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau. Wir müssen in den Spielmodus hineinfinden und schauen, was am Ende herauskommt. Die Aufstiegsrunde könnte aber, wenn man es realistisch betrachtet, eine Nummer zu groß für uns sein.



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