01. November 2022, 08:00 Uhr

Gießen 46ers

Fans belohnen harte Arbeit der Gießen 46ers

Eines ist sicher: Die Fans, die am Samstagabend in der Osthalle waren, kommen erneut. Es lohnt sich wieder, die Spiele der Gießen 46ers live mitzuerleben. Das Team bietet zwar nicht immer den filigransten Basketball, dafür aber einen aufopferungsvollen Kampf - wie beim nervenaufreibenden 91:89 gegen Phoenix Hagen.
01. November 2022, 08:00 Uhr
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Von Wolfgang Gärtner
Gemeinsam sind wir stark - die Gießen 46ers (v. l.: Roland Nyama, Igor Cvorovic, Stefan Fundic, Luis Figge, Justin Martin und Trainer »Frenki« Ignjatovic) feiern mit den Fans in der Osthalle einen zu Anfang der Partie niemals geglaubten 91:89-Sieg. FOTO: HF

Nach Viertel Nummer eins hätte wohl keiner in der mit knapp über 2000 Zuschauern gefüllten Osthalle gedacht, dass die Gießen 46ers zwei Stunden später als Sieger aus der Basketball-ProA-Partie hervorgehen. Gerade mal 15 Pünktchen gelangen den an beiden Enden konfus agierenden Lahnstädtern in den ersten zehn Minuten, den Hagenern gestatteten sie indes satte 30. Von der zuvor propagierten Defense keine Spur. Die Gäste von der Volme schauten sich mehrmals ungläubig an, wie leicht es ihnen gemacht wurde, zu ihren Körben zu kommen. Doch die Gießener Mannschaft von Trainer »Frenki« Ignjatovic gab sich nicht auf. Im Gegenteil: Sie steigerte sich von Minute zu Minute.

Die Gießen 46ers sind in ihrer eigenen »Gym« noch ungeschlagen, ausw ärts rufen sie ihr Potenzial aber noch nicht ab, zeigen meist zwei Gesichter. Drei Siege nach fünf Spielen, Platz sechs - auf Playoffkurs? Wir stellen drei Behauptungen auf.

Die Mannschaft funktioniert - trotz der unübersehbaren Schwächen: Eines kann man der neuen Mannschaft der 46ers nicht absprechen: Das ist die Kampfbereitschaft. Sie gibt nie auf. Egal, wie es auf dem Court läuft. Das sehen die Fans in der Osthalle gerne. Sie sind geradezu geflasht von den beiden gewonnenen Heimpartien (Vechta und Hagen), die spannender als jeder Krimi waren und erst in den letzten Sekunden durch »Wahnsinnsdreier« entschieden wurden. Die von den Protagonisten präsentierten Emotionen zeigen bei den Anhängern Wirkung. Der so oft in diesem Zusammenhang genannte Funke scheint übergesprungen zu sein. Die Fans belohnen die harte Arbeit. Direkt nach dem Sieg am vergangenen Samstag gegen die Hagener tummelte sich das gesamte Gießener Team auf der Stehtribüne der HDK-Fraktion und genoss das Bad in der Menge. Das schweißt zusammen. Das sind Bilder, die man lange nicht mehr in der Osthalle gesehen hat. Spieler wie Stefan Fundic, der Berserker unter dem Korb, oder Beißer Nico Brauner, der Kapitän geht trotz einer schmerzhaften Muskelverletzung immer mit großem Engagement voran, haben sich in die Herzen der Fans gespielt.

Doch vieles auf dem Feld ist noch Stückwerk. Es bleibt noch eine Menge Luft nach oben. In der Abwehr wird es den Gegenspielern oft zu leicht gemacht, Punkte zu erzielen. Das Eins-gegen-Eins-Verhalten in der Defensive ist verbesserungswürdig. Auch die Verteidigung des Dreierwurfs muss sich steigern. Gut, dass Fundic unter dem Korb abräumt und Rebounds sichert. Im Angriff müssen auf jeden Fall die Ballverluste reduziert werden. Durchschnittlich 13,4 Turnover pro Spiel sind zu viele - meist auch noch haarsträubende, die sofort in Fastbreaks umgewandelt werden. Zudem muss häufiger der Extrapass gespielt werden. Das hebt die Mannschaft auf ein Niveau, das nicht so leicht auszurechnen ist - und lässt die Stimmung in der Mannschaft steigen.

Der Trainer passt: Die ruhige, sachliche, aber auch bestimmende Art von Trainer »Frenki« Ignjatovic kommt gut an. Der 56-Jährige hat das nötige Fingerspitzengefühl, unterschiedliche Ansprachen zu halten. Der eine braucht die Peitsche, der andere eine Streicheleinheit. »Frenki« lebt Emotionen vor. Er hat bei der Rekrutierung ganze Arbeit geleistet und mit dem ihm zur Verfügung stehenden Budget gut gehaushaltet. Sprich: Er ist nahe an das Optimum gekommen. Einen Überflieger hat er nicht im Team, aber viele »Kampfsäue«. Und Typen wie Luis Figge, Brauner und Fundic, die in der Mannschaft für eine angenehme Atmosphäre sorgen. Ignjatovic coacht auf Erfolg. Da kennt er keine Gnade. Wer Leistung im Training bringt und sich aufdrängt, spielt. Wer das nicht tut, bekommt vom Ersatzbanksitzen Schwielen am Hintern. Davon kann Max Begue ein Lied singen. Das einzige Relikt aus der BBL-Abstiegssaison kommt nicht in die Gänge. Der Forward, eigentlich mit guten körperlichen Voraussetzungen bestückt, hat in den fünf Partien ganze 13 Minuten gespielt, in zweien davon überhaupt nicht. So langsam wird es für ihn Zeit, dass er zeigt, was er drauf hat.

Dem Team fehlt noch ein Qualitätsspieler: Natürlich ist das Ziel der 46ers, die Playoffs zu erreichen. Dazu müssen sie nach der Hauptrunde mindestens Rang acht belegen. Das scheint durchaus möglich. Offensichtlich ist aber, dass der Mannschaft noch ein beständiger Scorer fehlt. Einer, der die Qualität hat, zu jedem Zeitpunkt des Spiels zu punkten. Ob das nötige »Kleingeld« für so eine Verpflichtung vorhanden ist, steht auf einem anderen Blatt. Die Verantwortlichen sollten sich aber so schnell wie möglich diesem Thema widmen, damit es hinterher nicht zu spät ist.



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